Einleitung
Klinisch tätige Perfusionist:innen verantworten in Deutschland die extrakorporale Zirkulation (EKZ) bei herzchirurgischen Eingriffen, mechanische Kreislaufunterstützungssysteme (MCS, ECMO/ECLS, IABP, Impella, LVAD) sowie Verfahren der Organperfusion. Die Berufsgruppe ist klein – die DGPTM weist auf ihrer Website rund 670 klinisch tätige Perfusionist:innen aus. Ihre Bedeutung für die kardiochirurgische Versorgung ist jedoch nach wie vor sehr gefragt und nimmt sogar zu. Dies bestätigt auch die jährli-
che DGTHG-Leistungsstatistik. Dieser sogenannte „German Heart Surgery Report“ dokumentiert für 77 herzchirurgische Fachabteilungen 28.843 isolierte Bypassoperationen, 45.422 isolierte Klappenoperationen, 21.299 TAVI und 3.168 ECMO/ECLS-Implantationen, was einem Anstieg der herzchirurgischen Eingriffe um + 5,7 %, der temporären Unterstützungssysteme um + 10,6 % und der Herztransplantationen um + 7,4 % gegenüber 2023 entspricht.
Zusätzlich steigt der Einsatz von extrakorporalen Unterstützungsverfahren in Kliniken ohne herzchirurgische Abteilung. Das Fachgebiet Perfusiologie und Technische Medizin entwickelt sich stetig weiter, als integraler Bestandteil multiprofessioneller Teams. Neue Technologien finden dabei vor allem im Rahmen der Herzmedizin, Onkologie, Organprotektion, Organperfusion, Rettungsdienst und Lungentherapien ihre Anwendung [5,18,19]. Durch ihr spezifisches Fachwissen bringen Perfusiolog:innen die moderne Gerätemedizin aktiv voran und werden zunehmend aktiv in therapeutische Entscheidungen eingebunden [20].
Gleichzeitig altert die Berufsgruppe, was sich in der DGPTM-Mitgliederstruktur zeigt [1]. Mit einem Alter von 50 + sind 40 % der aktiven Perfusionist:innen die Personen, die in den kommenden 10 Jahren bis 2036 regulär in den Ruhestand wechseln. Zeitgleich beklagen zahlreiche Kliniken, dass es bereits heute einen eklatanten Mangel an Perfusionist:innen gibt. Weiter ist zu berücksichtigen, dass ein nennenswerter Anteil an gut ausgebildeten Fachperfusionist:innen die Perfusiologie nach 5 – 10 Jahren verlassen, um sich beruflich neu zu orientieren. Diese Abwanderung bezieht sich oftmals auf den Bereich des klinischen Supports in der Industrie, aber auch auf neue multidisziplinäre Strukturen außerhalb der klassischen Herzmedizin, wie beispielsweise ECLS- und ECMO-Programme oder die Organperfusion.
Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir uns darauf konzentrieren, eine ausreichende Anzahl an Auszubildenden zu gewinnen, um genügend klinisch tätige Mitarbeitende für die tägliche Versorgung der uns anvertrauten Patienten zur Verfügung stellen zu können. Hier zu berücksichtigen sind die Mindestanforderungen an die geforderte Personalstärke (geplante Einsatzorte für Perfusionist:innen + 1 Perfusionist:in) in der Perfusionsabteilung, um eine sichere und qualitativ hochwertige Patientenversorgung zu gewährleisten [3,22]. Neben diesen Bedingungen und der Berufsfluktuation zeigt sich, dass ein nicht geringer Anteil an Studierenden, die sich im Studium der Fachrichtung Perfusiologie und Technische Medizin anschließen, ihr Studium abbrechen oder auch nach dem Studium den Beruf der Perfusionist:in in der Klinik nicht antreten.
Der Akademische Beirat der DGPTM arbeitet bereits seit einigen Jahren gemeinsam mit den nach dem EBCP zertifizierten Hochschulen daran, das Berufsbild Perfusionist:in bzw. Perfusiolog:in oder Technischen Mediziner:in bekannter zu machen. An den drei bestehenden EBCP-zertifizierten Hochschulstandorten wurden neue auf die Fachrichtung zugeschnittene Studiengänge etabliert, um die erforderlichen Kompetenzen effektiv in einer strukturierten Ausbildung zu vermitteln [2,4,5]. Hierfür benötigen die Hochschulen eine Planungssicherheit und ausreichend klinische Partner, die neben der Theorie tutoriell begleitet praktische Ausbildungsplätze anbieten.
Um den Bedarf an Perfusionist:innen für die nächste Dekade zu decken, wurde diese hier vorgestellte Umfrage unter allen Leitungen von perfusiologischen Abteilungen in Deutschland initiiert und durchgeführt. Das Ziel der Umfrage war es, einen validen Studienbedarfsplan für die Perfusiologie bis 2036 zu erstellen.
Material und Methoden
Unter allen 77 Leitungen von perfusionistischen Abteilungen in Deutschland wurde vom 8. – 25.04.2026 eine Personalbedarfsumfrage durchgeführt, um den Personal-Ist-Zustand, sowie die perspektivische Personalentwicklung bis 2036 abzufragen. Ziel der Umfrage war es, einen belastbaren Studienentwicklungsplan für Deutschland zu erstellen. Um hierfür eine valide Datenlage zu erhalten, wurde die Auswertung mit belastbaren Entwicklungsannahmen statistisch ausgewertet.
Umfrage
Diese Umfrage wurde mit einem eigenen von der DGPTM programmierten Abfragetool durchgeführt. Hierzu wurden die EKZ-Einsätze 2025 mit dem dazugehörigen Personalstand an Perfusionist:innen abgefragt. Hierbei wurde darüber hinaus gebeten, den aktuellen Anteil an Teilzeitbeschäftigten, sowie den Bedarf an Perfusionist:innen in Stufen für die Jahre bis 2027, 2029, 2032 und 2036 auszufüllen. Neben dem Bedarf wurde nach der Anzahl der praktischen Ausbildungsplätze pro Jahr, sowie der Bereitschaft Studierende am Klinikum zu beschäftigen, gefragt. Weiter wurden die Voraussetzungen und Vorkenntnisse erfragt, welche nach der Ansicht der Leitungen notwendig sind, um Perfusionist:innen in Ausbildung einzustellen. Hier wurden vier Gruppen zum Ankreuzen angeboten: 1. Medizinische Vorbildung, z. B. OTA, Pflege, Rettungsdienst; 2. Medizinische Vorbildung durch einen Bachelorabschluss in Pflege; 3. Technische Vorbildung, z. B. Bachelor oder Master in Medizintechnik oder Biomedizintechnik; 4. Ergänzungen. Neben diesen Punkten wurde auch ein verpflichtendes Vorpraktikum als Voraussetzung fürs Studium abgefragt. Des Weiteren wurde das Stimmungsbild für die Notwendigkeit eines einheitlichen zertifizierten strukturierten Tutoringprogramms und dafür notwendige Freistellung von Tutor:innen erhoben. Neben diesen eher praktischen Fragen konnte auch die mögliche akademische Unterstützung bei Abschlussarbeiten angegeben werden. Abgefragt wurde die persönliche Bereitschaft bzw. die der Kolleg:innen, für die Unterstützung eines Karriere-Mentoring für Perfusionist:innen.
Validität
Um sicherzustellen, dass die Umfrage valide und verständlich ist, wurde diese vor dem Start von fünf erfahrenen Perfusionist:innen getestet und angepasst. Dadurch konnte ausgeschlossen werden, dass durch unklar gestellte Fragen Interpretationsspielräume für Antworten möglich wurden. Somit konnte die Verlässlichkeit der Antworten auf die gestellten Fragen sichergestellt werden.
Datengrundlage zur Auswertung
- Personalbedarfsumfrage April 2026, Roh-Export in ein Excel-Sheet. Hochrechnung der eingegangen Daten auf die 77 herzchirurgischen Fachabteilungen bezogen auf aktuelle Anzahl der tätigen Perfusionist:innen und der freien Stellen. Dabei wurden die VZÄ auf tatsächlich arbeitende Personen umgerechnet. Ausgangslage der erhobenen Zahlen war 2025.
- Es wurde eine Renteneintrittsanalyse mit 65 Jahren bis 2036 in der Auswertung mitberücksichtigt. Die Alterspyramide der 462 aktiven ordentlichen Mitglieder der DGPTM wurde auf die Gesamtpopulation an Perfusionist:innen in Deutschland
- übernommen (Mitgliederexport DGPTM Zoho CRM, Stichtag 26.04.2026).
- Die DGTHG-Leistungsstatistik 2024 [6] wurde als Basis für das Volumenwachstum der Herzchirurgie um 4 % pro Jahr (2024 + 5,7 %, 2023 + 4,4 %) angenommen [6]. Die Annahme wird bis 2036 aufrechterhalten.
- Eine berufsgruppenspezifische Fluktuationsstatistik existiert aktuell nicht. Die Bundesagentur für Arbeit klassifiziert Perfusionist:innen nicht als eigene Berufsordnung; mit 684 Personen ist die Berufsgruppe für offizielle Statistiken zu klein. Belastbare Referenzwerte aus benachbarten Bereichen sind:
Krankenhaus gesamt (RWI 2021) 19,5 % p. a. [7]
Pflege Krankenhaus (RWI 2024) 17 % p. a. [7]
Intensivstationen 7,9 % p. a. [7]
Ärzt:innen Krankenhaus 8 – 10 % p. a. [7]
- Die Perfusiologie ist in dem Bereich der berufsnahen Referenz der klinisch tätigen Ärzt:innen einzuordnen. Daher wurde für die Berechnung 10 % p. a. angesetzt.
- Abhängig von der Grundstudienausrichtung können Studierende Perfusiologie und Technische Medizin im Vollzeitstudium oder als Studienschwerpunkt wählen. Damit gehen aber auch nicht alle Absolvent:innen des Schwerpunkts Perfusiologie und Technische Medizin mit dem ECCP ab und gehen in die klinische Patientenversorgung. Schaut man sich die Statistik an zum Studienabbruch und in unseren Fall zum Berufseintritt als Perfusionist:in, zeigen alle Bachelor-Studierende an Fachhochschulen eine 20 %ige Studienabbruchquote, davon 32 % in den Ingenieurswissenschaften und bei Universitätsstudierenden liegt die Quote sogar bei 35 % [21]. Da in der Perfusiologie ein großer Teil aktuell noch klinikgebunden ausgebildet wird, zeigt sich nach interner Umfrage unserer akkreditierten Hochschulen eine Abbruchquote von 10 % pro Kurs. Ein Nichtantritt als Perfusionist:in im praktischen klinischen Setting zeigt sich bei weiteren 10 % der Absolventen, die den Schwerpunkt „Perfusiologie und Technische Medizin“ belegen. Daher zeigt sich, dass für jeden Studienanfänger im Fachbereich Perfusiologie 1,235 × Netto-Bedarf der Brutto-Studienplätze mit einberechnet werden muss.
Statistik
Die eingehenden Daten wurden in der Mastertabelle gespeichert und auf Plausibilität geprüft. Es wurden die Mittelwerte der Antworten gebildet und diese dann proportional auf die 77 herzchirurgischen Fachabteilungen hochgerechnet. Für die Berechnung der 95 % Konfidenzintervalle wurde das Bootstrapping-Verfahren mit der Perzentil-Methode und 99.999 Wiederholungen verwendet. Werte zwischen den abgefragten Jahren wurden durch Interpolation mit monotonen kubischen Hermite-Splines ermittelt. Die Interpolationsplines wurden auch für die Extrapolation der Zahlen bis 2039 verwendet, die für die Schätzung der Studienanfängerzahlen bis 2036 benötigt wurden.
Ergebnisse
Aus der Umfrage liegen für 52 Kliniken auswertbare Daten vor. In diesen Kliniken sind 462 Personen bei 434 VZÄ tätig. Der Teilzeitanteil liegt bei 109 von 462 Personen – entsprechend 24 %. Auf Basis der Umfrage beträgt der aktuell unbesetzte VZ-Bedarf
in 52 Kliniken 55 VZÄ-Stellen; hochgerechnet auf 77 Kliniken sind das rund 82 fehlende VZÄ-Stellen. Diese Kliniken gaben an, 44.211 EKZ-Einsätze in 2025 durchgeführt zu haben. Bei der Hochrechnung auf alle deutschen Kliniken würden demnach 68085 EKZ durchgeführt werden. Nimmt man den Herzbericht 2024, waren es 64.602 Perfusionen und bei Hochrechnung auf 2025 wären dies 67.186 (Tab. 1).
| Tab. 1: Zeigt den aktuellen Stand und den angegebenen Bedarf an Perfustionist:innen | |||||
| Kennzahl | |||||
| Summe | |||||
| Hochr. 77 Kliniken | |||||
| EKZ-Einsätze 2025 | |||||
| 44.211 (n = 50) | |||||
| 68.085 (95 %-CI: 57673 – 80234) | |||||
| Personal gesamt (Personen) | |||||
| 462 (n = 52) | |||||
| 684 (95 %-CI: 584 – 805) | |||||
| davon Teilzeit | |||||
| 109 (n = 52) | |||||
| 161 (95 %-CI: 124 – 205) | |||||
| Vollzeitäquivalente (VZÄ) | |||||
| 434 (n = 52) | |||||
| 641 (95 %-CI: 544 – 759) | |||||
| Aktuell ungedeckter VZÄ-Bedarf | |||||
| 55 (n = 52) | |||||
| 82 (95 %-CI: 65 – 101) |
Bedarfsentwicklung 2025 – 2036
Die antwortenden Kliniken gaben den jeweils zusätzlich erwarteten VZÄ-Bedarf pro Stichjahr an. Hierbei konnte ein aktueller Personalbedarf (2025) von 82 Stellen oder 1,06 pro Klinik ermittelt werden. Dieser steigt bis 2028 auf 125 VZÄ (1,62 pro Klinik), 2030 auf 189 VZÄ (2,46 pro Klinik), 2032 auf 282 VZÄ (3,66 pro Klinik) und 2036 auf 334 VZÄ (4,34 pro Klinik) an.
Da aktuell 641 VZÄ-Stellen von 684 Perfusionist:innen besetzt werden, entspricht das einer Erhöhung von 6,7 % an Personen, die in dem Beruf arbeiten. In der Annahme, dass die Teilzeitquote die nächsten 10 Jahre konstant bleibt, wird dies für die weiteren Analysen als Grundlage angenommen. Somit werden aus den VZÄ-Stellen die Personen, die den Beruf klinisch tätige Perfusionist:in ausüben. Somit ergibt sich ein Personalbedarf an Personen für 2025: 87 (95 %-CI 70 – 108), 2028: 133 (95 %-CI 108 – 166), 2030: 202 (95 %-CI 170 – 239), 2032: 301 (95 %-CI 246 – 362), 2036: 357 (95 %-CI 289 – 434) (Abb. 1).
Renteneintritte
Bis Januar 2036 verlassen altersbedingt durch ordentliche Verrentung mit 65 Jahren kumulativ 204 Perfusionist:innen den Beruf. Dies wurde in der weiteren Berechnung des Bedarfs mitberücksichtigt. Jeweils bis 31.12. des Jahres 2027 n = 35, 2029 n = 77, 2031 n = 134 und 2035 n = 204 Perfusionist:innen.
Fluktuation aus der klinischen Perfusion und Wachstum des Aufgabenspektrums in der Herzmedizin
Wir berechnen den Gesamtbedarf (Personen) an Perfusionist:innen. Ausgehend von aktuell 684 Personen, wobei wir zusätzlich ein Wachstum des Bedarfs von 4 % pro Jahr und eine Fluktuation von 10 % pro Jahr berücksichtigen. Außerdem werden die prognostizierten Verrentungen mit eingerechnet. Für 2028: 968 (95 %-CI: 937 – 1008), 2030: 1083 (95 %-CI: 1040 – 1132), 2032: 1231 (95 %-CI: 1153 – 1321), 2036: 1417 (95 %-CI: 1303 – 1547).
Bedarfsermittung Studienanfänger:innen für den Fachbereich
Aus dem kumulativen Bedarf an benötigten Studienanfänger:innen für den Zeitraum von 2026 bis 2036 (11 Jahre) ergibt sich ein Bedarf pro Jahr von 66 (95 %-CI: 54 – 80) Studienanfänger:innen. Darüber hinaus sollte noch bedacht werden, dass 2025 geschätzt bereits 87 (95 %-CI: 69 – 108) Perfusionist:innen fehlen. Mit den Annahmen, dass 10 % der Studienanfänger:innen abbrechen und 10 % der Absolvent:innen einen anderen Beruf wählen, bedarf es 108 zusätzlicher Studienanfänger:innen, um diesen Mangel auszugleichen. Außerdem muss man davon ausgehen, dass dieser Mangel aufgrund fehlender Absolvent:innen in den nächsten Jahren noch leicht anwachsen wird. Wir gehen deshalb davon aus, dass pro Jahr zumindest 10 zusätzliche Studienplätze benötigt werden, um diese Lücke bis 2036 schrittweise zu schließen. Dies erhöht den Bedarf auf 76 (95 %-CI: 64 – 90) Studienanfänger:innen pro Jahr.
Weitere Umfrageergebnisse – Anstellung, Vorpraktikum, Tutoring, Mentoring
Bereitschaft zur Anstellung Studierender
81 % der befragten Kliniken sind bereit, die Studienkosten zu übernehmen. Davon wären sogar 73 % zur Zahlung eines Ausbildungsgehalts bereit. Im Median zeigte sich, dass im Durchschnitt 3.164 € (min. 700 € – max. 4.200 €) bezahlt werden.
Verpflichtendes Vorpraktikum
92 % der befragten Leitungen äußerten sich zu der Frage eines verpflichtenden Vorpraktikums, bevor das Studium oder der Studienschwerpunkt Perfusiologie und Technische Medizin gewählt wird. Hier gaben 47 % an, dass es absolut notwendig ist, 45 % fänden es wünschenswert und 8 % sagten, dass es nicht notwendig sei. Von den befragten Leitungen, die es für notwendig oder zumindest wünschenswert erachteten, sprachen sich 95 % für eine
Dauer von einer bis zwei Wochen aus. Eine Klinik sprach sich sogar für ein verpflichtendes Perfusionspraktikum von vier Wochen aus.
Tutoring-Programm
82 % der Befragten wünschen sich eine Freistellung für ein zertifiziertes Tutoring-Programm, um die praktische Ausbildung zwischen den Kliniken vergleichbarer zu machen.
Akademische Unterstützung
In den befragten Abteilungen würden 94 % die Studierenden bei ihren notwendigen wissenschaftlichen Abschlussarbeiten unterstützen. 56 % der Befragten könnte sich auch vorstellen, dass Mitarbeitende in ihren Abteilungen grundsätzlich bereit wären, an einem Karriere-Mentoring teilzunehmen.
Diskussion
Mit einer Rücklaufquote von 68 % zeigte sich die repräsentative Umfrage als ein valides Bild der Perfusiologie in Deutschland. Dies wird weiter unterstrichen durch die angegebenen EKZ-Zahlen für 2025, die nach dem Herzbericht 2024 [6] kumuliert auf das Jahr 2025 hochgerechnet übereinstimmen. Der Herzbericht widerlegt die Hypothese einer schrumpfenden Berufsgruppe in der Herzmedizin [6]. Der Eingriffskorridor für Perfusionist:innen wächst um + 5,7 % insgesamt, bei mechanischer Kreislaufunterstützung (MCS) sogar um + 10,6 %, bei Transplantationen um weitere + 7,4 %. Die Letztgenannten sind sehr intensive Verfahren mit langen Liegezeiten, die 24 / 7 / 365 Tage Rufdienstpflicht mit vielen Einsatzzeiten für Perfusionist:innen bedeuten. Die aktuellen Basis-Anforderungen einer Fachabteilung für Herzchirurgie, so-wie die Empfehlung der drei großen europäischen medizinischen Fachgesellschaften mit perfusiologischen Anteilen (EACTS, EBCP, EACTAIC), fordern mindestens die Anzahl an geplanten Einsatz-


orten plus eine:n Perfusionist:in im herzmedizinischem Krankenhausbetrieb als Mindestpersonalausstattung vorzuhalten [3,22].
Ausbildungsbedarf – wie viele Studienplätze braucht es?
Aus der Erfassung der Umfrage wurde der kumulative Bedarf an klinisch tätigen Perfusionist:innen von 2026 bis 2036 für ganz Deutschland ermittelt.
Nach den getroffenen Annahmen im Material- und Methoden-Teil gepaart mit der vorliegenden Umfrage, wurden die benötigten Studienanfänger ermittelt. Hierbei gilt zu berücksichtigen, ab wann diese vollumfänglich, also zertifiziert nach EBCP für den Einsatz im Krankenhaus ausgebildet sind. Die Studiendauer aller EBCP-akzeptierten Studiengänge wurde zusammengefasst und mit 3 Jahren bzw. 6 Semester Studiendauer definiert (3 Semester Master Technical Physician; 7. Semester bzw. 10. Semester Bachelor in Vollzeit oder berufsbegleitende Medizintechnik – Klinische Technologien; 6. Semester Bachelor Cardiovascular Perfusion, 5. Semester Master Cardiovascular Perfusion).
Daraus ergab sich ein Bedarf von 66 Studienanfänger:innen pro Jahr. Da bereits 2025 nach der Umfrage 87 Perfusionist:innen fehlen, müssen diese bis 2036 adäquat mit ausgebildet werden, um die Lücke bis 2039 zu schließen. Mit den Annahmen, dass nicht alle Studienanfänger:innen den Beruf in der Klinik auch antreten und der Bedarf somit auf 108 zusätzliche Studienanfänger:innen anwächst, muss, um den aktuellen Mangel bis 2036 schrittweise auszugleichen, die Zahl der Studienanfänger:innen pro Jahr bis 2036 auf 76 anwachsen.
Berufspolitische Konsequenz
Diese aktuelle Lücke von 87 klinisch tätigen Perfusionist:innen wird vor Ort durch Mehrarbeit, Rufdienstverdichtung und in der Folge durch Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) kompensiert. Der Anteil an Teilzeitbeschäftigten von aktuell 23,6 % erhöht die Anzahl der Perfusionist:innen aktuell um 6,7 % im Verhältnis zum VZÄ. Dieser Anteil wird aber durch die steigende aktuelle Belastung noch weiter zunehmen und die Lücke vergrößern. Um diesen Kreislauf mittelfristig zu durchbrechen, ist eine Erhöhung der aktuellen Ausbildungskapazität dringend notwendig.
Stand heute sind über 40 % der klinischen Perfusionist:innen über 50 Jahre alt. Dieser demographische Wandel ist in der Perfusiologie seit Jahren erkannt, aber durch Kostendruck in den Krankenhäuern ignoriert worden. Der Verzicht auf Ausbildung führt seit Jahren zu Engpässen in der Versorgung mit zertifizierten Perfusionist:innen. Schaut man sich die Studienabgänger der letzten fünf Jahre an, sieht man zwar von 2021 n = 20 auf 2025 n = 43 ECCP-
Abschlüsse eine Steigerung, diese liegt aber immer noch deutlich unter den jährlichen Bedarf von ca. 76 Studienanfänger:innen die benötigt würden. In der ECCP-Statistik aus Tabelle 2 sind Perfusionist:innen, die den Beruf erst gar nicht antreten, nicht mit berücksichtigt (Tab. 2).
Perspektiven und Fallstrike für eine adäquate Patientenversorgung
Als Mitglieder eines multiprofessionellen Teams ermöglichen Perfusionist:innen in Zusammenarbeit mit Herzchirurgie, Anästhesiologie, Kardiologie und weiteren Fachrichtungen komplexeste Patientenbehandlungen. Ihr Alleinstellungsmerkmal liegt in der Expertise der extrakorporalen Zirkulation (EKZ) [8,9]. Darüber hinaus schreibt der G-BA in seinen Struktur- und Personalvorgaben eine sofortige Einsatzbereitschaft mit Anwesenheitspflicht von Perfusionisten bei TAVI-Eingriffen vor. Das Bundessozialgericht bestätigte 2022 (Az: B 1 KR 26/21 R), dass Krankenhäuser bei Nichteinhaltung dieser Personalvorgaben keinen Anspruch auf die vollständige Vergütung haben [10]. ECCP-zertifizierte Perfusionisten steuern heute komplexe extrakorporale Verfahren und das physiologische Patientenmanagement in vielfältigen klinischen Settings – vom Operationssaal und der Intensivstation bis hin zum Herzkatheterlabor, bei Reanimationen (eCPR) und auf Patienten-Transporten [10,11]. Die Personalbedarfsfrage für Einsätze dieser Art ist aber aktuell nicht gekoppelt an die Reimbursement-Logik. Im G-DRG-System sind ECMO/ECLS-Verfahren (OPS 8-852.x) zusatzentgeltfähig, allerdings ohne explizite Vorhaltung qualifizierter Perfusionist:innen [12]. In mehreren Positionspapers ist aber genau das gefordert, um eine hohe Qualität für die Patientenversorgung sicherzustellen [5,13 – 15]. Die EURO-ELSO-Kriterien für ECMO-Zentren sehen eine 24/7-Verfügbarkeit perfusionsfachkundigen Personals vor [16]. Eine Zertifizierung als „Cardiac Arrest Center“ nach dem Deutschem Rat für Wiederbelebung (GRC) ist ohne diese Spezialisten:innen-Vorhaltung nicht erreichbar [17]. Darüber hinaus finden sich für Perfusionist:innen neue Technologien neben der Herzmedizin auch in der Onkologie, Organprotektion, Organperfusion, Rettungsdienst sowie Lungentherapien [5,18,19]. Perfusiolog:innen machen durch ihr spezifisches Fachwissen die moderne Gerätemedizin zukunftssicherer und effektiver für die Patientenbehandlung. Sie werden zunehmend aktiv in therapeutische Entscheidungen eingebunden [20].
Akademisierung
In einem gemeinsamen Expertenkonsenspapier einigten sich führende europäische Fachgesellschaften für Herzmedizin, Anästhe-
| Tab. 2: ECCP-zertifizierte Studienabgänger der letzten 5 Jahre (ECCP-Statistik) + erwartet in 2026; Akademie für Kardiotechnik (AFK); Hochschule Furtwangen (HFU); Fachhochschule (FH Münster) | |||||
| 2021 | |||||
| 2022 | |||||
| 2023 | |||||
| Nr. | Empfehlung | 2024 | 2019 | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Class | L.O.E. | Class | L.O.E. | ||
| 2025 | |||||
| 2026 | |||||
| AFK | |||||
| 17 | |||||
| 26 | |||||
| 33 | |||||
| 30 | |||||
| 21 | |||||
| 22 | HFU | ||||
| 3 | |||||
| 7 | |||||
| 5 | |||||
| 9 | |||||
| 16 | |||||
| 15 | FH Münster | ||||
| 4 | |||||
| 8 | |||||
| 6 | |||||
| 6 | ECCP-Abschluss | ||||
| 20 | |||||
| 33 | |||||
| 42 | |||||
| 47 | |||||
| 43 | |||||
| 43 | |||||
siologie und Perfusiologie auf ein Kompetenz- und Qualifikationslevel für Perfusionist:innen, um die qualitative Weiterentwicklung des Fachgebietes zu stärken. Hierbei wurde eine akademische Weiterentwicklung, wie im Fachgebiet international bereits üblich, in Richtung der Qualifikationsstufen (DQR 7 oder höher) bis 2035 empfohlen [2].
Limitationen
Die Umfrage wurde ausschließlich an herzchirurgisch perfusiologische Fachabteilungen versandt. Von der Erfassung ausgenommen sind freiberuflich tätige Perfusionist:innen, Perfusionist:innen in kardiologischen, pulmologischen oder anästhesiologischen Abteilungen sowie Rettungsdiensten.
Schlussfolgerung
Die Berufsgruppe der klinisch tätigen Perfusionist:innen in Deutschland stagniert seit Jahren. Damit wächst die Perfusiologie nicht im Verhältnis zum Versorgungsbedarf. Betrachtet man noch die möglichen Perspektiven für die moderne zukunftsweisende Gerätemedizin, müsste die Anzahl der Perfusionist:innen, die zusätzlich außerhalb der Herzmedizin eingesetzt werden, steigen. Die Umfrage belegt, dass es 2026 bundesweit 87 unbesetzte Perfusionist:innen-Stellen gibt. Mit ca. 60 Studienplätzen 2026 stehen erstmals ca. 20 Studienplätze mehr zur Verfügung, im Verhältnis zu den letzten fünf Jahren. Dennoch reicht auch diese aktuell geplante Ausbildungskapazität nicht aus, um die kumulierte Bedarfslücke bis 2036 zu decken. Für eine sichere Patientenversorgung hat neben der DGTHG auch die EBCP / EACTS / EACTAIC im Expertenkonsensus 2025 formuliert, dass die Personalstärke von Perfusionist:innen in herzchirurgischen Abteilungen mit der Anzahl an geplanten Einsatzorten in der Herzmedizin + 1 Perfusionist:in als Mindeststandard zu planen ist.
Ein kontinuierliches Monitoring des Berufsbildes hilft, die Gründe der Berufsfluktuation aus den Krankenhäusern zu verstehen. Nur durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und dem Aufzeigen von Entwicklungsperspektiven wird der wichtige Beruf der Perfusionist:in gestärkt und langfristig eine valide Versorgung der Patienten sichergestellt. Hierbei spielt das lebenslange Lernen und die persönliche Weiterentwicklung, der Perfusionist:innen eine zentrale Rolle. Die vorgeschlagene Akademisierung des Berufs auf Master-Niveau bis 2035 geht mit einer deutlichen Kompetenzerweiterung einher und gewährleistet eine zukunftsorientierte verbesserte Patientenversorgung. Die Berufsgruppe expandiert in Richtung multiprofessioneller, einrichtungsübergreifender Perfusionsdienstleistungen, was neben der Höherqualifizierung die aktuelle Bedarfslage zusätzlich verschärft.
Mit der vorliegenden Ermittlung eines verlässlichen Studienbedarfsplans und der Diskussion im Akademischen Beirat der DGPTM, in dem Vertreter der EBCP-zugelassen Hochschulen so-wie Delegierte benachbarter Fachgesellschaften vertreten sind, kann die nächste Dekade der Studierenden in der Perfusiologie und Technischen Medizin adressiert werden.
Interessenkonflikt
Herr Münch ist als Präsident der DGPTM und Herr Melzer als Administrator und Vorstandsmitglied ehrenamtlich für die DGPTM tätig.







