Die Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik (DGfK), gegründet 1971 und aktuell umbenannt in Deutsche Gesellschaft für Perfusiologie und Technische Medizin (DGPTM, aktiv ab 01.01.2025), ist die führende Fachgesellschaft für Perfusiologie in Deutschland und widmet sich allen wissenschaftlichen und berufspolitischen Belangen des Faches. Die Perfusiologie, vormals Kardiotechnik, ist ein Fachgebiet, das sich tragend mit der Bereitstellung und Durchführung der partiellen oder globalen Perfusion des Körpers durch extrakorporale Zirkulation (EKZ) oder mechanische Herzkreislaufunterstützung befasst. Insbesondere während herzchirurgischer Eingriffe kommen vor allem die Herz-Lungen-Maschine (HLM), aber auch weitere spezielle medizintechnische Systeme zum Einsatz. Die Perfusiologie spielt damit eine zentrale Rolle in der sicheren Patientenversorgung in der Herzchirurgie und anderen Bereichen der Medizin, insbesondere derer mit kardiovaskulärem oder transplantations-assoziiertem Schwerpunkt. Extrakorporale Perfusionsverfahren/-systeme wie die Extrakorporale Membran Oxygenierung (ECMO) und Extrakorporale Life Support Systeme (ECLS) bekommen eine immer höhere Bedeutung. Die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten von Perfusionist:innen, deren Qualifikation durch eine Zertifizierung gesichert ist, sind für Deutschland in einem Konsensuspapier zwischen sieben Fachgesellschaften beschrieben und geregelt [1]. Zur Sicherstellung einer qualifizierten und standardisierten Patientenversorgung definiert das 1991 gegründete „European Board of Cardiovascular Perfusion“ (EBCP) die europaweit einheitlich geltende und auch in Deutschland durch die DGfK/DGPTM seit 2010 berücksichtigte Mindestqualifikation und entsprechende Ausbildung von Perfusionist:innen und verleiht darauf basierend das Zertifikat „European Certificate in Cardiovascular Perfusion“ (ECCP) [2, 3].
Zusätzlich hat der Akademische Beirat der DGPTM, ehemals DGfK, ein Positionspapier veröffentlicht, das darüber hinaus die zukünftig notwendigen Kompetenzen von Perfusionist:innen definiert, anhand derer die EBCP-akkreditierten deutschen Hochschulen die studentische Lehre adaptieren können [4].
ECCP-zertifizierte Perfusionist:innen sind spezialisierte medizinische Fachkräfte, die für die Bedienung verschiedener Arten von Medizinprodukten zur extrakorporalen Zirkulation und für das Management des physiologischen Zustands der Patient:innen während der Behandlung und Operation mit extrakorporalen Verfahren zuständig sind. Die extrakorporale Zirkulation zur Durchführung der Perfusion im Operationssaal, auf der Intensivstation, im Herzkatheterlabor sowie während Wiederbelebungsmaßnahmen (eCPR) und Transporten von Patient:innen mit extrakorporaler Unterstützung im und außerhalb des Krankenhauses findet unter Beteiligung von Perfusionist:innen statt [5, 6]. Sie verfügen über die maßgebliche Expertise auf dem Gebiet der Perfusiologie und sind daher für die Durchführung klinischer Perfusionsverfahren prädestiniert.
Die Ex-vivo-Organperfusion, auch maschinelle Perfusion genannt, wird seit Anfang der 2000er Jahre im europäischen Gesundheitssystem zum Erhalt und zur Verbesserung der Qualität von Organtransplantaten eingesetzt [7-11]. Diese Methode kann die Ischämiezeit verkürzen oder den Reperfusionsschaden nach der Ischämie verkleinern, wodurch die Qualität von Spenderorganen verbessert wird. In bestimmten Fällen wird die Ex-vivo-Organperfusion verwendet, um das Spenderorgan nach der Entnahme zu rekonditionieren. Die Ex-vivo-Organperfusion trägt dazu bei, den Mangel an geeigneten Spenderorganen zu reduzieren und die Qualität bestimmter Spenderorgane zu verbessern. Bei der Organperfusion kommt in Abhängigkeit des Organs, wie Herz, Lunge, Leber, Niere, Pankreas ein komplexes medizintechnisches Gerät zum Einsatz. Mit zunehmender Weiterentwicklung der Organperfusionsverfahren wurden die entsprechenden Perfusionsgeräte und -systeme, sowie die Perfusionsdurchführung erheblich komplexer. Weiterhin existieren hypotherme und normotherme Perfusionsprotokolle, welche je nach organspezifischer Anwendung und Organzustand hoffnungsvolle Ergebnisse liefern [12-15].
Auch bei der Inklusion vollkommen neuer Spenderpopulationen, wie denen mit Kreislauftod (Donation after Circulatory Death, DCD) spielt die partielle Körperperfusion (Normothermic Regional Perfusion, NRP) zur Darstellung der Organqualität und die Ex-vivo-Organperfusion zum Organerhalt eine entscheidende Rolle.
Die Organtransplantation ist ein medizinischer Bereich, in dem verschiedene Fachrichtungen zusammenarbeiten, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: die Verbesserung der Lebensqualität von Patient:innen mit Organversagen im Endstadium. Als Fachgesellschaft für Perfusiologie in Deutschland stellt die DGPTM in enger Zusammenarbeit mit dem EBCP ein strukturiertes zertifiziertes Ausbildungsprogramm mit kontinuierlicher Fortbildung und einem etablierten Rezertifizierungsverfahren für Perfusiologie sicher, in welches auch die Organperfusion integriert werden soll. Wie bereits in internationalen Positionspapieren dargestellt, schließt sich die DGPTM dem Standpunkt an, dass jegliche Geräte zur extrakorporalen Perfusion nur durch speziell zertifizierte Perfusionist:innen angewendet werden sollten [16].
Wir sind der festen Überzeugung, dass die Einbringung der Expertise von Perfusionist:innen von großem Wert für die Durchführung und Weiterentwicklung der maschinellen Ex-vivo-Organperfusion ist. Dies umfasst insbesondere die klinische Durchführung der Ex-vivo-Organperfusion, aber auch die fachspezifische Ausbildung und Forschung.
Verantwortung und Expertise während der Perfusion, wie der maschinellen hypothermen und normothermen Ex-vivo-Organperfusion liegen im Kompetenzbereich ausgebildeter Perfusionist:innen. Somit sollte in jedem Fall die Ex-vivo-Organperfusion in Deutschland ausschließlich von zertifizierten Perfusionist:innen durchgeführt werden.
Interessenkonflikt
Die Autoren sind Perfusionisten und stammen aus einer Arbeitsgruppe des wissenschaftlichen Beirats der DGPTM und beschäftigen sich mit dem Thema Ex-vivo-Organperfusion.







