regulationsschwellen und Perfusionstemperatur, als Leitfaden zu dienen.
Schließlich ist auch das schwierige Entwöhnen ein wichtiges Thema in der klinischen Perfusion. In diesem Bereich liegen jedoch fast keine eindeutigen Evidenzdaten vor.
Kernbotschaften
Die kardiopulmonale Versorgung in der Herzchirurgie ist ein Paradebeispiel für die Verschmelzung umfassender, multidisziplinärer Kenntnisse und Fähigkeiten und erfordert die Zusammenarbeit zwischen Perfusionisten, Chirurgen, Anästhesisten und Intensivmedizinern. Diese aktualisierte Leitlinie, die gemeinsam von EACTS, EACTAIC und EBCP entwickelt wurde, integriert neue Erkenntnisse, die seit der letzten Veröffentlichung gewonnen wurden, um nach Möglichkeit aktualisierte, evidenzbasierte Empfehlungen zu geben, und umfasst ein breiteres Spektrum an Themen im Zusammenhang mit der CPB-Therapie, die sich auf die Patientenergebnisse auswirken.
Obwohl bedeutende Fortschritte erzielt wurden, bleiben viele Wissenslücken ungelöst. Die Überbrückung dieser Lücken erfordert
eine gemeinsame Anstrengung aller an der Herzchirurgie mit CPB beteiligten Akteure. Dieser konzertierte Ansatz wird sicherstellen, dass künftige Überarbeitungen der Leitlinien noch umfassender und praxisorientierter werden, was zu einer allgemeinen Akzeptanz und umfassenderen klinischen Verbesserungen führt.
Diese europäischen Leitlinien zielen darauf ab, die Perfusionstechniken und das perioperative Management zu standardisieren und zu optimieren. Die nächsten Schritte umfassen die Verbreitung und Umsetzung dieser Empfehlungen in nationale Leitlinien und/oder die klinische Praxis sowie die Bewertung ihrer Auswirkungen durch spezielle Qualitätssicherungs- und -verbesserungsprogramme. Diese Bemühungen zielen darauf ab, die Sicherheit und Wirksamkeit von CPB-Verfahren zu erhöhen und damit letztlich die Ergebnisse in der Herzchirurgie zu verbessern. Eine weitere Standardisierung kann nur durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Herzchirurgen, Anästhesisten und Perfusionisten erreicht werden. Spezielle Ausbildungsprogramme an akkreditierten Ausbildungsstätten sollten diese kontinuierliche Verbesserung unterstützen.
Sehr geehrte Herausgeber,
mit großem Interesse haben wir den Beitrag von Münch et al. [1] zu den Rufdienstanforderungen in der Kinder- und Säuglingsperfusion gelesen. Die Autoren greifen ein relevantes Themenfeld auf. Dessen konkrete Ausgestaltung und die Bewertung der erforderlichen Kompetenzen müssen jedoch unter Berücksichtigung der jeweiligen Strukturen, Fallzahlen und Ausbildungskonzepte in den einzelnen Abteilungen erfolgen. Insbesondere die juristische Einordnung der Verantwortung von Perfusionisten und die Betonung struktu-
rierter Qualifikationsnachweise leisten einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über Patientensicherheit und Versorgungsqualität.
Diskussionsbedarf besteht allerdings hinsichtlich der Definition klinischer Expertise, der Entwicklung von Handlungskompetenz und der Verantwortung für die Freigabe zum eigenständigen Rufdienst. Im aktuellen EBCP/EACTS/EACTAIC-Konsensuspapier wird die Entwicklung klinischer Expertise als strukturierter, stufenweiser Prozess beschrieben. Unterschieden werden Junior-, Mid-Level- und Senior-Perfusionisten. Die Junior-Phase umfasst hierbei weniger als 500 Perfusionen beziehungsweise weniger als drei Jahre Berufserfahrung und dient primär dem Erwerb der Kompetenzen für eine sichere eigenständige Erwachsenenperfusion. Dazu gehören neben technischen Fertigkeiten die Bewältigung unerwarteter Komplikationen, klinische Entscheidungsfähigkeit, Kommunikation in Hochrisikosituationen und die Integration in interprofessionelle Teams. [2]
Eine parallele Spezialisierung in die Kinder- und Säuglingsperfusion vor Erreichen des Mid-Level-Status erscheint daher nur eingeschränkt nachvollziehbar. Kinderperfusion ist keine bloße Erweiterung der Grundqualifikation, sondern eine eigenständige hochgradige Spezialisierung. Zunächst sollten daher die Kompetenzen der Erwachsenenperfusion vollständig entwickelt werden. Die vorgeschlagenen Mindestfallzahlen bieten zwar einen pragmatischen Ansatz, Ihre wissenschaftliche Grundlage bleibt hierbei jedoch unklar. Es wird nicht erläutert, weshalb beispielsweise eine totale Lungenvenenfehleinmündung, drei Shunt-Anlagen oder zwei Transplantationen zur selbstständigen Rufdienstteilnahme befähigen sollten. Klinische Kompetenz entsteht unserer Meinung nach nicht durch einzelne Fallzahlen, sondern durch einen langfristigen Entwicklungsprozess, der Wissen, praktische Fertigkeiten, Urteilsvermögen und professionelles Verhalten verbindet.
Das Ausbildungskonzept von Klüß et al. [3] beschreibt Kompetenzentwicklung entsprechend als strukturierten Prozess mit
Lernzielen, Supervision, kontinuierlichem Feedback, dokumentierter Logbuchführung und schrittweiser Verantwortungsübernahme. Entscheidend ist hierbei nicht allein die Zahl durchgeführter Perfusionen, sondern die Fähigkeit, eigene Grenzen zu erkennen, Risiken einzuschätzen und rechtzeitig Unterstützung anzufordern. Statt die vorgeschlagenen Fallzahlen lediglich durch andere Grenzwerte zu ersetzen, sollte ein strukturiertes pädiatrisches Kompetenzmodell entwickelt werden. Dieses könnte sich an den Standards des European Board of Cardiovascular Perfusion orientieren und Kinder- und Säuglingsperfusion als Subspezialisierung definieren. [4] Angesichts erheblicher europäischer Unterschiede bei Ausbildungsdauer, Ausbildungsinhalten und Kompetenzanforderungen erscheint ein harmonisiertes pädiatrisches Curriculum folgerichtig. [5] Ein solches Curriculum sollte auf einem Logbuch basieren und Neugeborenen- und Säuglingschirurgie, komplexe angeborene Herzfehler, Palliativoperationen und Shunt-Verfahren, ECMO-Therapien, mechanische Kreislaufunterstützung sowie Herztransplantationen abbilden. Hinzukommen sollten definierte Lernziele, regelmäßige Kompetenzbewertungen und dokumentierte Supervision. Eine Einarbeitungszeit von mindestens sechs Monaten mit etwa 100 dokumentierten pädiatrischen Perfusionen erscheint daher plausibel. Die Fallzahl kann jedoch nur ein Baustein des Kompetenznachweises sein. Rufdienstfähigkeit umfasst darüber hinaus situative Entscheidungsfähigkeit, Belastbarkeit, Kommunikation, Führungsverhalten, Teamfähigkeit, Selbstreflexion und rechtzeitige Eskalation. Diese Eigenschaften lassen sich nur begrenzt durch Checklisten erfassen. Die Freigabe zum Rufdienst ist daher eine Führungsaufgabe. Der leitende Perfusionist trägt Verantwortung für Ausbildung, Supervision und Leistungsbeurteilung. Gemeinsam mit dem verantwortlichen Kinderherzchirurgen, der Anästhesiologie und weiteren beteiligten Fachdisziplinen muss er beurteilen, wann die notwendige fach-
liche Kompetenz und persönliche Reife erreicht sind. Übergreifende Muster-SOPs könnten diesen Prozess unterstützen, die Beurteilung vor Ort aber nicht ersetzen. Auch ein Curriculum oder freiwilliger Zertifizierungsnachweis kann die Ausbildung sinnvoll ergänzen. Eine Zertifizierung darf jedoch weder die individuelle Kompetenzbewertung durch das klinische Leitungsteam ersetzen noch zwingende formale Voraussetzung für eine Rufdienstteilnahme sein.
Zusammenfassend sind die Empfehlungen ein wichtiger Beitrag zur Standardisierung. Die Rufdienstteilnahme sollte jedoch nicht primär an einzelne Fallzahlen, sondern an umfassende fachliche Kompetenz, klinische Erfahrung und persönliche Reife gebunden werden. Die abschließende Verantwortung muss ausdrücklich beim klinischen Leitungsteam des jeweiligen Zentrums verbleiben.







