Aussagekraft einer Activated Clotting Time-Messung 

KARDIOTECHNIK Ausgabe:
3-2022

Autor:innen

  1. Kwapil 1+2, A. Teske1+2, F. Einhaus 3, L. Krajinovic 3, A. Purbojo 1, S. Dittrich 4, O. Dewald 1, F. Münch 1
1 Kinderherzchirurgische Abteilung, Universitätsklinikum Erlangen, Loschgestraße 15, 91054 Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) (Leiter Prof. O. Dewald) 2 WKK Perfusionsservice GmbH & Co.KG, Wernher-von-Braun-Straße 5, 55129 Mainz-Hechtsheim 3 Anästhesiologische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen, Krankenhausstraße 12, 91054 Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) (Leiter Prof. R. Schüttler) 4 Kinderkardiologische Abteilung, Universitätsklinikum Erlangen, Loschgestraße 15, 91054 Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) (Leiter Prof. S. Dittrich) 

Hauptautor:in

KURZER WISSENSCHAFTLICHER LEBENSLAUF  Nicola Kwapil studierte an der Hochschule Furtwangen Molekulare und Technische Medizin (B.Sc.) und absolvierte dort den Masterstudiengang Technical Physician (M.Sc.). Von 2015 bis 2017 war er Perfusionist am Klinikum der Universität München (LMU) und ist seit 2018 am Universitätsklinikum Erlangen tätig. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind die maschinelle Autotransfusion, Gerinnungsmessung und die Säuglingsperfusion. 

Schlüssel­wörter

Activated Clotting Time, Heparin, extrakorporale Zirkulation, partielle Thromboplastinzeit, Protamin

Zusammen­fassung

Hintergrund: Die extrakorporale Zirkulation (EKZ) benötigt eine ausreichende Antikoagulation, welche in den meisten Fällen durch Heparin erzielt wird. Um die Wirksamkeit von Heparin zu überprüfen, wird die Activated Clotting Time (ACT) gemessen. Die ACT ist eine Point of Care-Messung, die in direkter Abhängigkeit zur Heparinkonzentration steht. Verschiedene Geräte sind am Markt verfügbar, mit Messküvetten für hoch- oder niedrigdosierte Anwendungen. Für die Pädiatrie bietet das Hemochron Signature Elite den Vorteil, mit sehr kleinem Probenvolumen auszukommen. Die verfügbaren High-Range (HR)- und Low-Range (LR)-Messküvetten enthalten jedoch unterschiedliche Aktivatoren. Was zu der Frage führte, für welche Messbereiche verlässliche Ergebnisse erzielt werden können.  Material und Methoden: In der Anwendungsstudie wurde der Einfluss der Messküvetten auf die ACT untersucht. Eingeschlossen wurden 29 Patient:innen, die in einem Zeitraum von sechs Wochen mit Hilfe einer EKZ operiert wurden. Zwei gleiche Hemochron ACT-Geräte fanden Anwendung. Bei allen Patient:innen erfolgte eine ACT-Bestimmung zum Messzeitpunkt M1 vor Heparingabe als Ausgangswertbestimmung und M2 nach der Protamingabe. Dabei wurde je ein Messsystem mit einer HR-Küvette beziehungsweise mit einer LR-Küvette ausgestattet. Als zusätzlicher Parameter wurde die partielle Thromboplastinzeit (PTT) vor und nach der Herzoperation erfasst und mit den gemessenen ACT-Werten korreliert. Für die statistische Auswertung wurde neben t-Tests die Korrelation nach Pearson angewandt. Das Signifikanzniveau betrug α = 0,05.   Ergebnisse: Der Vergleich zwischen HR- und LR-Küvetten zum jeweiligem Messzeitpunkt zeigte signifikante Unterschiede (M1: LR vs. HR; 149 ± 21 s vs.109 ± 14 s; p < 0,05; M2: LR vs. HR; 175 ± 22 s vs. 105 ± 9 s; p < 0,05). Der Vergleich zwischen den zwei Zeitpunkten zeigte in der HR-Gruppe keinen Unterschied (M1 vs. M2: 109 ± 14 s vs. 105 ± 14 s; p = 0,18), und in der LR- Gruppe einen signifikanten Unterschied (M1 vs. M2: 149 ± 21 s vs. 175 ± 22 s;  p < 0,05). Der ACT-Wert zum Zeitpunkt M2 zeigte in der LR-Gruppe eine moderate Korrelation mit dem postoperativen PTT-Wert (R = 0,4; p < 0,05). In der HR-Gruppe konnte keine Korrelation zum PTT-Wert gefunden werden (R = –0,06; p = 0,8).  Zusammenfassung: Für die abweichenden Ergebnisse bei den Messungen der LR-Küvetten scheinen im Vergleich zu den HR-Küvetten andere Aktivatoren verantwortlich zu sein. Die Korrelation zwischen LR-ACT-Werten zum Zeitpunkt M2 und der PTT weist auf einen wahrscheinlichen Heparinresteffekt nach Antagonisierung hin, welcher mit den sensitiveren LR-Küvetten zu erfassen war. 

Keywords

Activated clotting time, heparin, cardiopulmonary bypass, partial thromboplastin time, Protamine

EINLEITUNG 

1916 entdeckte McLean den körpereigenen, gerinnungshemmenden Wirkstoff Heparin [1]. Erst die Möglichkeit, die Gerinnungskaskade zu beeinflussen, erlaubt es, mit Fremdoberflächen wie z. B. der extrakorporalen Zirkulation (EKZ) zu interagieren. Diese Entdeckung war die Grundvoraussetzungen für die sichere Anwendbarkeit von EKZ-Systemen (z.B. Herz-Lungen-Maschine [HLM], Hämodiafiltration). Laut internationaler Guideline sollte bei der Anwendung der EKZ bei Herzoperationen die Activated Clotting Time (ACT) größer 480 s sein, um einen Totalausfall des Medizinproduktes zu vermeiden [2]. 

Die Funktionsweise von Heparin liegt in der Bindung und Aktivierung von Antithrombin, einem wichtigen endogenen Inhibitor von Thrombin (Faktor IIa) und Faktor Xa. Durch die Komplexbildung von Heparin mit Antithrombin kann die inhibierende Wirkung von Antithrombin um den Faktor 1000 erhöht werden. Eine spezifische Pentasaccharidsequenz im Heparin ist für diese Komplexbildung erforderlich. Darüber hinaus ist die Länge der Saccharidsequenzen und damit die Molekülgröße entscheidend darüber, ob es zu einer reinen Faktor Xa-Hemmung oder einer kombinierten Faktor IIa- und Faktor Xa-Hemmung kommt. Die Hemmung von Thrombin (Faktor IIa) erfordert eine gewisse Länge der Heparinmoleküle (mindestens 18 Saccharidmoleküle), damit sich das Heparin an die sogenannte Exosite 2-Stelle (EXO 2) des Thrombins binden kann. Für die Faktor Xa-Hemmung ist hingegen keine Bindung von Heparin an Faktor Xa erforderlich (Abb. 2). 

 

Abb. 2: Einfluss der Pentasaccharidsequenz 

 

Essenziell für die EKZ ist die sichere Hemmung der Hämostase, die mit der Gabe von langkettigem Heparin (unfraktioniertem Heparin, UFH) gewährleistet werden kann. Außerhalb eines herzchirurgischen Operationssaals wird die Heparinwirkung mittels der partiellen Thromboplastinzeit (PTT) gemessen und überwacht. Im Zuge der Herzoperation mit EKZ finden die intraoperativen Messungen in der Regel mittels ACT statt. Eine engmaschige Überwachung der Wirkung ist indiziert, da die Halbwertszeit von UFH bei nur 1 h liegt [3]. Einen unmittelbaren Einfluss auf die Heparinwirkung hat die behandlungsbedingte Hämodilution, welche unter anderem auch den Antithrombinspiegel verändert. 

Die Wirkung von UFH kann mittels eines Antidots (Protamin) zu 100 % antagonisiert werden [3]. Ein möglicher Überschuss nach der Antagonisierung, sowohl von Heparin als auch Protamin, wirkt sich dabei negativ auf die Hämostase aus. Entsprechend dem Behandlungsziel ist es essenziell, sich ein möglichst genaues Bild von der Gerinnungssituation des Patienten nach vorheriger Vollheparinisierung zu machen, um das postoperative Nachblutungsrisiko zu vermeiden. 

Die ACT stellt ein Maß für die minimale Zeit dar, die eine Blutprobe braucht, um zu gerinnen [2]. Sie misst die Zeit bis zum vollständigen Ablauf der Gerinnungskaskade und der Entstehung von Thromben. Je nach angestrebtem Heparinwirkstoffspiegel bieten einzelne Hersteller unterschiedliche Messkartuschen bzw. -küvetten an. Bei dem in der vorliegenden Studie angewandtem ACT-Messgerät kommen zwei Küvetten für unterschiedliche Messbereiche zum Einsatz. Je nach ACT-Zielbereich wird in einen Low-Range- (LR; 0–2,5 IE Heparin) und einen High-Range-Bereich (HR; 1,0–6,0 IE Heparin) unterschieden. Beide Küvetten differenzieren sich in Bezug auf den verwendeten Aktivator. Im LR-Bereich findet ein Celite-Aktivator Anwendung und im HR-Bereich eine Mischung aus Siliciumdioxid, Kaolin und Phospholipiden. 

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Art der verwendeten ACT-Messküvetten eines Herstellers einen akkurateren Rückschluss auf die Gerinnungssituation bzw. Heparinwirkung zulässt. 

 

MATERIAL UND METHODEN 

In die Beobachtungsstudie wurden 29 konsekutive Patient:innen (<18 Jahre), die zwischen dem 25.05. und 30.06.2021 in der kinderherzchirurgischen Abteilung operiert wurden, eingeschlossen. 

Zwei gleiche Hemochron Signature Elite ACT-Geräte (Werfen; Barcelona, Spanien) fanden Anwendung. Bei allen Patient:innen erfolgte die Bestimmung der ACT zu den Zeitpunkten vor Heparingabe (M1) und nach Protamingabe (M2). Zu jedem Messzeitpunkt wurden zwei Geräte mit dem Einführen der gruppenabhängigen Küvette zum Selbsttest gestartet. Verwendet wurde jeweils eine Low-Range-Küvette (Hemochron ACT-LR Cuvettes; REF: JACT-LR; Werfen; Barcelona, Spanien) und eine High-Range-Küvette (Hemochron ACT- HR Cuvettes; REF: JACT+). Pro Messung waren 0,15 ml/Patient:innenblut nötig, die im Zuge des Operationsverlaufes aus dem arteriellen Schenkel des jeweiligen Patienten entnommen wurden. Beide Geräte wurden gleichzeitig gestartet. Die Messungen M1 und M2 wurden mit der gleichen Küvettenart und mit dem jeweils gleichen Gerät durchgeführt. Um die Messtoleranzen der einzelnen Geräte zu berücksichtigen, wurden diese nach einem vorher schriftlich festgelegten Zufallsprinzip mit den jeweiligen Küvetten bestückt und so randomisiert. Die standardisierte Heparinisierung für die EKZ basiert auf zwei Säulen. Durch die Anästhesie erhielt jeder Patient initial vor EKZ-Start 400 IE Heparin/kg KG. Zusätzlich wurde dem EKZ-Set 1000 IE Heparin/100 ml kristalloides Primingvolumen zugeführt. Während der EKZ wurden alle 60 min EKZ-Zeit 500 IE Heparin appliziert. Die Protaminmenge errechnete sich Halbwertzeit-bereinigt aus der initialen Heparingabe des Primings und der Anästhesie-Initialdosis. 

Als sekundärer Endpunkt wurden die prä- und postoperativen PTT-Werte ausgewertet. Routinemäßig wurden am Vortag der OP sowie bei Ankunft des Patienten auf der Intensivstation nach der Herz-OP die PTT-Werte erhoben. Die PTT gehörte zum Standard der Vor- und Nachbereitung einer Herzoperation mit EKZ. Dieser Screening-Test der PTT sollte unter anderem heparinassoziierte Gerinnungsstörungen erkennen. 

Die statistische Auswertung erfolgte mittels SPSS für Windows (Version 28 SPSS Inc., USA). Die gemessenen ACT-Werte zum Messzeitpunkt M1 und M2 wurden mittels Welch-t-Test ausgewertet. Die Analyse zwischen den einzelnen Messzeitpunkten erfolgte mittels gepaartem t-Test. Die Korrelationsanalyse zwischen ACT und PTT wurde nach Pearson durchgeführt. Alle ermittelten ACT- und PTT-Werte wurden als Mittelwert ± einfache Standardabweichung angegeben. Die demographischen, EKZ-, Heparin- und Protamindaten wurden als Median mit Min/Max dargestellt. Alle statistischen Analysen wurden auf einem Signifikanzniveau von α= 0,05 getestet. 

 

ERGEBNISSE 

Die 29 Patient:innen waren im Median 8,2 kg schwer und wurden für 184 min durch die EKZ unterstützt. Sie erhielten im Median 740 IE/ kg KG Heparin über die gesamte OP-Zeit, welches post-EKZ mit 625 IE/kg KG Protamin antagonisiert wurde. Dies entspricht einem Heparin/Protaminverhältnis von 1:0,88 (Tab. 1). 

 

Tab. 1: Demografische und EKZ-Daten, sowie Heparin- bzw. Protamingaben mit den Antagonisierungsverhältnissen 

 

Es  zeigten  sich keine signifikanten Unterschiede in der HR-Gruppe zwischen den Zeitpunkten M1 und M2. In der LR-Gruppe zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen beiden Messzeitpunkten. Bei der Betrachtung der LR- und HR-Küvetten zeigten sich signifikante Unterschiede zu den beiden Messzeitpunkten (Tab. 2). 

 

Tab. 2: Ergebnisse zu den Zeitpunkten M1 und M2 je nach verwendeter Küvette 

 

Es zeigten sich keine statistisch signifikanten Korrelationen zwischen dem PTT- Wert vor dem OP-Tag und den ACT-Werten vor Heparingabe zum Zeitpunkt M1 (vor PTT vs. vor HR-Küvette R = -0,156, p = 0,42; vor PTT vs. vor LR-Küvette R = 0,29, p = 0,13). Es konnte keine Korrelation zwischen der HR-ACT-Messung (M2) und der postoperativen PTT festgestellt werden (R = -0,06; p = 0,8) (Abb.3). Mit einem R-Wert von 0,4 zeigte sich ein moderater, linearer Zusammenhang zwischen dem gemessenen LR-ACT-Wert nach Protamingabe (M2) und der postoperativen PTT (p < 0,05) (Abb. 4). 

 

Abb. 3: Keine Korrelation zwischen der HR-ACT nach Protamingabe und der postoperativen PTT 

 

Abb. 4: Korrelation zwischen der LR-ACT nach Protamingabe und der postoperativen PTT 

 

DISKUSSION 

Unterschiedliche Messergebnisse zwischen den verwendeten Küvetten gehen auf die unterschiedlichen Messmethoden zurück, welche sich aufgrund des Aktivators unterscheiden. Aus diesem Grund dürfen Ergebnisse nur innerhalb einer Messmethode verglichen werden. Hierbei spielt die Ausgangsmessung eine entscheidende Rolle, da relative Veränderungen in Betracht gezogen werden sollen. Zusätzlich gibt die Packungsbeilage der High-Range-ACT-Küvetten an, dass diese „nicht auf Heparinkonzentrationen unter dem Schwellenwert von 1,0 Einheiten/ml“ reagieren [4]. 

Die möglichen Ursachen für eine verlängerte ACT und eine negativ beeinflusste Hämostase sind vielfältig. Neben dem noch frei zirkulierenden Heparin könnte dem auch ein Überschuss an Protamin zugrunde liegen. Frühere Studien konnten einen negativen Einfluss hoher Protamindosen zeigen. Meesters et al. konnten dies bei einem Heparin- zu Protaminverhältnis von 1 zu 1,3 zeigen [5] und Koster sogar schon bei einem Verhältnis von 1:1 [6]. 

In der Leitlinie zum Patient Blood Management für erwachsene Patient:innen, die mittels EKZ operiert werden, wird ein abgewandeltes Verhältnis von Heparin zu Protamin empfohlen, sodass die Gefahr einer Überdosierung von Protamin minimiert werden kann. Nach der Leitlinienempfehlung (Klasse 2a, Level B), sollte das Verhältnis von Protamin zu Heparin geringer als 1:1 sein [7]. In der entsprechenden Leitlinie für pädiatrische Patient:innen sprechen sich die Autor:innen ebenfalls gegen ein Verhältnis von 1:1 oder größer (Protamin zu Heparin) aus [8]. 

In der vorliegenden Studie konnte dies aufgrund des internen SOP-konformen Managements mit einem Heparin-/Protaminverhältnis von 1:0,88 Leitlinien-konform umgesetzt werden. Im klinischen Alltag orientiert sich die Anästhesie an der initialen Heparindosis und antagonisiert exakt dieselbe Menge mittels Protamin. Ungeachtet dessen fließt das nachgegebene Heparin (500 IE Heparin/h EKZ) nicht mit in die Berechnung ein, sodass der Protaminanteil bei EKZ-Zeiten unter 60 min geringer ist als der Heparinanteil war. 

Sollte der Verdacht im Raum stehen, dass zu viel Protamin im Patienten zirkuliert, steht zur erweiterten Gerinnungsanalyse die Rotationsthrombelastometrie (ROTEM) zur Verfügung [9]. Eine erhöhte Heparinkonzentration im Patient:innenblut stellt eine weitere Option dar [10]. Hierbei könnte die Low-Range-ACT-Messung einen Hinweis geben, wenn der Wert nach Protamingabe deutlich von dem Ausgangswert abweicht. Auch in diesem Fall kann das ROTEM zusätzlich herangezogen werden, um den möglichen Einfluss genauer zu bestimmen. Somit würde die Anwendung einer LR-ACT-Küvette eine klar definierte Indikation für eine ausführliche Gerinnungsdiagnostik stellen. Der Messbereich der HR-Küvetten ist als Standardverfahren im klinischen Alltag für prä-, intra- und post-EKZ etabliert. Aufgrund der vorliegenden Beobachtungsstudie wie auch des angegebenen Messbereiches von 1–6 IE Heparin der HR-Küvetten für die ACT-Messung sollte die durchgängige Anwendung über den gesamten intraoperativen Verlauf überdacht werden. Rückschlüsse auf möglicherweise zirkulierendes Heparin würden hierbei noch weniger erkannt werden. 

Alternativ dazu gibt es auch die Möglichkeit mit einem Heparinkonzentrationsmessgerät zu arbeiten, welches die genaue Heparinkonzentration im Blut bestimmt und gleichzeitig am Ende die zu applizierende Menge an Protamin ausgibt. In der Literatur gibt es eine Klasse 2a Level B-Empfehlung zur Heparinkonzentrationsmessung [7]. Vonk et al. zeigten in einer randomisiert kontrollierten Studie mit 38 Patient:innen, dass es durch den Einsatz eines Heparinkonzentrationsmessgerätes zu einer geringeren Protaminnachgabe gekommen sei (1:0,62). Als Vergleich diente eine ACT-Gruppe, bei der eine 1:1-Antagonisierung vorgenommen wurde. Im postoperativen Verlauf wurde in der ACT-Gruppe eine erhöhte Anzahl von Patient:innen verzeichnet, die in den ersten 24 h einen Blutverlust >450 ml aufwiesen [11]. In einer Meta-Analyse mit vier eingeschlossenen Studien zeigte sich, dass durch eine titrierte Protamingabe der postoperative Blutverlust minimiert werden kann [12]. 

Die moderate Korrelation aus der postoperativen PTT und der erhöhten LR-ACT nach Protaminende könnte ein Hinweis auf nicht antagonisiertes Heparin sein und damit auf einen möglichen Heparinüberschuss. Das UFH besteht aus einer Mischung von hoch- und niedermolekularen Heparinmolekülen, deren Verhältnis in der jeweiligen Charge weitgehend unbekannt ist. Das hochmolekulare Heparin wird vollständig durch Protamin antagonisiert, während das niedermolekulare nur zu 60 % antagonisierbar ist [3]. Gleichzeitig hat das niedermolekulare Heparin eine längere Halbwertszeit als hochmolekulares, und seine Wirkung wird nur unvollständig durch die PTT-Messung erfasst [3]. Aus diesen Gründen kann hier ein kausaler Zusammenhang nur vermutet werden und daher die Frage, ob eine postoperativ erhöhte PTT mit Protamin behandelbar ist, leider nicht zuverlässig beantwortet werden. 

 

LIMITATION 

Die postoperative PTT wurde nicht exakt zum gleichen Zeitpunkt vom Patienten abgenommen, sondern nach klinischen Kriterien bei Ankunft auf der Intensivstation. 

 

SCHLUSSFOLGERUNG 

Die Anwendung von ACT-LR-Küvetten ist ein sicheres Point of Care-Messverfahren. Kommt es zu einer größeren Diskrepanz zwischen der initialen Baseline-Messung und den Ergebnissen nach Protamingabe, so sollte eine erweiterte Gerinnungsanalyse erfolgen. Ziel ist hierbei eine postoperativ verlängerte PTT zu vermeiden, um das Blutungsrisiko des Pateinten zu minimieren. 

 

INTERESSENKONFLIKT 

Das Gerät „Hemochron Signature Elite“ sowie die benötigten Messküvetten wurden dem Universitätsklinikum Erlangen kostenfrei von der Firma Werfen zur Verfügung gestellt. Das Medizintechnikunternehmen hatte keinen Einfluss auf die Ergebnisse und Interpretation der Ergebnisse dieser Studie. 

Literatur

  1. McLean J. The thromboplastic action of cephalin. American Journal of Physiology- Legacy Content. 1916;41(2):250-7. doi: 10.1152/ajplegacy.1916.41.2.250. 
  2. Kunst G, Milojevic M, Boer C, De Somer F, Gudbjartsson T, van den Goor J, et al. 2019 EACTS/EACTA/EBCP guidelines on cardiopulmonary bypass in adult cardiac surgery. British journal of anaesthesia. 2019;123(6):713-57. doi:
  3. 0.1016/j.bja.2019.09.012. 
  4. Bauer F. Gerinnung im klinischen Alltag. IGS Interdisziplinäre Gerinnungsgruppe Steiermark; 2020. 
  5. AccurivaDiagnostic. Activierte Gerinnungszeit Plus (ACT+) Packungsbeilage. In: AccurivaDiagnostic, editor. 
  6. Meesters MI, Veerhoek D, de Lange F, de Vries JW, de Jong JR, Romijn JW, et al. Effect of high or low protamine dosing on postoperative bleeding following heparin anticoagulation in cardiac surgery. A randomised clinical trial. Thromb
  7. aemost. 2016;116(2):251-61. doi: 10.1160/th16-02-0117. 
  8. Koster A, Börgermann J, Gummert J, Rudloff M, Zittermann A, Schirmer U. Protamine overdose and its impact on coagulation, bleeding, and transfusions after cardiopulmonary bypass: results of a randomized double-blind controlled
  9. ilot study. Clin Appl Thromb Hemost. 2014;20(3):290-5. doi: 10.1177/1076029613484085. 
  10. Pagano D, Milojevic M, Meesters MI, Benedetto U, Bolliger D, von Heymann C, et al. 2017 EACTS/EACTA Guidelines on patient blood management for adult cardiac surgery. European journal of cardio-thoracic surgery : official journal of
  11. he European Association for Cardio-thoracic Surgery. 2018;53(1):79-111. doi: 10.1093/ejcts/ezx325. 
  12. Faraoni D, Meier J, New HV, Van der Linden PJ, Hunt BJ. Patient blood management for neonates and children undergoing cardiac surgery: 2019 NATA Guidelines. Journal of cardiothoracic and vascular anesthesia. 2019;33(12):3249-
  13. 3. doi: 10.1053/j.jvca.2019.03.036. 
  14. Petricevic M, Biocina B, Milicic D, Svetina L, Boban M, Lekić A, et al. Activated coagulation time vs. intrinsically activated modified rotational thromboelastometry in assessment of hemostatic disturbances and blood loss after protamine
  15. Administration in elective cardiac surgery: analysis from the clinical trial (NCT01281397). Journal of cardiothoracic surgery. 2014;9:129. doi: 10.1186/1749-8090-9-129. 
  16. Hanke AA, Severloh I, Flöricke F, Weber CF, Lang T. Interaction of heparin and protamine in presence of overdosage: in vitro study. Asian Cardiovasc Thorac Ann. 2021;29(1):5-9. doi: 10.1177/0218492320955065. 
  17. Vonk ABA, Veerhoek D, van den Brom CE, van Barneveld LJM, Boer C. Individualized heparin and protamine management improves rotational thromboelastometric parameters and postoperative hemostasis in valve surgery. Journal of
  18. ardiothoracic and vascular anesthesia. 2014;28(2):235-41. doi: 10.1053/j.jvca.2013.09.007. 
  19. Wang J, Ma HP, Zheng H. Blood loss after cardiopulmonary bypass, standard vs titrated protamine: a meta-analysis. Neth J Med. 2013;71(3):123-7. 
 

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Preisträger Jahrestagung 2025 und Jubilare der DGPTM

Herzlichen Glückwunsch an die Jubilare der DGPTM und an alle, die einen Preis erhalten haben. Ein ebenfalls großer Dank richtet sich an die Sponsoren der Preise.

Eine Übersicht zu den Abstracts der prämierten Arbeiten befindet sich am Ende des Artikels.

 

Tagungspreis 2025 der DGPTM (Sponsor: free life medical GmbH)

Preisträger: Nicola Kwapil, Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Nicola Kwapil, Rigobert Schnur (von free life) und PD Dr. Alexander Horke

 

DGTHG-Preis Fokustagung Herz 2025 (Sponsor: Dr. Franz Köhler Chemie GmbH)

Preisträgerin: Dr. Claudia Arenz, Universitätsklinikum Bonn

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Dr. Claudia Arenz, PD Dr. Alexander Horke und Dr. Stefan Fritz (von Köhler Chemie)

 

Nachwuchsförderpreis der Jungen Foren (Sponsor: Dr. Franz Köhler Chemie GmbH)

Preisträgerin: Gloria Nulchis, Universitätsklinikum Tübingen

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Gloria Nulchis, PD Dr. Alexander Horke und Dr. Stefan Fritz (von Köhler Chemie)

 

Innovationspreis (Sponsor: Eurosets GmbH Deutschland)

Preisträger: Nicola Kwapil, Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Nicola Kwapil, Martin Schmidthöfer (von Eurosets), PD Dr. Frank Münch, PD Dr. Alexander Horke

 

Förderpreise (Sponsor: Terumo Deutschland GmbH)

A: bestbewerteter Originalbeitrag

Preisträger: Simon Mayer, Herzzentrum Klinikum Stuttgart

Auf dem Foto von links nach rechts: Dr. Lars Saemann, Simon Mayer und Tilo Barth (von Terumo)

B: beste Erstveröffentlichung

Preisträger: Lukas Fiebig, Hochschule Furtwangen

Auf dem Foto von links nach rechts: Dr. Lars Saemann, Lukas Fiebig und Tilo Barth (von Terumo)

 

Preisträger zum Josef Güttler Stipendium

Preisträger: Jhonathan Torres Mosquera, Universitätsklinikum Magdeburg

Auf dem Foto mit PD Dr. Frank Münch

 

 

Hier die Jubilare aus diesem Jahr, jeweils mit PD Dr. Frank Münch

50 jähriges: Jürgen Witt

40 jähriges: Stefan Kasseckert, Albert Dick

25 jähriges: Olaf Sillmann (Foto anbei), Holger Schulze Schleithoff, Mathias Opitz (Foto anbei), Joachim Naumann (Foto anbei), Frank-Oliver Große (Foto anbei), Markus Fischer, Andreas Behrendt, Johannes Amberger

 

 

Übersicht zu den Abstracts der prämierten Arbeiten

Tagungspreis 2025 der DGPTM

A-168 Kompakter ECMO-Trolley – ein Transportsystem für alle Materialien Nicola Kwapil
(Universitätsmedizin Mainz) (DGPTM)

 

DGTHG-Preis Fokustagung Herz 2025

A-158 Pulmonalklappendilatation bei frühsymptomatischer Fallot-Tetralogie: Erste palliative Maßnahme und Einfluß ballonbedingter Klappeneinrisse auf die chirurgische Strategie Dr. Claudia Arenz (Universitätsklinikum Bonn) (DGTHG)

 

Nachwuchsförderpreis der Jungen Foren

A-174 Über die allometrischen Interaktionen der fraktalen Eigenschaften des kardiovaskulären Gefäßsystems und dem Hagen-Poiseuille’schen Gesetz. Erkenntnisse aus einem mathematischen Modell und der Simulaiton per Computational Fluid Dynamics für Bypässe. Gloria Nulchis
(Universitätsklinikum Tübingen)

 

Innovationspreis

A-167 Kinder ECMO Fahrtrage 2.0 – eine standardisierte Lösung für Deutschland Nicola Kwapil
(Universitätsmedizin Mainz) (DGPTM)

 

 

Credits der Fotos:

DGPTM/Klindtworth

Der „Maschinist“ im Saal. Die Arbeit von Perfusionist:innen (Zeitungsartikel)

Im Operationssaal gibt es eine Berufsgruppe, die nie direkt am OP-Tisch stehen und doch überlebenswichtig in ihrer Tätigkeit sind: die Perfusionist:innen. Während das Operationsteam am Herzen arbeitet, steuern sie die Herz-Lungen-Maschine, überwachen Blutfluss, Sauerstoffsättigung und zahlreiche Laborwerte und sorgen dafür, dass der Körper des Patienten auch dann optimal versorgt bleibt, wenn Herz und Lunge vorübergehend stillstehen. Ihre Arbeit verbindet hochpräzise Medizin mit komplexer Medizintechnik – entscheidend dafür, dass solche Eingriffe überhaupt möglich sind.

Zeitungsartikel Donaukurier Geschichte aus dem OP Saal

Willkommen zur neuen Webseite

Nach über einem ¾ Jahr der Planung, intensiven Meetings, Codierung und Schreibarbeit ist am 13.01.2025 ist unsere neue Website live gegangen und wir sind stolz, hier ein neues Zuhause für unsere Mitglieder geschaffen zu haben. Zukünftig soll sie zur zentralen Plattform des Austauschs in unserer Community werden. Dafür arbeiten wir im Hintergrund an spannenden Erweiterungen.

Ein Highlight wird ein eigener „News“-Bereich sein, der euch stets über aktuelle Entwicklungen rund um Perfusion und technische Medizin informiert. Schaut regelmäßig vorbei und bringt euch ein – wir freuen uns auf eure Anregungen!

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