Heparinrückstände nach maschineller Autotransfusion

KARDIOTECHNIK Ausgabe:
2021/2; 030(2):068-073

Autor:innen

N. Kwapil 1,5,   J. Stöcker-Stein1M. Kohl2 , R. Cesnjevar 1 F. Wenzel2, M. Rauh3,  M. Alkassar4 F. Münch1

 

1 Kinderherzchirurgie Erlangen, Loschgestraße 15, 91054 Erlangen, Friedrich- Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

2 Hochschule Furtwangen University, Fakultät Medical and Life Science, Jakob-Kienzle-Str. 16, 78054 Villingen-Schwenningen

3 Labor der Kinderklinik Erlangen, Loschgestraße 15, 91054 Erlangen, Friedrich- Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

4 Kinderkardiologie Erlangen, Loschgestraße 15, 91054 Erlangen, Friedrich- Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

5 WKK Perfusionsservice GmbH & Co.KG, Wernher-von-Braun-Straße 5, 55129 Mainz-Hechtsheim

Schlüssel­wörter

Heparin, maschinelle Autotransfusion, Erythrozytenkonzentrat

Zusammen­fassung

Einleitung: Intra und perioperative Blutverluste werden mittels maschineller Autotransfusion (MAT) für die Aufbereitung in einem Reservoir gesammelt. Um eine Agglutination des Sammelbluts zu vermeiden, wird während des Sammelvorgangs eine heparinisierte Spüllösung zugeführt. Nach anschließendem Waschen wird aus dem Blut-Heparin-Gemisch ein autologes Erythrozytenkonzentrat aufbereitet, das dem Patienten zeitnah wieder retransfundiert werden kann. Eine entscheidende Frage bei der Retransfusion von aufbereitetem MAT- Blut ist, wie viel Einfluss enthaltenes Rest-Heparin auf die Patientenbehandlung hat. Material und Methode: Das maschinelle Autotransfusionsgerät Xtra (LivaNova, Mirandola, Italien) wurde mit einem Sammelreservoir und einer 175 ml Waschglocke bestückt. In das Reservoir wurden 1000 ml einer Vollelektrolytlösung (Jonosteril, Fresenius Kabi, Bad Homburg, Deutschland) eingebracht, die mit 25.000 IE Heparin (Ratiopharm, Ulm, Deutschland) versetzt wurden. Im Anschluss erfolgte die Zugabe eines gelagerten Erythrozytenkonzentrats in das Reservoir. Nach Vermischen der Volumina erfolgte die Ausgangsmessung (M1). Das MAT-Gerät wurde mit dem standardisierten Waschprogramm „Programm optimal“ (Popt) betrieben. Initial wurde die Waschglocke mit 300 ml/min gefüllt und mit 450 ml/min Spüllösung gewaschen. Nach Ausgabe des gewaschenen Erythrozytenkonzentrats (EK) in den Retransfusionsbeutel, wurde aus dem Beutel eine Probe entnommen (M2). Für die statistische Auswertung wurden 30 Erythrozytenkonzentrate untersucht. Die Konzentrationsbestimmung von Heparin erfolgte mittels der Heparin Anti-IIa Methode (Biophen Heparin Anti-IIa, Ref: 221020, HYPHEN Bio- med, Neuville-sur-Oise, Frankreich). Die ser Assay ist sehr empfindlich und deckt einen Konzentrationsbereich von 0,0 bis 6,0 IE Heparin ab. Bei höheren Konzent- rationen wurden die Proben äquivalent verdünnt.   Ergebnisse:   Die   Heparinkonzentrati- on zum Zeitpunkt M1 ist im Mittel 19,3 ± 5,1 IE/ml und zum Zeitpunkt M2 0,4 ± 0,2 IE/ml (p < 0,05).   Diskussion: Im Durchschnitt erhält ein Patient, der ein aufbereitetes, autologes Erythrozytenkonzentrat transfundiert bekommt, ca. 0,4 IE/ml Heparin. Bei der Aufbereitung mittels einer 175 ml Waschglocke erhält ein Patient ca. 70 IE Heparin. Das MAT-Gerät eliminiert über 99,6 % des initial zugesetzten Heparins. Diese Heparinmenge pro transfundiertem Volumen liegt unterhalb einer therapeutischen Wirksamkeit und hat somit keinen bedeutenden Einfluss auf die Patientenbehandlung. Unter realen Bedingungen werden diese Werte unterschritten, da sich das Verhältnis aus gesammeltem Blut und Spüllösung günstiger zusammensetzt. Dieser Assay ist sehr empfindlich und deckt einen Konzentrationsbereich von 0,0 bis 6,0 IE Heparin ab. Bei höheren Konzentrationen wurden die Proben äquivalent verdünnt.   Ergebnisse:   Die   Heparinkonzentration zum Zeitpunkt M1 ist im Mittel 19,3 ± 5,1 IE/ml und zum Zeitpunkt M2 0,4 ± 0,2 IE/ml (p < 0,05).   Diskussion: Im Durchschnitt erhält ein Patient, der ein aufbereitetes, autologes Erythrozytenkonzentrat transfundiert bekommt, ca. 0,4 IE/ml Heparin. Bei der Aufbereitung mittels einer 175 ml Waschglocke erhält ein Patient ca. 70 IE Heparin. Das MAT-Gerät eliminiert über 99,6 % des initial zugesetzten Heparins. Diese Heparinmenge pro transfundiertem Volumen liegt unterhalb einer therapeutischen Wirksamkeit und hat somit keinen bedeutenden Einfluss auf die Patientenbehandlung. Unter realen Bedingungen werden diese Werte unterschritten, da sich das Verhältnis aus gesammeltem Blut und Spüllösung günstiger zusammensetzt.    

Keywords

Heparin, salvage device, erythrocyte concentrates

HIGHLIGHTS:

  • 99,6 % des initial vorhandenen Heparins werden durch das Waschen mittels maschineller Autotransfusion eliminiert.
  • Die verbleibende Menge an Heparin nach MAT-Behandlung liegt unterhalb der therapeutischen Wirksamkeit.

►    Es sind keine heparinreduzierten Blutungen durch aufbereitete Erythrozytenkonzentrate zu befürchten.


Die vorliegende Arbeit wurde zur Erfüllung der Voraussetzungen für den Erwerb des Grades „Dr. rer. biol. hum.“ an der „Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)“ erstellt.


Einleitung
Jay McLean entdeckte 1916 einen Wirkstoff, der die Hämostase beeinflusst, welcher heute unter dem Namen Heparin bekannt ist [1]. Die pharmakologische Gerinnungshemmung zielt auf das Thrombin (Faktor IIa) ab. Heparine sind chemische Glykosaminoglykane und setzen wie alle Heparinoide am endogenen Inhibitor Antithrombin an, dessen Wirkung um den Faktor 1000 verstärkt werden kann. In Abhängigkeit der Anzahl der Saccharidbausteine kann es zu einer reinen Faktor Xa-Hemmung oder einer kombinierten Faktor IIa- und Faktor Xa-Hemmung kommen. Die Länge der Saccharidsequenzen und damit der Molekülgröße spiegelt sich auch im Namen der medizinisch verwendeten Heparine wider. Neben niedermolekularem Heparin [(NMH), engl. low molecular weight heparin, (LMWH)], einem „Bruchstück“ des normalen Heparinmoleküls, wird auch unfraktioniertes als unverändertes Heparin (UFH) verwendet. UFH ist ein sehr schnell wirkendes „Blutverdünnungsmittel“, welches nur parenteral appliziert werden kann und welches einer engmaschigen Kontrolle (PTT-Monitoring) bedarf.

Die Halbwertszeit für UFH beträgt 1 Stunde und 4–6 Stunden für NMH. Die Heparin-Elimination erfolgt über das retikuloendotheliale System (RES) bzw. den renalen Weg, nach enzymatischer Spaltung mittels Heparinasen. Als Heparin-Antidot steht das aus Lachssperma gewonnene Protamin zur Verfügung [2]. Dieses Medikament hebt zu 100 % die Wirkung von UFH auf, seine Wirksamkeit auf NMH liegt bei ca. 60 % [3].

Mit der Einführung von Heparin als gerinnungshemmendem Medikament wurde u. a. der Grundstein für die extrakorporale Zirkulation (EKZ) und die maschinelle Autotransfusion (MAT) gelegt. Die MAT benötigt eine adäquate Antikoagulation des Saugerblutes, damit dieses weiter prozessiert werden kann. Die MAT ist ursprünglich ein Verfahren, welches bei chirurgischen Interventionen abgesaugtes Patientenblut sammelt, aufbereitet und dieses zur Retransfusion zur Verfügung stellt. Hierdurch kann die Verwendung allogener Blutprodukte verringert oder sogar komplett vermieden werden. Insbesondere in der Orthopädie und in der Herzchirurgie gibt es eingehende Studien, die den Nutzen der MAT belegen [4–6]. In einer Metaanalyse aus dem Jahr 2016 konnte gezeigt werden, dass durch den Einsatz eines MAT-Geräts der Transfusionsbedarf an EK signifikant gesenkt werden kann und das Infektionsrisiko abnimmt [7]. Das allgemeine Funktionsprinzip der MAT basiert auf einer Zentrifuge, welche durch Rotation die einzelnen Bestandteile nach ihrem Sedimentierungskoeffizienten auftrennt. Anfänglich fließt über einem Doppellumen-Schlauch eine heparinisierte Vollelektrolytlösung zum OP-Feld. Aus dem Operationsgebiet abzusaugendes Blut vermischt sich am Saugeransatz mit der heparinisierten Spüllösung und gelangt zurück zum Sammelreservoir des MAT-Geräts (Abb. 1). Über eine Rollerpumpe wird aktiv das gesammelte antikoagulierte Blut aus dem Reservoir in das Herzstück des MAT-Geräts (die Zentrifuge) gepumpt. Überschüssiges Plasma wird aus der Zentrifuge ausgeleitet und verworfen, inklusive der darin enthaltenen Gerinnungsfaktoren. Für den eigentlichen Waschprozess wird über eine separate Zufuhr die Waschlösung in die Zentrifuge geleitet. Das überschüssige Volumen aus der Glocke, welches aktivierte Blutbestandteile, Plasma, Leukozyten, Thrombozyten und Spüllösung enthält, wird ausgewaschen und anschließend verworfen. Die fertig aufbereiteten Erythrozyten gelangen anschließend in einen Retransfusionsbeutel und können als autologes EK dem Patienten zurückgegeben werden.

Abb. 1: Schematische Darstellung des Versuchsablaufs mit den Messpunkten M1 (vor MAT) und M2 (nach MAT)



Gerade diese Praxis der autologen Blutaufbereitung führt zu immer wiederkehrenden Diskussionen. Im klinischen Alltag wird lebhaft über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Heparingehalt in der Spüllösung des MAT-Gerätes und möglichen Auswirkungen auf die Hämostase des Patienten diskutiert. So verhält es sich auch mit dem verbleibenden heparinisierten Blut aus dem EKZ-Set, welches mittels MAT aufbereitet wird.


Material und Methode

Versuchsaufbau und Versuchsablauf
Das MAT-Gerät Xtra (LivaNova, Mirandola, Italien) wird mit einer 175 ml Latham-Glocke (Bowl Set X/175, LivaNova, Mirandola, Italien) bestückt und mit einem Reservoir (Xres T Blood Collection Reservoir Filtered 40 µm Top Outlet, LivaNova, Mirandola, Italien) verbunden. Zusätzlich wurde in den Aufbau das zugehörige Qualitätssicherungs-Abnahmeset eingebaut. Dies beinhaltet neben einer zusätzlichen Abnahmemöglichkeit zwischen dem Reservoir und der Zentrifuge auch einen Spike zur Probenabnahme am Retransfusionsbeutel. Über ein Infusionssystem (Intrafix, Braun Melsungen, Deutschland) wurde das Reservoir mit 1000 ml Jonosteril (Fresenius Kabi, Bad Homburg, Deutschland) und 25.000 IE Heparin (Heparin-Na- trium-25000-ratiopharm, Ratiopharm, Ulm, Deutschland) vorgefüllt. Ein Erythrozytenkonzentrat (EK) wird unter sterilen Kautelen mit einem Transfusionsbesteck (Sangofix, B.Braun, Melsungen, Deutschland) ins Reservoir eingebracht. Die verwendeten EKs wurden von der transfusionsmedizinischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen zur Verfügung gestellt, welche die gesetzlichen und klinikinternen Vorgaben zur Transfusion von EK am Patienten erfüllen. Alle verwendeten Konserven wurden dem Klinikum vom Blutspendedienst Suhl geliefert (Institut für Transfusionsmedizin Suhl gGmbH, Albert-Schweizer- Straße  15, 98527 Suhl); wobei es sich um 30 leukozytendepletierte inline-gefilterte EKs, welche in einer PAGGS-M (phosphate-adenine-glucose-guanosin-saline-mannitol) Stabilisierungslösungen bei 4 °C (Kühlschrank, Kirsch, Offenburg, Deutschland) lagerten, handelte. Das MAT-Gerät wurde im Versuch ausnahmslos mit dem standardisierten Waschprogramm „Popt“ betrieben. Vor dem Aufbereitungsprozess wurde das Reservoir händisch geschüttelt, um eine optimale Durchmischung zu gewährleisten. Initial wird die Zentrifuge mit 5600 U/ min gestartet und die Waschglocke wird mit 300 ml/min Blut aus dem Reservoir gefüllt. Während des Füllvorgangs erfolgte die erste Probenabnahme (M1) über das mitgelieferte Qualitätssicherungsset. Im Anschluss wurde nach dem Studienprotokoll 1000 ml Waschlösung mit einer Geschwindigkeit von 450 ml/min zum Waschen zugeführt. Geleert wurde die Zentrifuge mit 400 ml/ min über die „Leeren“-Linie, an deren Ende sich ein angeschlossener Retransfusionsbeutel befindet. Nach der ersten aufbereiteten Glocke reichte das verbleibende Volumen im Reservoir nicht aus, um eine zweite komplette Glocke aus dem Reservoir zu bedienen. Aus diesem Grund wurde das Programm „letzte Glocke“ gewählt. Hierbei kann die Waschglocke aus dem Reservoir gefüllt werden, bis kein Volumen mehr im Reservoir vorhanden ist. Das fehlende Volumen zur vollständigen Füllung der Glocke wurde aus dem Retransfusionsbeutel bezogen. Diese Glocke wurde ebenfalls mit 1000 ml Waschlösung gereinigt. Nach Abschluss des Zyklus „letzte Glocke“ wurde das aufbereitete EK erneut beprobt (M2).

Beide entnommenen Proben (M1 und M2) wurden bei 21 °C, mit 4350 RPM für 10 min zentrifugiert (Rotanta 460R, Hettich AG, Bäch, Schweiz). Der proteinfreie Überstand wurde abpipettiert, in CryoTubes (Thermo Fisher Scientific, Massachusetts, Vereinigte Staaten) überführt und anschließend bei –80 °C gelagert. Die abschließende Messung erfolgte en bloc im klinischen Labor des Universitätsklinikums. Zur Konzentrationsbestimmung wurde ein Anti-IIa chromogenic assay verwendet (Biophen Heparin ANTI-IIa (kinetics) Ref: 221020, HYPHEN Biomed, Neuville-sur-Oise, Frankreich), dessen Konzentrationsmessbereich von 0,0 bis 6,0 IE/ml reicht. Bei Werten oberhalb des Messbereichs wurden die Proben verdünnt. Bei diesem zweistufigen Test wird zu einer definierten Probemenge Anti-Thrombin III (ATIII) und Thrombin (Faktor IIa) hinzugegeben (Abb. 2). Das in der Probe enthaltene Heparin bildet zusammen mit dem ATIII einen Komplex und setzt am Thrombin an. Im zweiten Schritt wird nun das verbleibende Thrombin, welches nicht interagierte, durch eine Reaktion mit Hilfe eines Fluoroskops sichtbar gemacht. Hierbei verhält sich die Farbintensität umgekehrt proportional zur Heparin-Konzentration der Probe.


Abb. 2: Zweistufiger Heparinkonzentrationstest



Statistik
Die statistische Auswertung erfolgte mit SPSS für Windows (Version 24 SPSS Inc., Chicago, USA). Die Analyse der Unterschiede der einzelnen Messzeitpunkte erfolgte mittels gepaartem t-Test. Alle Werte sind als Mittelwert ± einfache Standardabweichung angegeben. Das Signifikanzniveau betrug α = 0,05

Ergebnisse
Zum Messzeitpunkt 1 (M1) beträgt die Heparinkonzentration im Mittel 19,4 ± 4,8 IE/ ml und 0,4 ± 0,2 IE/ml zum Zeitpunkt M2. Dieser zwischen den beiden Messzeitpunkten gemessene Unterschied ist statistisch signifikant (M1 vs. M2; p < 0,05; CI 95% der Differenz 17,2–20,8 IE/ml). Die absolut gemessenen Heparinmengen zu beiden Messzeitpunkten entsprechen einer prozentualen Reduktion der initialen Heparinmenge um 99,6 % (Abb. 3).



Abb. 3: Heparinmengen vor und nach dem Waschprozess; *p < 0,05


Tab. 1: Berechnung der Heparinmenge im Retransfusionsbeutel



Diskussion
Die amerikanische Gesellschaft der Blutbanken schreibt für MAT-Geräte eine Heparinkonzentration von <0,5 IE/ml im Retransfusionsblut vor [8]. Unter Laborbedingungen konnten Seyfried et al. eine >99 %ige Elimination von Heparin durch die MAT-Behandlung nachweisen [9]. Dieses Ergebnis konnte in der vorliegenden Arbeit mit einer 99,6 %igen Eliminationsrate von Heparin analog bestätigt werden. Paravicini et al. zeigten anhand von 13 intraoperativen MAT-Anwendungen bei orthopädischen Operationen, dass die verbleibende Heparinkonzentration im Retransfusionsbeutel mit 0,18 ± 0,21 IE/ml bei einem Maximalwert von 0,5 IE/ml sehr gering ist [10]. Sistino et al. untersuchten jeweils 10 Erwachsene und 10 pädiatrische Patienten, welche unter Anwendung der EKZ operiert wurden. Seine Arbeitsgruppe konnte eine signifikante Abnahme der Heparinkonzentration durch die Anwendung der MAT nachweisen. In der pädiatrischen Gruppe sank dabei die Heparinkonzentration auf 0,0027 IE/ml [11]. In einer Literaturrecherche von Buys et al. wurden 18 Arbeiten tabellarisch zusammengefasst, welche in den Jahren zwischen 1981 und 2012 die verbleibende Heparinkonzentration im gewaschenen und aufbereiteten MAT-Blut untersuchten. Zusammenfassend stellte die Arbeitsgruppe fest, dass die verbleibenden Heparinkonzentrationen so gering waren, dass diese keinen klinischen Einfluss auf die Blutgerinnung und damit auch nicht auf das Patientenoutcome hatten [8].

Um die Ergebnisse der vorliegenden In-vitro-Studie darzustellen, wurde eine praxisnahe Simulation durchgeführt (Tab. 1). Die grundlegende Annahme besteht in einem Blutverlust von 20 % des Blutvolumens während eines operativen Eingriffes unter der Verwendung der EKZ. Exemplarisch werden 3 Beispielpatienten aufgeführt und die Menge des Heparins im MAT-aufbereiteten autologen Blut dargestellt (Tab. 1). Hierbei zeigte sich ein mögliches Problem in der Gruppe der Kinder (3 kg) im Rechenmodell. Durch den größeren Anteil der Vorfüllmenge Heparin im Reservoir (5000 IE) im Vergleich zum Blutverlust kommt es zu einer höheren möglichen Heparinbelastung für Patienten in der Gruppe „Kind“ (7,67 IE/kgKG) im Vergleich zu Jugendlichen (1,48 IE/kgKG) oder Erwachsenen (0,89 IE/kgKG). Teamintern diskutieren wir derzeit in dieser Patientengruppe bis 10 kgKG eine Reduktion des Heparingehalts der Spüllösung von derzeit 25 IE/ml auf 10 IE/ml. Diese Änderung vermindert die Heparinkonzentration nach MAT-Aufbereitung von 7,67 IE/kgKG auf 3,54 IE/kgKG.

Trotz aller erlangten Erkenntnisse zur Retransfusion von mittels MAT aufbereitetem Blut beherrschen immer wiederkehrende Diskussionen zur Blutungsneigung das Thema. Häufig ist diese durch einzelne subjektive klinische Beobachtungen unbegründet, da sie nicht auf den Grundlagen derzeitiger wissenschaftlicher Erkenntnisse beruhen. Elementar hierbei ist das Verständnis, dass dem aufbereiteten MAT-Blut nahezu alle hämostatisch wirksamen Faktoren entzogen werden. Dies fällt insbesondere bei erheblichen Blutverlusten ins Gewicht. Das aufbereitete Saugerblut wird fälschlicherweise eher als Vollblut (mit Gerinnungsbestandteilen) erachtet, anstatt es nur als aufbereitetes autologes EK anzusehen. Bei einem blutungsbedingten absoluten Volumenmangel ist es elementar, alle Blutbestandteile, also auch Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren, zu substituieren. Bei massiven Blutungen gibt es in der Literatur definierte Protokolle, welche ein entsprechendes Verhältnis von EK zu FFP zu TK definieren (z. B. 1:1:1 oder 2:1:1) [12, 13]. Bei der Retransfusion von autologen EKs sollte daher frühzeitig auch an eine adäquate Transfusion weiterer Bestandteile gedacht werden. Hierbei kann auch die klare Kommunikation der aufbereiteten Blutmengen helfen, um dem Anästhesisten einen Eindruck zum Blutverlust vor Augen zu führen. Betrachtet man die Literatur zum Thema MAT-Anwendungen, dürfte sich theoretisch im Bereich der allogenen Blutprodukte nur die Gabe von Erythrozytenkonzentrat zwischen den Gruppen (mit und ohne MAT) unterscheiden und nicht die Gabe von Fresh-Frozen-Plasma (FFP) und Thrombozytenkonzentraten. Brown et al. zeigten in ihrer Studie, welche 47 Patienten inkludierte, dass in der Gruppe mit MAT in Summe 4 EKs transfundiert werden mussten im Vergleich zur Vergleichsgruppe (nicht-MAT-Gruppe), die 8 EKs erhalten hatten. Die Differenz wurde durch das gewaschene autologe EK ausgeglichen. Bemerkenswert war, dass die Gabe von FFPs in der MAT-Gruppe signifikant niedriger ausfiel (3 vs. 5 FFPs; p < 0,05). Zusätzlich gaben die Autoren an, dass es in der MAT-Gruppe zu einem höheren Blutverlust gekommen ist, wobei der Blutverlust in der nicht-MAT-Gruppe geschätzt wurde [14].



Schlussfolgerung
Das MAT-Gerät eliminiert im Prozess der Aufbereitung über 99,6 % des initial zugesetzten Heparins. Diese Heparinmenge pro transfundiertem Volumen liegt bei Erwachsenen und Jugendlichen unterhalb einer therapeutischen Wirksamkeit und hat somit keinen relevanten Einfluss auf die Blutungsneigung und das Outcome der Patienten.

Ethische Aspekte

Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren. Die Ethikkommission des Universitätsklinikums Erlangen stufte die Studie als eine Untersuchung zur Qualitätssicherung ein, so dass es zur Durchführung keines Ethikvotums bedurfte.

Interessenkonflikt

Das MAT-Gerät und die verwendeten Einmalprodukte wurden durch die Firma Liva-Nova Deutschland GmbH für die Studie bereitgestellt. Auf die Versuchsdurchführung und die Ergebnisse gab es keine Einflussnahme seitens des Medizintechnik-Unternehmens. Ein Interessenkonflikt lag somit zu keinem Zeitpunkt der Studie vor.



Kurzer wissenschaftlicher Lebenslauf Nicola Kwapil

Nicola Kwapil studierte an der Hochschule Furtwangen Molekulare und Technische Medizin (BSc) und absolvierte dort den Masterstudiengang Technical Physician (MSc). Von 2015 bis 2017 war er Perfusionist am Klinikum der Universität München (LMU) und ist seit 2018 am Universitätsklinikum Erlangen tätig. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind die maschinelle Autotransfusion und die Säuglingsperfusion.


Literatur

1. McLean J. The thromboplastic action of cephalin. American Journal of Physiology-Legacy Content. 1916;41(2):250-7. doi: 10.1152/ ajplegacy.1916.41.2.250. 2. Weber A. Kapitel 22 – Pharmakologie der Hämostase. In: Aktories K, Förstermann U, Hofmann F, Starke K, editors. Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie (11. Ausgabe). Munic: Urban & Fischer; 2013. 507-28. 3. Bauer F. Gerinnung im klinischen Alltag. IGS Interdisziplinäre Gerinnungsgruppe Steiermark. 2020; 640. 4. Ashworth A, Klein AA. Cell salvage as part of a blood conservation strategy in anaesthesia. British journal of anaesthesia. 2010;105(4):401-16. doi: 10.1093/bja/aeq244. 5. Ferraris VA, Ferraris SP, Saha SP, Hessel EA, Haan CK, Royston BD, et al. Perioperative Blood Transfusion and Blood Conservation in Cardiac Surgery: The Society of Thoracic Surgeons and The Society of Cardiovascular Anesthesiologists Clinical Practice Guideline. The Annals of thoracic surgery. 2007;83(5, Supplement):S27-S86. doi: 10.1016/j.athoracsur.2007.02.099. 6. Wang G, Bainbridge D, Martin J, Cheng D. The efficacy of an intraoperative cell saver during cardiac surgery: a meta-analysis of randomized trials. Anesthesia and analgesia. 2009;109(2):320-30. doi: 10.1213/ ane.0b013e3181aa084c. 7. Meybohm P, Choorapoikayil S, Wessels A, Herrmann E, Zacharowski K, Spahn DR. Washed cell salvage in surgical patients: A review and meta-analysis of prospective randomized trials under PRISMA. Medicine. 2016;95(31):e4490. doi: 10.1097/ md.0000000000004490. 8. Buys WF, Buys M, Levin AI. Reinfusate Heparin Concentrations Produced by Two Autotransfusion Systems. Journal of cardiothoracic and vascular anesthesia. 2017;31(1):90-8. doi: 10.1053/j.jvca.2016.06.014. 9. Seyfried TF, Gruber M, Bitzinger D, Pawlik MT, Breu A, Graf BM, et al. Performance of a new-generation continuous autotransfusion device including fat removal and consequences for quality controls. Transfusion medicine (Oxford, England). 2017;27(4):292-9. doi: 10.1111/tme.12421. 10. Paravicini D, Schmitz-Huebner U, Stinnesbeck B. Heparin elimination in intraoperative autotransfusion with the haemonetics cell saver. Infusionstherapie und klinische Ernahrung. 1983;10(1):19-21. 11. Sistino JJ, Owitz D, Mongero LB. Heparin washout in the pediatric Cell Saver bowl. The journal of extra-corporeal technology. 1992;24(3):94-6. 12. Hess JR, Ramos PJ, Sen NE, Cruz-Cody VG, Tuott EE, Louzon MJ, et al. Quality management of a massive transfusion protocol. Transfusion. 2018;58(2):480-4. doi: 10.1111/ trf.14443. 13. Patil V, Shetmahajan M. Massive transfusion and massive transfusion protocol. Indian journal of anaesthesia. 2014;58(5):590-5. doi: 10.4103/0019-5049.144662. 14. Brown CVR, Foulkrod KH, Sadler HT, Richards EK, Biggan DP, Czysz C, et al. Autologous Blood Transfusion During Emergency Trauma Operations. Archives of Surgery. 2010;145(7):690-4. doi: 10.1001/ archsurg.2010.113.

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Preisträger Jahrestagung 2025 und Jubilare der DGPTM

Herzlichen Glückwunsch an die Jubilare der DGPTM und an alle, die einen Preis erhalten haben. Ein ebenfalls großer Dank richtet sich an die Sponsoren der Preise.

Eine Übersicht zu den Abstracts der prämierten Arbeiten befindet sich am Ende des Artikels.

 

Tagungspreis 2025 der DGPTM (Sponsor: free life medical GmbH)

Preisträger: Nicola Kwapil, Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Nicola Kwapil, Rigobert Schnur (von free life) und PD Dr. Alexander Horke

 

DGTHG-Preis Fokustagung Herz 2025 (Sponsor: Dr. Franz Köhler Chemie GmbH)

Preisträgerin: Dr. Claudia Arenz, Universitätsklinikum Bonn

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Dr. Claudia Arenz, PD Dr. Alexander Horke und Dr. Stefan Fritz (von Köhler Chemie)

 

Nachwuchsförderpreis der Jungen Foren (Sponsor: Dr. Franz Köhler Chemie GmbH)

Preisträgerin: Gloria Nulchis, Universitätsklinikum Tübingen

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Gloria Nulchis, PD Dr. Alexander Horke und Dr. Stefan Fritz (von Köhler Chemie)

 

Innovationspreis (Sponsor: Eurosets GmbH Deutschland)

Preisträger: Nicola Kwapil, Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Nicola Kwapil, Martin Schmidthöfer (von Eurosets), PD Dr. Frank Münch, PD Dr. Alexander Horke

 

Förderpreise (Sponsor: Terumo Deutschland GmbH)

A: bestbewerteter Originalbeitrag

Preisträger: Simon Mayer, Herzzentrum Klinikum Stuttgart

Auf dem Foto von links nach rechts: Dr. Lars Saemann, Simon Mayer und Tilo Barth (von Terumo)

B: beste Erstveröffentlichung

Preisträger: Lukas Fiebig, Hochschule Furtwangen

Auf dem Foto von links nach rechts: Dr. Lars Saemann, Lukas Fiebig und Tilo Barth (von Terumo)

 

Preisträger zum Josef Güttler Stipendium

Preisträger: Jhonathan Torres Mosquera, Universitätsklinikum Magdeburg

Auf dem Foto mit PD Dr. Frank Münch

 

 

Hier die Jubilare aus diesem Jahr, jeweils mit PD Dr. Frank Münch

50 jähriges: Jürgen Witt

40 jähriges: Stefan Kasseckert, Albert Dick

25 jähriges: Olaf Sillmann (Foto anbei), Holger Schulze Schleithoff, Mathias Opitz (Foto anbei), Joachim Naumann (Foto anbei), Frank-Oliver Große (Foto anbei), Markus Fischer, Andreas Behrendt, Johannes Amberger

 

 

Übersicht zu den Abstracts der prämierten Arbeiten

Tagungspreis 2025 der DGPTM

A-168 Kompakter ECMO-Trolley – ein Transportsystem für alle Materialien Nicola Kwapil
(Universitätsmedizin Mainz) (DGPTM)

 

DGTHG-Preis Fokustagung Herz 2025

A-158 Pulmonalklappendilatation bei frühsymptomatischer Fallot-Tetralogie: Erste palliative Maßnahme und Einfluß ballonbedingter Klappeneinrisse auf die chirurgische Strategie Dr. Claudia Arenz (Universitätsklinikum Bonn) (DGTHG)

 

Nachwuchsförderpreis der Jungen Foren

A-174 Über die allometrischen Interaktionen der fraktalen Eigenschaften des kardiovaskulären Gefäßsystems und dem Hagen-Poiseuille’schen Gesetz. Erkenntnisse aus einem mathematischen Modell und der Simulaiton per Computational Fluid Dynamics für Bypässe. Gloria Nulchis
(Universitätsklinikum Tübingen)

 

Innovationspreis

A-167 Kinder ECMO Fahrtrage 2.0 – eine standardisierte Lösung für Deutschland Nicola Kwapil
(Universitätsmedizin Mainz) (DGPTM)

 

 

Credits der Fotos:

DGPTM/Klindtworth

Der „Maschinist“ im Saal. Die Arbeit von Perfusionist:innen (Zeitungsartikel)

Im Operationssaal gibt es eine Berufsgruppe, die nie direkt am OP-Tisch stehen und doch überlebenswichtig in ihrer Tätigkeit sind: die Perfusionist:innen. Während das Operationsteam am Herzen arbeitet, steuern sie die Herz-Lungen-Maschine, überwachen Blutfluss, Sauerstoffsättigung und zahlreiche Laborwerte und sorgen dafür, dass der Körper des Patienten auch dann optimal versorgt bleibt, wenn Herz und Lunge vorübergehend stillstehen. Ihre Arbeit verbindet hochpräzise Medizin mit komplexer Medizintechnik – entscheidend dafür, dass solche Eingriffe überhaupt möglich sind.

Zeitungsartikel Donaukurier Geschichte aus dem OP Saal

Willkommen zur neuen Webseite

Nach über einem ¾ Jahr der Planung, intensiven Meetings, Codierung und Schreibarbeit ist am 13.01.2025 ist unsere neue Website live gegangen und wir sind stolz, hier ein neues Zuhause für unsere Mitglieder geschaffen zu haben. Zukünftig soll sie zur zentralen Plattform des Austauschs in unserer Community werden. Dafür arbeiten wir im Hintergrund an spannenden Erweiterungen.

Ein Highlight wird ein eigener „News“-Bereich sein, der euch stets über aktuelle Entwicklungen rund um Perfusion und technische Medizin informiert. Schaut regelmäßig vorbei und bringt euch ein – wir freuen uns auf eure Anregungen!

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