Zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Perfusiologie
Korrespondenz
Liebe Leserin, lieber Leser,
rückblickend betrachtet war die Perfusiologie – und damit meine ich nicht diese Zeitschrift, sondern unser Fachgebiet insgesamt – weniger von Revolutionen als vielmehr von einer kontinuierlichen Evolution geprägt.
Eine solche langfristige Entwicklung lässt sich besonders eindrucksvoll am Beispiel der Extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) nachvollziehen. Als lebendes Fossil mit nahezu 40 Berufsjahren in der Kardiotechnik habe ich die Anfänge des ECMO-Einsatzes selbst miterlebt. Damals stellte die ECMO beim Postkardiotomie-Pumpversagen eine Ultima-ratio-Therapie dar, häufig mit letalem Ausgang. Zugleich waren die Fallzahlen selbst in großen Herzzentren gering.
Die zentrale Kanülierung von Aorta und rechtem Vorhof war Standard und ging häufig mit Blutungskomplikationen sowie Rethorakotomien einher. Eine periphere Kanülierung, beispielsweise über die Femoralgefäße, kam mangels geeigneter Kanülen kaum infrage. Gerade hier zeigt sich die bemerkenswerte Evolution unseres Fachgebiets. Heute werden unterschiedlichste Kanülierungsstra-
tegien und Devices gezielt kombiniert, um versagende Organsysteme bestmöglich zu entlasten. V-A-, V-V- und V-VA-ECMO, RA-PA-ECMO, ECMELLA und weitere hybride Konzepte sind längst Bestandteil des intensivmedizinischen Alltags geworden.
In diese Entwicklung reiht sich auch der Bericht von Herrn Kwapil und der Arbeitsgruppe aus Erlangen ein. Der erfolgreiche Einsatz einer neuartigen Doppellumenkanüle ermöglichte bei einem Neugeborenen mit komplexer Herzerkrankung eine schrittweise Anpassung der Therapie. Das beschriebene Vorgehen erforderte von allen beteiligten Berufsgruppen ein tiefgehendes Verständnis der ECMO-Rheologie und Pathophysiologie.
„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist“, sinnierte Paracelsus bereits 1538. Diese Erkenntnis gilt auch für Zytokine, die im menschlichen Organismus wichtige regulatorische Funktionen bei der Steuerung des Immunsystems übernehmen. Ein durch den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ausgelöster Zytokinsturm kann hingegen erhebliche deletäre Effekte verursachen. Frau Thümler aus der herzchirurgischen Klinik in Erlangen gibt einen umfassenden Überblick über die derzeit verfügbaren Möglichkeiten der Zytokinadsorption. Aus perfusiologischer Sicht sind dabei insbesondere die Verfahren von Interesse, die intraoperativ an der Herz-Lungen-Maschine eingesetzt werden können.
Abschließend danke ich allen Autorinnen und Autoren sowie allen weiteren Mitwirkenden, die zum Gelingen dieser Ausgabe der „Perfusiologie“ beigetragen haben. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich eine anregende Lektüre und zahlreiche neue Erkenntnisse.
Dr. Dirk Buchwald, Bochum








