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Originalarbeit

Retrospektive Evaluation eines interdisziplinären Ansatzes zur Reduktion von allogenen Blutprodukten in der Kinderherzchirurgie Retrospective Evaluation of an Interdisciplinary, Comprehensive Approach to Reduce Allogenic Blood Use in Paediatric Cardiac Surgery

  1. Herzchirurgie, Universitätsklinikum Erlangen – Funktionsbereich Perfusiologie und Technische Medizin, Krankenhausstrasse 12
  2. WKK Perfusionsservice, Wernher-von-Braun Str. 5
  3. Mainz-Hechtsheim ORCID:
  4. Erlangen
Publiziert 01.12.2025 DOI: 10.47624/dp.034.RIYL6544

Zusammenfassung

Einleitung: Kleinkinder und insbesondere Neonaten reagieren sensibel auf die extrakorporale Zirkulation (EKZ), was u. a. zu einem erhöhten Blutungsrisiko führt. Verstärkt wird dies durch das proportional größere Missverhältnis zwischen benötigtem Primingvolumen und dem körpereigenen Blutvolumen. Damit gehen hohe Transfusionsvolumina und unproportional hohe Kosten für Gerinnungsprodukte einher. Die Auswirkungen der Umstellung von einem Vollblut- zu einem Vollelektrolytpriming, verbunden mit der Einführung einer Hyperfibrinolyseprophylaxe (HFP) durch Tranexamsäure (TXA), wurden evaluiert. Methode: Nach Einführung der HFP, die ab der Narkoseeinleitung bis zum OP-Ende kontinuierlich und bolusfrei mit 4 mg/h/kg KG TXA erfolgte, wurde eine Auswertung vorgenommen. In die retrospektive Studie wurden alle mit EKZ behandelten Patient:innen bis zu einem Körpergewicht von 10 kg eingeschlossen. Die Interventionsgruppe (TXA) umfasste 136 Patient:innen, die im Jahr nach Einführung der HFP operiert wurden. Verglichen wurden die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe (CON) von 123 Patient:innen, die ein Jahr vor Einführung der HFP-Therapie operiert wurden. Analysiert wurden die demographischen Daten, EKZ-Werte sowie der perioperative Fremdblut- und Gerinnungsfaktorenverbrauch. In der Analyse wurden als Outcome-Parameter intra- und perioperative Daten, Volumen-, Blutungs- und Transfusionsmengen, die verwendeten Gerinnungsprodukte und postoperativen Beatmungs- und Aufenthaltsdauern evaluiert. Ergebnisse: Bei vergleichbaren präoperativen Daten und Laborwerten zeigten sich in der Interventionsgruppe Vorteile, welche vor allem mit einer verbesserten Gerinnung in Zusammenhang gebracht werden können. Beginnend mit signifikant kürzeren OP- (315 ± 136 min vs. 351 ± 124 min) und EKZ-Reperfusionszeiten (38 ± 28 min vs. 47 ± 37 min) konnte in der Interventionsgruppe zudem der Verbrauch an Fremdblut- und Gerinnungsprodukten (EK, GFP, TK, PPSB, rFVIIa) signifikant gesenkt werden. Je nach Produkt lag der Rückgang zwischen 28 % bis 90 % Die Kosten für Fremdblut- und Gerinnungsprodukte gingen proportional zu diesen Ergebnissen zurück. Fazit: Die routinemäßige Anwendung einer niedrig dosierten, bolusfreien TXA-Infusion resultierte in ähnlichen Kurzzeitergebnissen. Dabei konnten die benötigten Mengen und die damit verbundenen Kosten für Blut- und Gerinnungsprodukte effektiv halbiert werden.

SchlüsselwörterBluttransfusionEKZangeborene HerzfehlerTranexamsäurePriming

Abstract

Introduction: Small infants, especially neonates, react sensitively to extracorporeal circulation (ECC), which entails an increased risk of bleeding. Further reinforced by the larger disparity between extracorporeal priming volume and the patient's native blood volume. This is associated with high transfusion volumes and disproportionately high costs for coagulation products. We instituted a comprehensive change in practice, including the switch from reconstituted whole blood priming to balanced electrolyte priming, combined with the introduction of a hyperfibrinolysis prophylactic (HFP) regimen using tranexamic acid (TXA). This was evaluated in a retrospective study. Methods: The evaluation was performed after introduction of the HFP, which consisted of a bolus-free infusion of 4 mg/h/kg BW of TXA, starting after anesthesia induction and continuing until the end of the operation. The retrospective study included all patients with a bodyweight (BW) of 10 kg or less who underwent treatment with ECC. The intervention group (TXA) contained 136 patients, who were operated on in the year after the introduction of the HFP regimen. These were compared to a control group (CON) of 123 patients who were operated on up to one year before the change in practice. Intraoperative and perioperative patient data, the use of blood transfusions and the administration of coagulative products, as well as postoperative mechanical ventilation and stay lengths were analyzed. Results: While preoperative demographic and laboratory data were similar, advantageous results were evident in the TXA group, which can be assumed to correlate with an improved coagulative state. Starting with significantly shorter operative (315 ± 136 min vs. 351 ± 124 min) and ECC reperfusion times (38 ± 28 min vs. 47 ± 37 min), it was furthermore possible to significantly reduce the use of allogenic blood products as well as coagulation products (PRBC, FFP, PC, PPSB and rFVIIa) by between 28% and 90%, depending on the product. Costs for blood and coagulative products were reduced in proportion to these results. Conclusion: The routine application of a low-dose, bolus-free TXA infusion led to similar short-term results. In the process, the required amounts of and associated costs for blood and coagulative products were effectively halved.

KeywordsBlood transfusionextracorporeal circulationcongenital heart defectstranexamic acidpriming

1 Volltext

Einleitung

Die frühzeitige Korrektur angeborener Herzfehler ermöglicht eine insgesamt geringere körperliche Belastung und zeigt bessere Entwicklungsergebnisse, was im Verlauf die knappen Ressourcen des Gesundheitssystems schont [1]. Neugeborene und Säuglinge, die sich einer Herzoperation mit extrakorporaler Zirkulation (EKZ) unterziehen, stellen aufgrund ihres geringen Körpergewichts, ihrer geringen Körpergröße und des entsprechend geringen Blutvolumens eine Reihe von Herausforderungen dar. Bei Neugeborenen und Säuglingen erreicht das EKZ-Priming einen erheblichen Anteil des Blutvolumens des Patienten [2]. Dies führt häufig zu einer signifikanten Hämodilution und der anschließenden Transfusion von Fremdblut in der perioperativen Phase [3,4]. Der allgemeine Kostendruck im Gesundheitswesen aufgrund steigender Personal- und Materialkosten fordert eine fortwährende Optimierung der klinisch eingesetzten Verfahren, um Qualitätseinbußen in der Behandlung zu verhindern [5]. Hinzu kommt der intrinsische Anspruch, den behandelten Kindern eine möglichst optimale und nebenwirkungsfreie Therapie zu bieten sowie verantwortungsvoll mit den genutzten Ressourcen umzugehen.

Neben den allgemeinen negativen pathophysiologischen Auswirkungen der extrakorporalen Zirkulation führen die Komplexität der jeweiligen Pathologien mit daraus resultierenden langen und komplexen chirurgischen Eingriffen zu einer längeren Exposition gegenüber den künstlichen extrakorporalen Oberflächen und einem erhöhten Verbrauch von Gerinnungsfaktoren sowie einer erhöhten Inzidenz der Hyperfibrinolyse [6,7]. Die zunehmende Verbreitung und Nutzung von Konzepten zum Patientenblutmanagement, gepaart mit modernen, kleineren EKZ-Kreisläufen und -Komponenten, kann zu einer Reduzierung von transfundiertem Blut und Gerinnungsprodukten beitragen [3,8-11]. Um einer Hyperfibrinolyse entgegenzuwirken, wird in der Herzchirurgie üblicherweise Tranexamsäure (TXA) als Antifibrinolytikum eingesetzt [5]. Leider ist die ideale und niedrigste Dosis zur ausreichenden Hemmung der Hyperfibrinolyse, insbesondere bei Neugeborenen und Säuglingen, noch nicht bekannt [12,13]. Sehr hohe Plasmakonzentrationen an TXA sind zudem mit neurologischen Komplikationen verbunden [14].

Wir berichten über unsere Erfahrungen mit der Wirkung eines interdisziplinären, blutsparenden Ansatzes mit patientenadaptiertem EKZ-Priming und sehr niedrig dosierten TXA-Gaben bei Kindern bis 10 kg mit angeborenen Herzfehlern, die eine Operation mit EKZ durchliefen.

Methode

Ziel der retrospektiven Studie war es, Unterschiede bei transfundierten Blutkonserven und verwendeten Gerinnungsprodukten in der perioperativen Phase sowie die daraus resultierenden Auswirkungen auf das postoperative Ergebnis zu bewerten. Dies beinhaltete auch eine Analyse der Kostenunterschiede für allogene Blutprodukte und die postoperative Versorgung.

Aufgrund des anonymisierten und retrospektiven Charakters wurde bei Genehmigung der Studie (Referenz: 21-421-ANF) seitens der klinischen Ethikkommission auf die Notwendigkeit einer patientenindividuellen Einverständniserklärung verzichtet.

Studiendesign

In die Studie wurden 259 Neugeborene und Säuglinge mit einem Körpergewicht (KG) bis 10 kg eingeschlossen, die sich einer Operation am offenen Herzen mit EKZ unterzogen. In die Kontrollgruppe (CON-Gruppe; n = 123) wurden alle Kinder eingeschlossen, die zwölf Monate vor Einführung des blutsparenden Ansatzes operiert wurden. Die Interventionsgruppe (TXA-Gruppe; n = 136) umfasste alle Fälle bis ein Jahr nach Einführung der Zugabe von Tranexamsäure.

Konfiguration und Durchführung der extrakorporalen Zirkulation

Für die EKZ verwendeten wir eine speziell für Neugeborene und Kleinkinder konfigurierte Sorin S5 Herz-Lungen-Maschine (HLM) (LivaNova, München, Deutschland). Die arterielle Pumpe, Kardioplegie, Ultrafiltration und drei Saugpumpen sind eng um das Kardiotomiereservoir gruppiert. So konnte, in Verbindung mit möglichst kurzen Schlauchlängen, ein sehr geringes statisches und dynamisches Primingvolumen erreicht werden. Bei allen Set-Konfigurationen wurde eine Pre-Bypassfiltration durchgeführt.

Es wurden hauptsächlich zwei EKZ-Sets verwendet. Für Neugeborene mit einem Körpergewicht von bis zu 5 kg und einem geschätzten Blutfluss von weniger als 800 ml/min: Oxygenator D100 (LivaNova, Mirandola, Italien) mit einem separaten arteriellen Filter D130 (LivaNova, Mirandola, Italien) und einem 1/4-Zoll-Pumpenschlauch. Der Durchmesser der arteriellen Linie beträgt hierbei 1/8 Zoll, auf venöser Seite kommt ein 3/16 Zoll-Schlauch zum Einsatz. In pädiatrischen Fällen bis 10 kg KG wurde der Oxygenator Capiox FX05 (Terumo, Tokio, Japan) mit Blutflüssen bis zu 1.500 ml/min verwendet. Der arterielle Filter ist hier in den Oxygenator integriert. Der arterielle Pumpenschlauch hat einen Durchmesser von 5/16 Zoll. Die Durchmesser der arteriellen und venösen Linie betragen bei diesem Set 3/16 und 1/4 Zoll.

Die EKZ-Schlauchsets der Kontrollgruppe bestanden aus etwas größeren Sets mit einem 1/4-Zoll-Pumpenschlauch in einer S85-Arterienpumpe am Mast für beide Oxygenatoren bei Kindern bis zu 7 kg und einem 1/4-Zoll-Pumpenschlauch in einer S150-arteriellen Pumpe am Mast für Kinder mit einem Gewicht von bis zu 10 kg sowie längeren Schläuchen für die Saugleitungen. Die arteriellen und venösen Linien wiesen Durchmesser von respektive 3/16 und 1/4 Zoll auf.

Die EKZ wurde bevorzugt in milder Hypothermie (28–34 °C) [15] und einer modifizierten α-stat-Strategie durchgeführt, bei welcher der CO2-Partialdruck mit Zielwerten zwischen 45 bis 50 mmHg leicht erhöht gehalten wurde. Der Grad der Hypothermie wurde von den Operateuren bestimmt und variierte je nach Komplexität des aktuellen Eingriffs sowie den individuellen Vorgaben der Operierenden. Der EKZ-Fluss wurde anhand der DuBois-BSA-Formel und einem Cardiac Index (CI) von 3,0 l/m²/min für Neugeborene und 2,8 l/m²/min für pädiatrische Fälle berechnet. Eine kontinuierliche Überwachung der Blutgasanalyse erfolgte mit dem Terumo CDI-500 (Terumo, Tokio, Japan).

Priming

Das Priming der Studiengruppe wurde auf eine primär kristalloide Lösung umgestellt. Die EKZ-Sets wurden mit einer balancierten, kristalloiden Lösung, die mit Heparin versetzt ist, entlüftet, um eine Konzentration von 10 I.E. Heparin/ml Priming zu erreichen. Anschließend berechneten wir die notwendige Menge an Erythrozytenkonzentrat (EK), die dem Priming gemäß der Hämodilutionsformel (siehe Formel 1) [6] hinzugefügt werden musste, mit dem Ziel, den Hämoglobinspiegel nach Beginn der EKZ bei oder über einem Spiegel von 8,5 g/dl zu halten. Zusätzlich nutzten wir 250 mg Vitamin C als Antioxidans.

Hämodilutionsformel zur Berechnung der benötigten Erythrozytenkonzentrat-Menge (EK) für das Priming.
Formel 1: Hämodilutionsformel zur Berechnung der benötigten Erythrozytenkonzentrat-Menge (EK) für das Priming.

Formel 1:

Abkürzungen:

ben. EK – die zur Substitution im Priming benötigte EK-Menge [ml]; Ziel Hkt – angestrebter Hkt an EKZ [%]; PBV – geschätztes Patientenblutvolumen vor EKZ (abgeschätzt als: 80 ml/kg KG) [ml]; Patient Hkt – der Hkt-Wert vor Initiierung der EKZ [%]; Hkt EK – Hämatokritwert des Erythrozytenkonzentrats [%]

Vor Einführung des kristalloiden Primingschemas verwendeten wir bei allen Kindern mit einem Körpergewicht unter 10 kg ein rekonstituiertes Blutpriming. Dies beinhaltete eine von dem verwendeten EKZ-Set abhängige Verabreichung festgelegter Mengen an EK, gefrorenem Frischplasma (GFP) und zusätzlicher Dosen von 20 %-igem Mannitol (3 ml/kg KG), Vitamin C und Vitamin K, die je nach Größe des EKZ-Systems variierten. Abweichungen traten bei Patient:innen auf, bei denen ein blutfreies Priming für möglich gehalten wurde oder von Seiten der Operateure eine Änderung des angestrebten Hämatokritwerts angeordnet wurde.

TXA-Infusion

Die intravenöse Gabe von TXA beginnt ohne Initialdosis am Ende der Narkoseeinleitung mit einer Flussrate von 4 mg/kg/h. Dem EKZ-Priming wird kein TXA hinzugefügt. Die Infusion von TXA wird mit Abschluss der Hautnaht beendet, unmittelbar bevor die Patient:innen auf die pädiatrische Intensivstation (PICU) verlegt werden.

Studienparameter

Zu den untersuchten Parametern gehörten Informationen zu den allgemeinen demographischen Daten, zu dem Anteil von Operationen an Neonaten und von Wiederholungseingriffen sowie die RACHS-Scores.

An intra- und perioperativen Daten erfassten wir: Zusammensetzung des Primings, Menge der verabreichten und drainierten Flüssigkeiten, OP- und EKZ-Zeiten. Zur Analyse des Blutverbrauchs wurden die transfundierten Mengen an EK, GFP und Thrombozytenkonzentrat (TK) sowie die applizierten Mengen der von unserer Transfusionsabteilung bereitgestellten Gerinnungsprodukte Prothrombinkomplexkonzentrat (PPSB), Fibrinogen (Fib) und rekombinanter Faktor VIIa (rFVIIa) erfasst. Als Outcome-Parameter wurden die Dauer der Beatmung, Intensivaufenthalt, die Inzidenz der ECMO sowie die perioperative Mortalität berücksichtigt.

Wirtschaftliche Evaluation des Behandlungsschemas

Die Kosten für die verwendeten Gerinnungsfaktoren (PPSB, Fib, rFVIIa) wurden anhand der mit der Blutbank verrechneten Preise berechnet. Transfusionskosten konnten auf diese Weise nicht summiert werden, da PRBC, GFP und TK bei Bestellung berechnet werden, auch wenn sie nicht transfundiert werden. Für eine genauere Kostenberechnung wurden daher die bestellten Mengen ins Verhältnis zu den verwendeten Mengen gesetzt. Dies ermöglichte die Festlegung eines realistischen und verallgemeinerbaren Kostenfaktors je verwendeter Einheit unter Berücksichtigung der Bereitstellungskosten.

Statistik

Für die statistische Analyse wurde SPSS Statistics (IBM, Armonk, NNY, USA) verwendet. Der Vergleich intra- und postoperativer Unterschiede wurde mittels einseitigem t-Test berechnet, da ein Vorteil für die CON-Gruppe erwartet wurde [10,12,13]. Für die prä-operativen Daten wurde ein zweiseitiger t-Test angewandt. Binäre Variablen wurden mit dem Chi²-Vier-Quadrate-Test auf Signifikanz geprüft. Alle Parameter mit einem p-Wert von 0,05 oder niedriger wurden als statistisch signifikant betrachtet. In allen Tabellen werden die Werte als statistischer Mittelwert ± Standardabweichung dargestellt. Patient:innen, die sich für gestufte Reoperationen vorstellten, wurden als Neu-Fälle betrachtet.

Ergebnisse

In den gewählten Zeiträumen wurden 259 Eingriffe bei 244 Kindern in die Analyse einbezogen. Davon wurden 123 Eingriffe bei 118 Kindern in der CON-Gruppe und 136 Operationen bei 125 Kindern in der TXA-Gruppe durchgeführt. Die präoperativen demografischen Daten der Vergleichsgruppen waren ähnlich (Tab. 1).

Intra- and perioperative Daten

Die Umstellung auf ein kristalloides Priming in der TXA-Gruppe resultierte in signifikanten Unterschieden zum Vollblutpriming der CON-Gruppe. Der stärkere Fokus auf das Priming-Volumen und die angestrebten Hämoglobinwerte ermöglichte bei 27 % der TXA-Gruppe ein blutfreies Priming, verglichen mit nur 10 % in der CON-Gruppe (p < 0,001). Die Priming-Zusammensetzung ist in Tabelle 2 dargestellt.

Neben den erwarteten Unterschieden in den Priming-Volumina zeigten sich auch bei den Infusionsmengen während der EKZ einige Unterschiede. Patient:innen der TXA-Gruppe benötigten signifikant geringere EK-Volumina (CON 24 ± 28 ml/kg vs. TXA 15 ± 15 ml/kg, p = 0,001). Eine vollständige, transfusionsfreie Operation wurde in 2 % der CON-Gruppe und 6 % der TXA-Gruppe (p = 0,076) erreicht.

Obwohl in der Kontrollgruppe im Laufe der OP weniger kristalloides Volumen infundiert, aber größere EK-Mengen transfundiert wurden, zeigten sich fast doppelt so viele Fälle in der CON-Gruppe, in denen die konventionelle Ultrafiltration (KUF) angewandt wurde. Zudem wurden in der CON-Gruppe größere KUF-Volumina abfiltriert. Die modifizierte Ultrafiltration (MUF) erfolgte routinemäßig und war in der Anwendungsrate und den erreichten Ultrafiltratvolumina ähnlich. Die Urinausscheidung zwischen den Gruppen zeigte keine Unterschiede. Das Volumen der Abfallabsaugung war in der TXA-Gruppe signifikant kleiner (Tab. 3).

Die summierte Flüssigkeitsbilanz war in der TXA-Gruppe signifikant erhöht (CON 27 ± 65 ml/kg vs. TXA 48 ± 62 ml/kg, p = 0,008). Die Applikation kristalloider Volumina durch die Anästhesie im OP-Verlauf war zwischen den Gruppen nahezu identisch (CON 67 ± 84 vs. TXA 68 ± 88 ml/kg, p = 0,471).

Die intraoperativen Zeiten zeigten eine kürzere Gesamtaufenthaltsdauer in der TXA-Gruppe (CON 351 ± 124 min vs. TXA 315 ± 136 min, p = 0,01) wie auch eine Tendenz zu kürzeren EKZ-Zeiten (CON 158 ± 78 min vs. TXA 141 ± 72 min, p = 0,076). Beides war mehrheitlich auf eine 20 %-ige Verkürzung der Reperfusionszeiten zurückzuführen (CON 47 ± 37 min vs. TXA 38 ± 28 min, p = 0,026). Die tiefste gemessene Körpertemperatur in der TXA-Gruppe war signifikant höher (CON 28,1 ± 3,8 °C vs. TXA 29,4 ± 4,2 °C; p = 0,004).

Transfusionsbedarf

Die Hämoglobinkonzentrationen waren vor dem chirurgischen Eingriff, während der EKZ und bei Ankunft auf der PICU ohne signifikante Unterschiede. Diese traten direkt nach der EKZ (CON 10,0 ± 1,5 g/dl vs. TXA 9,6 ± 1,6 g/dl, p = 0,02) und am ersten post-OP-Tag auf (CON 13,3 ± 2,6 g/dl vs. TXA 12,5 ± 2,4 g/dl, p = 0,02). TXA-Patient:innen zeigten bei Ankunft auf der PICU einen signifikant geringeren Laktatspiegel (CON 3,1 ± 2,2 mmol/l vs. TXA 2,3 ± 1,4 mmol/l, p < 0,001).

Die Mengen an intraoperativ transfundierten Blutprodukten und Plasmaderivaten waren in der TXA-Gruppe signifikant reduziert. Der relative Anteil der Fälle in der TXA-Gruppe, in denen Plasmaderivate verabreicht wurden, war ebenfalls geringer, ohne dabei das Signifikanzniveau zu erreichen (Fibrinogen p = 0,112; PPSB p = 0,078). Die Ausnahme bildet rFVIIa – die Verwendung im Rahmen des TXA-Ansatzes konnte von 23 auf 3 Fälle reduziert werden (p =< 0,001) (Tab. 4).

Postoperative Daten

Postoperative Transfusionen von EK, GFP und TK traten bei TXA-Patient:innen signifikant weniger auf (CON EK: 58 % vs. TXA 38 %, p < 0,001; GFP: CON 41 % vs. TXA 24 %, p = 0,005).

Urinausscheidung und Drainageverluste waren ähnlich (CON Urin: 73 ± 41 ml/kg vs. TXA 74 ± 37 ml/kg, p = 0,355; Drainage:

CON 26 ± 33 ml/kg vs. TXA 27 ± 36 ml/kg, p = 0,408).

Die analysierten Outcome-Parameter zeigten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich des Gesamtüberlebens (CON 93 % vs. TXA 96 %; p = 0,318), der Dauer der mechanischen Beatmung (CON 7,8 ± 17,2 d vs. TXA 6,2 ± 12,2 d; p = 0,318), der Häufigkeit der ECMO-Unterstützung (CON 9,8 % vs. TXA 6,6 %; p = 0,355) oder des Intensiv-Aufenthalts (CON 11,8 ± 22,7 d vs. TXA 10,4 ± 21,3 d; p = 0,251).

Kostenanalyse

Die Kostenanalyse für transfundierte Blutprodukte und verwendete Gerinnungsfaktoren ist in Tabelle 5 dargestellt. Kostendeckende Zusatzentgelte, gemäß dem deutschen DRG-System, für PPSB wurden für 26 g in der CON-Gruppe und 8 g in der TXA-Gruppe mit den Krankenkassen verrechnet. Die angepassten Gesamt- und Einzelkosten sind in der letzten Zeile der Tabelle 5 aufgeführt. Für die postoperative Versorgung auf der PICU wurde die mit dem Klinikdezernat abgestimmte Kostenpauschale je individuellem Liegetag berechnet.

Die gruppenbezogene Aufsummierung der Liegezeit ergab pauschalisierte Kosten von 19.000 EUR je Behandlung in der Kontrollgruppe ggü. 17.315 EUR für Fälle aus der TXA-Gruppe. Dies zeigte eine Ersparnis von 1.686,11 EUR je Fall in der TXA-Gruppe.

Ergebnisdarstellung des Kardioplegievergleichs Mikroplegie versus kristalloide Kardioplegie für das Herzenzym Troponin [ng/ml], direkt nach der Operation (T3) und am ersten postoperativen Tag (T4).
Abb. 6: Ergebnisdarstellung des Kardioplegievergleichs Mikroplegie versus kristalloide Kardioplegie für das Herzenzym Troponin [ng/ml], direkt nach der Operation (T3) und am ersten postoperativen Tag (T4).

Diskussion

Das Volumen des EKZ-Primings macht oft einen erheblichen Teil des Eigenblutvolumens pädiatrischer Patient:innen aus. Die Begrenzung des Priming-Volumens gestaltet sich aufgrund technischer Einschränkungen und unterschiedlicher Operationsstrategien oft schwierig. Die optimale Zusammensetzung des EKZ-Primings für Eingriffe bei Neugeborenen und Kindern wird häufig kontrovers diskutiert, wobei verschiedene Denkschulen unterschiedliche Schwerpunkte vertreten [11,14,16]. Das in der Vergangenheit oft angestrebte Ziel, das Priming der Blutzusammensetzung der Kinder anzunähern, verliert zunehmend an Bedeutung. Trotz der „unphysiologischeren Komposition“ können durch Verzicht auf GFP und mit optimierten Priming-Strategien vergleichbare oder bessere klinische Ergebnisse erzielt werden [14,17–19]. Unsere Wahl einer kristalloiden Primingstrategie mit Zugabe individuell berechneter EK-Mengen erforderte erhebliche Änderungen im Vorgehen. Änderungen der HLM-Pumpenkonfiguration führten zu einem rechnerisch signifikanten Unterschied für das Priming-Volumen (Tab. 2). Dies mag einen Beitrag zu den veränderten Ergebnissen geleistet haben [20]. Wir schlussfolgerten jedoch, dass die Umstellung auf die kristalloide Priming-Maßnahme den größeren Einfluss auf die beobachteten Ergebnisse hatte. Eine Reduzierung des EK-Anteils im Priming und eine stärkere Fokussierung auf den Hämoglobinspiegel während der EKZ, mit einer Transfusionsschwelle von 8 g/dl, begrenzten Übertransfusionen und die damit verbundenen Nebenwirkungen [7,21]. Der Gesamtverbrauch an EK wurde reduziert, ohne dass es zu einer kritischen Abnahme der perioperativen Sauerstoffzufuhr kam. Die Laktatkonzentration, häufig als Marker für unzureichende Sauerstoffzufuhr verwendet [6], war verglichen mit der Kontrollgruppe in der TXA-Gruppe zu keinem Zeitpunkt erhöht. Wir führen die erhöhte Laktatkonzentration in der CON-Gruppe auf die größeren Mengen an intraoperativ transfundierten EK zurück, welche bekanntermaßen eine hohe Laktatkonzentration aufweisen [22,23]. Gelagerte EK können vor der Zugabe in das Priming gewaschen werden, was die postoperative Laktatkonzentration reduzieren kann, aber keinen Einfluss auf die postoperativen Verläufe zu haben scheint [24]. In beiden Gruppen übersteigt der postoperative Hämoglobinspiegel die aktuellen Transfusionstrigger bei stabilen, nicht blutenden Patient:innen [10], sodass das Sauerstoffangebot im Durchschnitt nicht beeinträchtigt wurde [22].

Der Ansatz der bolusfreien Gabe von Tranexamsäure in niedriger Dosis widerspricht rechnerisch den publizierten Daten zur Pharmakokinetik von TXA von Wesley et al. [12]. Allerdings handelt es sich hierbei um simulierte Berechnungen zur Aufrechterhaltung einer Plasmakonzentration über 20, 60 oder 150 µg/ml im Plasma, mit einem weiten Vertrauenskorridor. Die Mindestkonzentration zur vollständigen Hemmung der Fibrinolyse kann offenbar viel niedriger sein, wie von Yee et al. mit Konzentrationen von 6,54 µg/ml in neonatalem Plasma beschrieben [13]. Derzeit liegen keine Daten zu der tatsächlich erforderlichen Plasmakonzentration von TXA vor, um eine ausreichende Hemmung der Hyperfibrinolyse zu erreichen. Zudem steigern hohe Konzentrationen das Risiko neurologischer Komplikationen [25,26]. Wir gehen daher davon aus, dass unsere Ergebnisse die Möglichkeit aufzeigen, eine gute Prophylaxe der Hyperfibrinolyse ohne potenziell nachteilige Spitzen in der TXA-Konzentration zu erzielen. In einer Metaanalyse von Zufferey et al. [27], welche die Expositions-Wirkungs-Beziehung bei erwachsenen Patient:innen nach Herzoperationen untersuchte, wurde eine Gesamtdosis von 20 mg/ kg KG ermittelt, über die hinaus nur marginale Verbesserungen der Blutungsergebnisse zu beobachten sind. Ausgehend von den Ergebnissen von Yee et al. [13], die zeigten, dass die zur Hemmung der Fibrinolyse erforderlichen TXA-Konzentrationen bei Neugeborenen etwa 40 % der Konzentrationen bei Erwachsenen betragen, sind wir überzeugt, dass unser Ansatz ohne Aufsättigungsdosis und mit einer mittleren Flussrate von 4 mg/h/kg ausreicht, um einen adäquaten Schutz vor einer Hyperfibrinolyse zu erreichen. Da wir keine Unterschiede bei den postoperativen Blutungsergebnissen feststellen konnten, wurde geschlussfolgert, dass beide Transfusionsstrategien zu angemessenen postoperativen Ergebnissen führten, jedoch die TXA-Strategie eine deutliche Reduktion des transfundierten Blutes sowie reduzierte Volumina bei der intraoperativen Abfallabsaugung aufwies. Daher bevorzugen wir den prophylaktischen TXA-Ansatz.

Das Ziel, Transfusionen von allogenen Blutprodukten zu reduzieren, wurde erreicht. Zudem ging auch die intraoperative Blutungsmenge bei Kindern, die im Rahmen des interdisziplinären Ansatzes operiert wurden, zurück. Der Verzicht auf GFP im EKZ-Priming hatte anscheinend keine nachteiligen Auswirkungen auf die Hämostase. Der Gesamtverbrauch an Gerinnungsprodukten in der TXA-Gruppe wurde im Hinblick auf die absoluten, je Fall verabreichten Mengen sowie den relativen Anteil der Patient:innen welche EK, GFP, TK oder rFVIIa benötigten, signifikant reduziert. Fibrinogen und PPSB als plasma- basierte Gerinnungsfaktoren gelten als Gerinnungspräparate der ersten Wahl, da sie präziser eingesetzt werden können als GFP [28]. Die Mehrheit der Patient:innen mit niedrigem Körpergewicht benötigt diese Substitute für EKZ-bedingte Koagulopathien [28,29]. Der Rückgang des rFVIIa-Verbrauchs um 90 % weist auf einen klaren Vorteil für Patient:innen im Rahmen des prophylaktischen Ansatzes hin, da rFVIIa oft das letzte Mittel zur Behandlung von Koagulopathien nach EKZ darstellt [30]. Die deutliche Verringerung des allogenen Blutverbrauchs in der intraoperativen Phase führte jedoch nicht zu signifikant besseren postoperativen Ergebnissen. Für die frühe postoperative Phase war eine Verkürzung der Beatmungszeit erwartet worden, da weniger Transfusionen mit einem geringeren Grad der Lungenschädigung und einer schnelleren Genesung assoziiert sind [31]. Die Ergebnisse unseres prophylaktischen Ansatzes blieben zwar nicht signifikant, jedoch entspricht die proportionale Verringerung der postoperativen Beatmungsstunden publizierten Bereichen [32]. Als Absolutwerte betrachtet führten nominell kürzere postoperative Beatmungszeiten und eine frühere Entlassung aus der PICU zu geringeren Kosten pro Fall. Die absolute Verringerung der Beatmungszeit und die frühere Entlassung aus der PICU reduzieren, unabhängig von der Kausalität, die Kosten für das Krankenhaus. Ein fiskalisch negativer Effekt war die zahlenmäßige Abnahme der Fälle, die für eine Erstattung der Kosten durch eine längere Beatmung in Frage kamen – der einzige Faktor unseres Konzepts, der sich aus finanzieller Sicht als nachteilig erwies. Trotz eines relativen Anstiegs der täglichen Arbeitskosten auf der Intensivstation führte die Verkürzung der Intensivstationsaufenthalte im Jahr nach Einführung unseres umfassenden Ansatzes zu zusätzlichen Einsparungen von rund 1.700 EUR pro Fall, vorausgesetzt, diese sind tatsächlich auf die Veränderungen in der klinischen Praxis zurückzuführen.

Limitationen

Die Einschränkungen dieser Studie liegen offensichtlich in ihrem retrospektiven Ansatz einer einzelnen Klinik. Dennoch konnten zwei umfangreiche und ähnlich zusammengesetzte Gruppen miteinander verglichen werden. Die gleichzeitige Umstellung des EKZ-Primings auf eine primär kristalloide Zusammensetzung und die Einführung der perioperativen TXA-Infusion erschweren eine einfache Analyse der beitragenden Faktoren. Der Verzicht auf GFP wird nicht als großer Nachteil angesehen, da GFP im Allgemeinen nur ein geringer Nutzen bei der Korrektur von EKZ-assoziierten Koagulopathien bei Kindern zugesprochen wird [28].

Ein weiterer Faktor ist das Fehlen eines protokollgeführten Algorithmus für die Transfusion von Blut und Gerinnungsprodukten. Ein solcher könnte die Anzahl unnötiger Transfusionen reduzieren [33]. Ohne weitere Änderungen der Standardverfahren und Point-of-Care-Diagnostik für den OP oder die Intensivstation im Zusammenhang mit der Verwendung von Blutprodukten und bei nur sehr geringer Personalfluktuation im untersuchten Zeitraum, werden die Ergebnisse beider Gruppen als repräsentativ für Entscheidungen in der alltäglichen klinischen Praxis angesehen.

Ein wesentlicher Störfaktor, der bei der Datenanalyse auffiel, war die höhere angestrebte Körperkerntemperatur bei TXA-Patient:innen. Dies könnte zu der beobachteten Verkürzung der Reperfusionszeit beigetragen haben. Sowohl eine niedrigere Körpertemperatur als auch längere EKZ-Zeiten mit entsprechend längerer Fibrinolyse, sind Faktoren, die mit einem höheren Auftreten von Koagulopathien assoziiert sind und zu verlängerten Phasen der Blutstillung beitragen. Die durchschnittlichen Wiedererwärmungszeiten korrelieren ebenfalls gut mit den Unterschieden in der Körperkerntemperatur. Der exakte Einfluss auf die beobachteten Zeitunterschiede ist jedoch schwer zu quantifizieren. Ein Einfluss durch die zugrundeliegenden Vitien oder erhöhte Eingriffskomplexität wird nicht angenommen, da zwischen den Gruppen keine deutlichen Unterschiede bestanden.

Schlussfolgerung

Die vorliegende Studie zeigt die Machbarkeit und die positiven Auswirkungen eines umfassenden blutsparenden Ansatzes während der EKZ in der Kinderherzchirurgie. Die bolusfreie, kontinuierliche Infusion von TXA in Kombination mit einer kristalloiden Priming-Strategie hat sich als ergebnisneutral erwiesen. Sie ist mit einem geringeren Verbrauch von Fremdblut verbunden und deutet auf eine günstigere postoperative Genesung bei Neugeborenen und Säuglingen mit angeborenen Herzfehlern nach einer Operation am offenen Herzen unter Einsatz der EKZ hin.

Die Kosten für transfundiertes Blut und plasmabasierte Gerinnungsfaktoren von rund 1.200 EUR pro Fall konnten durch die Einführung einer kristalloiden Priming-Strategie in Kombination mit einem Antifibrinolytikum (ca. 6 EUR pro Patientendosis) effektiv auf ca. 600 EUR halbiert werden.

Interessenkonflikte

Die Autoren geben an, dass keine Interessenkonflikte bestehen. Die Studie wurde ohne externe Finanzierung oder Unterstützung durchgeführt.

Wissenschaftlicher Kurzlebenslauf

Andreas Teske studierte an der Hochschule Furtwangen Medical Engineering (B.Sc.) und ergänzte dies durch einen Master in Gesundheitsökonomie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (MHBA). Mit einjähriger Unterbrechung ist er seit September 2013 im Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg als Perfusionist tätig. Schwerpunkte der klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit sind pädiatrische Perfusion, mechanische Kreislaufunterstützung und insbesondere die Therapie mit ECMO.

Tabellen

Tab. 1: demographische Daten der Patientengruppen

Tab. 2: Priming der EKZ-Systeme

Priming Zusammensetzung indexiert pro kg Körpergewicht.

Abkürzungen: EK = Erythrozytenkonzentrat; GFP = gefrorenes Frischplasma; ‘//‘ für Variablen, bei denen der Student-t-Test formal nicht valide ist

Tab. 3: applizierte und drainierte Volumina während der EKZ

Übersicht der verabreichten und abgezogenen Volumina während der EKZ, indexiert auf das Körpergewicht in kg. Die zweite Zeile beschreibt die relative Fallzahl jeder Gruppe, in der diese Produkte und Volumina appliziert wurden. Abkürzungen: EK – Erythrozytenkonzentrat; GFP = gefrorenes Frischplasma; KUF – konventionelle Ultrafiltration und MUF – modifizierte Ultrafiltration

* markierte p-Werte liegen unterhalb der Signifikanzschwelle

Tab. 4 (links): kumulierte intraoperative Anwendung von Blutprodukten und Gerinnungsfaktoren

Angewandte Mengen/Volumina der Blutprodukte und Gerinnungsfaktoren in den Fällen, in denen diese im Operationssaal angewandt wurden, indexiert auf das Körpergewicht in kg. Die zweite Zeile beschreibt die relative Fallzahl jeder Gruppe, in der diese Produkte und Volumina appliziert wurden.

Abkürzungen: EK – Erythrozytenkonzentrat; GFP = gefrorenes Frischplasma; TK – Thrombozytenkonzentrat; PPSB – Prothrombinkomplexkonzentrat; rFVIIa – rekombinanter Faktor VIIa-Konzentrat

Tab. 5 (unten): Kosten der angewandten Produkte

Übersicht der verabreichten Produkteinheiten und der berechneten Kosten. Sowohl über die Gruppe aufsummiert [Spalte: ∑ €], als auch fallindexiert [Spalte: €/Fall]. Abkürzungen: EK – Erythrozytenkonzentrat; GFP = gefrorenes Frischplasma; TK – Thrombozytenkonzentrat; PPSB – Prothrombinkomplexkonzentrat; rFVIIa – rekombinanter Faktor VIIa-Konzentrat

utkonserven

K Korrespondenz

Andreas Teske, MHBA, ECCP Funktionsbereich Perfusiologie und Technische Medizin Krankenhausstrasse 12 · 91054 Erlangen E-Mail: andreas.teske@extern.uk-erlangen.de

L Literatur

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Originalarbeit

Umfrage zum Thema: Präoperative Kriterien und Zielwerte zur Einstellung der „inspiratorischen“ Sauerstofffraktion an der Herz-Lungen-Maschine

J. Turra1, F. Wenzel3, J. Wojdyla4, D. Riesterer1, A. Möbius1, C. Eisner2
  1. Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Heidelberg
  2. Klinik für Anästhesiologie, Universitätsklinikum Heidelberg
  3. Fakultät Medical and Life Sciences, Hochschule Furtwangen
  4. Sunnyside Medical Center, Clackamas, Oregon
Quelle Kardiotechnik 02-2023 Publiziert 31.05.2023 DOI: 10.47624/kt.032.GHXA3249
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Zusammenfassung

Einleitung: Die Sauerstoffzufuhr ist einer der primären Zwecke der Herz-Lungen-Maschine (HLM). Bis zum Zeitpunkt der vorliegenden Arbeit ist der Perfusionsgemeinschaft und in der vorliegenden Literatur kein standardisiertes Schema zur Einstellung einer präoperativen Sauerstofffraktion bekannt, um einen angemessenen Zielwert des arteriellen Sauerstoffpartialdrucks (paO2) für die extrakorporale Oxygenierung zu erreichen. Die folgende Umfrage zu den präoperativen Kriterien und Zielwerten zur Einstellung der „inspiratorischen“ Sauerstofffraktion an der HLM wurde durchgeführt, um den Umgang der Perfusionist:innen mit dem Gasblender in der täglichen Praxis abzubilden.

Material und Methoden: Die deutschlandweite Umfrage bestand aus 10 Fragen, die mit der Software SurveryMonkey entwickelt wurden. Das Design der Fragen bestand entweder aus Ja/Nein-Fragen oder Mehrfachantwortoptionen. Es war auch möglich, jede Frage mit Freitextantworten zu kommentieren. Die Umfrage wurde per E-Mail an alle kardiovaskulären Perfusionsabteilungen in Deutschland versandt, nachdem mit der SurveyMonkey-Software ein nicht rückverfolgbarer QR-Code-Link generiert worden war.

Ergebnisse: Von 27 Herzzentren mit insgesamt 266 Perfusionist:innen wurden 92 Fragebögen (35 %) zurückgesandt und in die Analyse einbezogen.

Diskussion: Diese prospektive Umfrage gibt einen ersten Überblick über die Entscheidungskriterien, die Perfusionist:innen bei der Auswahl der präoperativen inspiratorischen Sauerstofffraktion FiO2 der HLM in Deutschland anwenden. Berufserfahrung der Perfusionist:innen sowie die Leistungsdaten des Oxygenators waren die vorherrschenden Faktoren im Entscheidungsprozess. Für eine repräsentativere Analyse sollte die Berufserfahrung in einer weiteren Befragung nach Abschluss, Berufsstatus, Jahren der Berufserfahrung und Alter der Perfusionist:innen differenziert werden.

1 Volltext

EINLEITUNG

Die Geschwindigkeit der modernen Medizin führt zu immer komplexeren Herausforderungen im Klinikalltag. Die Angehörigen der Gesundheitsberufe benötigen daher ein breites Spektrum an technischen Kenntnissen, um mit dem raschen Fortschritt und den neuen Entwicklungen bei medizinischen Geräten Schritt halten zu können [1]. Die Ausbildung von Perfusionist:innen hat sich von der klassischen Ausbildung am Arbeitsplatz zu einer akademischen Ausbildung mit entsprechend höheren Anforderungen an diesen Beruf entwickelt [2]. Mit fortschreitender wissenschaftlicher Auseinandersetzung und Grundlagenforschung im Bereich Perfusion sind Perfusionist:innen in der Lage, unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten und Verfahren selbständig auf eine Vielzahl von klinischen Situationen zu übertragen und anzuwenden. So ist es beispielsweise möglich, die zu erwartende Hämoglobinkonzentration nach einer Hämodilution mit der Priminglösung der HLM genau zu berechnen und entsprechend zu handeln, um die Patientenparameter innerhalb physiologisch sicherer Grenzen zu halten [3]. Die Einstellung der inspiratorischen Sauerstofffraktion FiO2 der HLM ist ein entscheidendes Element für die Oxygenierung des Blutes des Patienten während der extrakorporalen Zirkulation (EKZ) [4,5]. Wenn diese Einstellungen nicht korrekt erfolgen oder außerhalb von einem physiologischen Zielbereich liegen, kann es zu einer Hypo- bzw. Hyperoxie führen, die negative physiologische Auswirkungen auf die Organe haben kann [6–8]. Im Allgemeinen basiert die Ersteinstellung des Gasmischers für die FiO2 auf der Erfahrung des Perfusionisten sowie auf einigen spezifischen Patientenkriterien. Eine Berechnungsformel oder Vorgehensweise für die präoperative Einstellung des Sauerstoff-Gasmischers ist der zum jetzigen Zeitpunkt vorliegenden Literatur nicht zu entnehmen. Um diese Aussage zu untermauern, haben wir eine bundesweite Umfrage in den kardiovaskulären Perfusionsabteilungen der deutschen Herzzentren durchgeführt.

MATERIAL UND METHODEN

In Deutschland gibt es derzeit 78 herzchirurgische Abteilungen, in welchen rund 600 Perfusionist:innen beschäftigt sind [9]. Die teilnehmenden Abteilungen wurden so ausgewählt, dass sie einen Querschnitt der deutschlandweiten Perfusionsabteilungen repräsentieren. Der Fragebogen wurde mit der Software SurveyMonkey erstellt. Die Fragen konnten mit Ja oder Nein oder ausführlicher mit mehreren vorgegebenen Antwortmöglichkeiten beantwortet werden. Zu jeder Frage gab es auch die Möglichkeit, eine frei formulierte Antwort zu geben. Die Fragen waren über einen von SurveyMonkey erstellten QR-codierten Link zugänglich, der nach telefonischer Zustimmung per E-Mail an die leitenden Perfusionist:innen versandt wurde [10]. Die Teilnehmenden hatten sechs Wochen Zeit, um den Fragebogen zu beantworten, nachdem sie von den leitenden Perfusionist:innen eine E-Mail-Einladung erhalten hatten. Nach Abschluss der Online-Umfrage wurden die Antworten von der Software SurveyMonkey verschlüsselt, so dass eine Weiterverfolgung gemäß den Datenschutzbestimmungen nicht möglich war. Die Umfrage umfasste die folgenden Fragen:

  1. Nach welchen Kriterien stellen Sie den FiO2-Wert an der Herz-Lungen-Maschine ein, bevor diese für die extrakorporale Zirkulation gestartet wird?

Mögliche Antworten:

a. Erfahrung, b. Leistungsdaten des Oxygenators, c. keine spezifischen Kriterien, d. Formel (wenn ja, welche Formel verwenden Sie?)

  • Welche patientenspezifischen Kriterien verwenden Sie für die Einstellung des FiO2 an der Herz-Lungen-Maschine vor Beginn der extrakorporalen Zirkulation?

Mögliche Antworten:

a. Größe, b. Gewicht, c. Herzzeitvolumen, d. Hämoglobin, e. Geschlecht, f. Körperoberfläche, g. Sauerstoffverbrauch des Patienten, h. Vorerkrankungen, i. Nahinfrarotspektroskopie, j. andere Kriterien

  • Was ist Ihr Ausgangszielwert für paO2 nach Erreichen des vollen Flusses der Herz-Lungen-Maschine?

Mögliche Antworten:

a. kein Ziel-paO2, b.  <99 mmHg, c. 100–149 mmHg, d. 150–199 mmHg, e. 200–249 mmHg, f. 250–299 mmHg, g. 300–349 mmHg, h. 350–399 mmHg, i. 400–449 mmHg, j. 450–499 mmHg, k. >500 mmHg

  • Erreichen Sie normalerweise Ihren Zielwert für paO2?

Mögliche Antworten:

a. ja, +/-20 mmHg, b. nein, in der Regel höher, c. nein, in der Regel niedriger

  • Passen Sie Ihren Zielwert für paO2 während der extrakorporalen Zirkulation an?

Mögliche Antworten:

a. gleichbleibender Zielwert b. Zielwert an spezifische perioperative Situationen angepasst c. kein Zielwert

  • Welche Art von Luft-Sauerstoff-Gasgemisch verwenden Sie in Ihrer Herz-Lungen-Maschine?

Mögliche Antworten:

a. elektronischer Ventilgasmischer b. manueller Ventilgasmischer

  • Verwenden Sie verschiedene Herz-Lun- gen-Maschinenschläuche und Oxygenator-Sets?

Mögliche Antworten:

a. nein, nur ein Set. Bitte angeben. b. ja, verschiedene Sets. Bitte angeben.

  • Kennen Sie die Leistungsdaten Ihrer Oxygenatoren?

Mögliche Antworten:

a. ja. b. nein.

  • Ist es wünschenswert, mit einer vorher berechneten Einstellung des FiO2 am Luft-/Sauerstoff-Gasmischer der Herz-Lungen-Maschine einen Ziel-paO2 erreichen zu können? Mögliche Antworten:

a. ja. b. nein.

  1. Glauben Sie, dass ein hoher perioperativer paO2 zu Endorganschäden führen kann?

Mögliche Antworten:

a. ja. b. nein. c. vielleicht

STATISTIK

Die Umfragedaten wurden in eine Microsoft Access-Datenbank extrahiert und auf mögliche Eingabefehler überprüft. Die Auswertung erfolgte mit Microsoft Excel Redmond, Washington, USA. Die deskriptive Darstellung umfasste die Gesamtzahl und die Häufigkeit der gewählten Antworten.

ERGEBNISSE

Die Rücklaufquote betrug 35 % bei 92 Fragebögen der 27 einbezogenen Herzzentren mit 266 Perfusionist:innen. Die durchschnittliche Zeit, welche die Teilnehmenden für die Beantwortung der Fragen in der Umfrage benötigten, betrug 3,55 Minuten. Alle Fragebögen wurden korrekt ausgefüllt. Im Weiteren erfolgt eine Auswertung der Antworten der Umfrage.

Zu Frage 1: Kriterien für die Einstellung des FiO2 an der Herz-Lungen-Maschine vor deren Start für die extrakorporale Zirkulation

Die Mehrheit der Perfusionist:innen stellt den FiO2 nach ihrer Berufserfahrung (n = 74; 80,4 %) und teilweise nach den Leistungsdaten des Oxygenators ein (n = 47; 51,1 %). Nur eine Minderheit gab keine Kriterien (n = 4; 4,4 %) an. Zwei Perfusionist:innen antworteten, dass sie eine Formel verwenden: eine:r gab an, das 0,5-fache des Herzzeitvolumens zu verwenden; der/die zweite gab keine Formel an (siehe Abb.1).

Abb. 1: Kriterien zur Einstellung des FiO2

Zu Frage 2: Patientenspezifische Kriterien für die Einstellung des FiO2 an der Herz-Lungen-Maschine vor dem Beginn der extrakorporalen Zirkulation 

Biometrische Daten wie Körpergewicht (n = 47; 51,1 %), Körpergröße (n = 43; 46,7 %) und Körperoberfläche (n = 34; 37,0 %) spielen bei der initialen FiO2-Einstellung des Gasmischers eine große Rolle. Ebenso wie physiologische Parameter wie das Herzzeitvolumen (n = 48; 52,2 %), der Hämoglobinspiegel (n = 28; 30,4 %) und der Sauerstoffverbrauch (n = 24; 26,1 %). Ein weiterer Faktor ist die Berücksichtigung vorbestehender Krankheiten (n = 32; 34,8 %). Einige kleinere Faktoren bei der Festlegung des FiO2 sind das Geschlecht (n = 8; 8,7 %) und die Nahinfrarotspektroskopie (n = 8; 8,7 %). Unter den anderen Kriterien spielt auch die Temperatur eine Rolle bei der Einstellung des FiO2 (n = 7; 7,61 %) (siehe Abb. 2).

Abb. 2: Patientenspezifische Kriterien für die Einstellung des FiO2

Zu Frage 3: Anfangszielwert für paO2 nach Erreichen des vollen Flusses der Herz-Lungen-Maschine

Ein paO2-Zielwert von weniger als 99 mmHg oder über 300 mmHg wurde von keinem der Teilnehmenden gewählt. Ein/e Perfusionist:in gab keinen Zielwert an. Die meisten Perfusionist:innen strebten einen Wert von 150–199 mmHg (n = 40; 43,5 %) und 200–249 mmHg (n = 27; 29,4 %) an, während einige mit 100–149 mmHg (n = 16; 17,4 %) niedriger oder mit 250–299 mmHg (n = 8; 8,7 %) einen höheren Anfangszielwert an der HLM wählten (siehe Abb.3).

Abb. 3: Verteilung der paO2-Zielwerte

Zu Frage 4: Erreichen des Zielwertes für paO2

Die Mehrheit der Perfusionist:innen ist in der Lage, den eingestellten Zielwert innerhalb eines Korridors von +/- 20 mmHg zu erreichen (n = 68; 73,9 %). Einige Perfusionist:innen streben einen Wert an, der über dem eingestellten Zielwert liegt (n = 24; 26,1 %). Jedoch gab kein:e Perfusionist:in an, dass er/sie nicht in der Lage ist, den eingestellten Ziel-paO2-Wert zu erreichen.

Abb. 4: Anpassung des paO2-Zielwertes während der EKZ

Zu Frage 5: Anpassung des paO2-Ziel- wertes während der extrakorporalen Zirkulation

Abhängig von spezifischen perioperativen Situationen neigen die meisten Perfusionist:innen dazu, ihren Zielwert für paO2 entsprechend zu ändern (n = 55; 59,8 %), anstatt einen konstanten paO2-Wert während der gesamten Operation beizubehalten (n = 31; 33,7 %) oder überhaupt keinen Zielwert zu haben (n = 1; 1,1 %). Ein:e Perfusionist:in verfolgte die Strategie eines Soll-paO2 von 120 mmHg in der Endphase der Aortenabklemmung und nach Ende der Ischämiezeit einen reduzierten Soll-paO2 von 90–100 mmHg in der Reperfusionsphase. Ein:e andere:r Perfusionist:in hatte anstelle des paO2 einen Ziel-pvO2 im Bereich von 35–45 mmHg (siehe Abb. 5).

Zu Frage 6: Art des Luft-Sauerstoff-Gasmischers in der Herz-Lungen-Maschine 

Die Mehrheit der befragten Perfusionist:innen verwendet HLMs mit elektronischem Ventil-Gasblender (n = 78; 84,8 %) und nur eine Minderheit der Zentren verwendet noch mechanische Ventil-Gasblender (n = 11; 13,0 %). Nur drei Perfusionist:innen verwenden eine Kombination aus elektronischem und mechanischem Gasblender (n = 3; 3,3 %).

Zu Frage 7: Verwendung verschiedener Herz-Lungen-Maschinenschläuche und Oxygenator-Sets

Die Mehrheit der befragten Perfusionist:innen nutzen in ihrer Perfusionsabteilung verschiedene HLM-Sets (n = 85;92,4 %) – im Vergleich zu denen, die Sets von nur einem Hersteller (n = 7; 7,6 %) verwenden. Die am häufigsten verwendeten Sets für die HLM-Anwendung sind von den Firmen Terumo (FX 25), Maquet (Quadrox i), Medtronic (Fusion) und LivaNova (Inspire 8F) (siehe Abb. 5).

Abb. 5: Nutzen von HLM-Sets in der kardiotechnischen Abteilung

Zu Frage 8: Kennen Sie die Leistungsdaten Ihrer Oxygenatoren?

Die Mehrheit der Perfusionist:innen gab an, die Leistungsdaten ihrer Oxygenatoren zu kennen (n = 81; 88 %). Aus den hinzugefügten Kommentaren ging jedoch hervor, dass den Perfusionist:innen nur ein Teil der Daten zur Verfügung steht und in der Regel nur die maximale Blutflussrate umfasst. Einige Perfusionist:innen verfügen über keinerlei Informationen zu den Leistungsdaten ihrer Oxygenatoren (n = 11; 12 %) (siehe Tab.1).

Tab. 1: Antwortverteilung zu der Abfrage der Leistungsdaten der Oxygenatoren

Zu Frage 9: Ist es wünschenswert, einen Ziel-paO2 mit einer vorher berechneten Einstellung des FiO2 am Luft-/Sauerstoff-Gasmischer der Herz-Lungen-Maschine zu erreichen?

Etwa die Hälfte der teilnehmenden Perfusionist:innen wünscht sich eine berechnete Einstellung des FiO2 an ihrem Gasmischer (ja, n = 55; 59,8 % vs. nein, n = 37; 40,2 %), um einen Ziel-paO2 zu erreichen (siehe Tab. 2).

Tab. 2: Prozentuale Verteilung der Antworten bei der Einstellung eines gezielten paO2-Wertes vor Beginn der EKZ über den Gasblender mittels FiO2

Zu Frage 10: Stellungnahme zu Organschäden, die durch hohen perioperativen paO2 verursacht werden

Die Mehrheit der Perfusionist:innen glaubt, dass ein hoher paO2-Wert zu Endorganschäden führen kann (n = 65; 70,7 %). Weitere Befragte beantworteten die Frage mit „vielleicht” (n = 15; 16,3 %) oder „nein” (n = 12; 13 %). In einem hinzugefügten Kommentar wurde angemerkt, dass es wahrscheinlich ist, dass bei einem anhaltend hohen paO2-Wert über einen bestimmten Schwellenwert hinaus eine signifikante Anzahl freier Radikale erzeugt wird, die zu Endorganschäden führen können. Diese Aussage ist jedoch nicht gesichert (Abb. 6).

Abb. 6: Prozentuale Verteilung von Schädigungen des Organismus durch einen erhöhten paO2-Wert

DISKUSSION

Um die Praktiken im Zusammenhang mit dem Einsatz der HLM zu verbessern, ist es wichtig, die täglichen routinemäßigen Arbeitsabläufe der Perfusionist:innen zu kennen. Deshalb war das Ziel der vorliegenden Arbeit, eine deutschlandweite Übersicht über die aktuellen Einstellungen an der HLM zur „inspiratorischen“ Sauerstofffraktion zusammenzustellen.

Eine höhere Rücklaufquote der Umfrage würde zu einem genaueren Ergebnis führen [11,12]. Mit einer Rücklaufquote von 35 % von 266 möglichen Fragebögen kann diese Umfrage jedoch nützliche und repräsentative Erkenntnisse über das Management der präoperativen Sauerstofffraktionseinstellung durch Perfusionist:innenliefern. Berufliche Erfahrung in Kombination mit den Leistungsdaten des Oxygenators scheinen die ausschlaggebenden Parameter bei der Einstellung des präoperativen FiO2 am Gasmischer an der HLM zu sein (Abb. 1). Obwohl nur begrenzte Daten über die Leistung der Oxygenatoren, wie z. B. die Sauerstofftransferraten, vorliegen, ist die Mehrheit der Perfusionist:innen in der Lage, ihren eigenen Ziel-paO2-Wert innerhalb der Grenzen von +/- 20 mmHg zu erreichen. Wie Turra et al. zeigen, ist eine objektive Berechnung mittels einer Formel möglich, um einen sicheren paO2- Zielbereich zu erreichen, und bietet hiermit eine Reduktion der Nebeneffekte von Hypo- bzw. Hyperoxie sowie eine gesteigerte Patientensicherheit im Vergleich zu der subjektiven Einstellung und Wahrnehmung von Perfusionist:innen [13]. In einer Studie von Cody et al. wird dargestellt, dass ein vorgegebener Sauerstoff-Zielbereich mithilfe eines Blutparameter-Monitorings CDI über einen längeren Zeitraum von Perfusionisten:innen aufrechterhalten werden konnte, entgegen der Kontrollgruppe, bei der es kein Überwachungstool gab.

Da die Blutgase einen wesentlichen Anteil für das Patientenoutcome haben, ist die technische Anwendung von Formeln und Monitoring im klinischen Alltag essenziell notwendig, um die Patientensicherheit zu steigern [6,7]. Präoperative Patientendaten sind für die meisten Perfusionist:innen bei der Entscheidungsfindung zur Erreichung eines bestimmten paO2 relevant. Geschlecht und NIRS scheinen in diesem Zusammenhang jedoch keine bedeutende Rolle zu spielen. Dies ist erstaunlich, da es einen geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Sauerstoffverbrauch und eine geschlechtsspezifische Formel in der vorliegenden Literatur gibt [14,15]. Die aus unserer Umfrage hervorgehende Irrelevanz der NIRS-Technologie zur Abschätzung des FiO2 überrascht, da sich über NIRS der Sauerstoffzustand im Gehirn oder im Körper zuverlässig darstellen lässt und damit NIRS als wertvolles Überwachungsinstrument eingesetzt werden kann. Andererseits hat sich gezeigt, dass die NIRS in bestimmten Herzzentren nicht regelmäßig eingesetzt wird [16,17].

Die Ausstattung der HLM in deutschen Herzzentren besteht in der Regel aus einem elektronischen Gasmischer und einer Reihe verschiedener Schlauch- und Oxygenator-Sets, wie eine frühere Umfrage aus dem Jahr 2018 bestätigt [18]. Überraschenderweise ist die Sauerstofftransferrate des Oxygenators den Perfusionist:innen nur selten bekannt, dabei ist sie ein entscheidender Faktor für die Steuerung und das Erreichen eines bestimmten paO2. Soweit uns bekannt ist, geben die Hersteller von Oxygenatoren in der Regel Sauerstofftransferraten bei einem maximalen FiO2 von 1,0 an [18–20]. Die daraus resultierenden Sauerstofftransferraten wurden allerdings bei einem maximalen Blutfluss, einer konstanten Hämoglobinkonzentration und einer konstanten venösen Sauerstoffsättigung bestimmt und bilden die wechselwirkenden und patientenspezifischen Sauerstoffbedürfnisse von Patient:innen im klinischen Alltag nicht ab [5,11,15].

Die Uneinigkeit über die Vorteile des präzisen Erreichens eines bestimmten paO2Wertes durch Anpassung des FiO2-Wertes am Gasmischer könnte mit der anhaltenden Kontroverse zusammenhängen, ob eine Hyperoxie während der EKZ für die Patient:innen schädlich ist. Daraus folgt jedoch nicht unbedingt, dass „zu viel” Sauerstoff die beste Lösung für „zu wenig” ist. Während die Schäden durch eine schwere Hypoxie bekannt sind, sind die Auswirkungen einer Hyperoxie weniger klar. Klinische Studien aus verschiedenen Bereichen zeigen, dass eine perioperative Hyperoxie mit unerwünschten Ereignissen, wie einem erhöhten Auftreten kardiovaskulärer Komplikationen wie z. B. Herzrhythmusstörung, einem längeren Verbleib auf der Intensivstation und längeren Beatmungszeiten verbunden sein kann [7,21–23]. Es sollte verstärkt darauf geachtet werden, mit welcher Präzision Sauerstoff verabreicht wird, vermutlich insbesondere bei Patient:innen mit akutem Myokardinfarkt, da die Wirkung der Hyperoxie in dieser Gruppe besonders ausgeprägt sein kann. Darüber hinaus hat Hyperoxie eine gefäßverengende Wirkung und kann zu einer heterogenen Perfusion und zu Gewebeschäden führen [8,24,25].

Trotz der Tatsache, dass die derzeitigen Erkenntnisse nicht ausreichen, um optimale Sauerstoffziele zu bestimmen, ist es wichtig, eine Formel zu entwickeln, mit der es möglich ist, ein vordefiniertes Ziel zu erreichen. Wir halten es daher für sinnvoll, einen elektronischen Luft/Sauerstoff-Gasmischer zu entwickeln, der in der Lage ist, den FiO2 in Abhängigkeit von Patienten- und Oxygenatorfaktoren automatisch anzupassen. Dies würde der Perfusion die Möglichkeit geben, den paO2 in festgelegten Grenzen eng zu steuern und damit Hyperoxie-Zustände im Sinne einer zielgerichteten Perfusion zu verhindern [26–30]. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unsere Umfrage einen ersten Überblick darüber gibt, nach welchen Kriterien die präoperative Auswahl des FiO2 am Gasmischer der HLM getroffen wird. Berufserfahrung und Leistungsdaten des Oxygenators waren die vorherrschenden Faktoren im Entscheidungsprozess für die Einstellung. Für eine repräsentativere Analyse muss die Berufserfahrung in einer weiteren Befragung nach Abschluss, Berufsstatus, Jahren der Berufserfahrung und Alter der Perfusionist:innen differenziert werden.

DANKSAGUNG

Ein großer Dank geht an die Kolleg:innen aus Deutschland, die an dieser Umfrage teilgenommen haben, sowie an meine Betreuer, Dr. med. Christoph Eisner und Prof. Dr. med. Volker Wenzel. Des Weiteren bin ich sehr dankbar, dass ich während meiner Masterthesis mit dem Josef Güttler Stipendium unterstützt wurde.

INTERESSENKONFLIKTE

Die Autoren erklären, dass sie keine persönlichen Interessenkonflikte haben. Das Umfragetool SurveyMonkey wurde kostenlos über die Website genutzt. Die Auswertung wurde unabhängig durchgeführt.

K Korrespondenz

Jan Turra

ORCID-ID : 0000-0003-1452-625X

 

Jan Turra M.Sc., ECCP Wachenheimerstraße 59

68309 Mannheim

Tel.: +49 172 41 60 403

 

KURZER WISSENSCHAFTLICHER LEBENSLAUF

Jan Turra studierte in Berlin an der Akademie für Kardiotechnik Cardiovascular Perfusion (B.Sc.) und absolvierte seinen Masterstudiengang Technical Physician (M.Sc.) in Villingen-Schwenningen. Seit Januar 2016 ist er am Universitätsklinikum Heidelberg tätig. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind die Grundlagenforschung und Mikrozirkulation.

E-Mail: jturra@gmx.de

L Literatur

  1. Merkle F, Haupt B, El-Essawi A, and Hetzer R. State of the art in cardiovascular perfusion: now and in the next decade. HSR Proc. Intensive Care Cardiovasc. Anesth., vol. 4, no. 4, pp. 211–6, 2012.
  2. Bauer A et al. Qualification, knowledge, tasks and responsibilities of the clinical perfusionist in Germany. Interact. Cardiovasc. Thorac. Surg., vol. 30, no. 5, pp. 661–665, May 2020.
  3. Gravlee GP. Cardiopulmonary bypass: principles and practice. Wolters Kluwer Health/Lippincott Williams & Wilkins, 2008.
  4. Gravlee GP, Davis RF, Stammers AH, Ungerleider RM. Cardiopulmonary bypass: principles and practice, 3rd Wolters Kluwer Health/Lippincott Williams & Wilkins, 2008.
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  28. Stammers AH, Miller R, Francis SG, Fuzesi L, Nostro A and Tesdahl E. Goal-Directed Perfusion Methodology for Determining Oxygenator Performance during Clinical Cardiopulmonary Bypass. J. Extra. Corpor. Technol., vol. 49, no. 2, p. 81, 2017.
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  30. Baker RA. Variation in Measurement and Reporting of Goal Directed Perfusion Parameters. J. Extra. Corpor. Technol., vol. 49, no. 2, pp. P2–P7, 2017.


Originalarbeit

Verkürzung der Purge Line der Dynamic Bubble Trap und die Auswirkung auf die Eliminierung von gasförmigen Mikroembolien

Dreizler1 ORCID: 0000-0003-0112-3849, T. Russo-Helbig3, C. Lipps1, G. Haimerl4, C. A. Botha2
  1. Herz-Zentrum Bodensee Konstanz, Klinische Perfusion/Kardiotechnik, Leitung C. Lipps
  2. Herz-Zentrum Bodensee Konstanz, Herzchirurgie, Chefarzt C. A. Botha
  3. Molekulare und technische Medizin, Hochschule Furtwangen University, Villingen- Schwenningen
  4. Medizintechnik/Klinische Technologien, Hochschule Furtwangen University, Villingen-Schwenningen
Quelle Die Perfusiologie 3-24 Publiziert 26.09.2024 DOI: 10.47624/dp.033.OZTX4705
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Zusammenfassung

Ein seit Jahrzehnten bekanntes Problem ist das Vorhandensein von gasförmigen Mikroembolien (GME) während der extrakorporalen Zirkulation (EKZ). Um Nachteile für den Patienten zu verhindern, war und ist es Gegenstand wissenschaftlicher Tätigkeit herauszufinden, wie GME während der EKZ verhindert werden können. Eine erfolgversprechende Möglichkeit ist die Verwendung der dynamischen Blasenfalle (DBT). 

Bei der praktischen Anwendung der DBT hat sich gezeigt, dass eine Verkürzung der Purge Line sinnvoll sein kann. Es stellt sich dann die Frage, ob die Verkürzung eine relevante Auswirkung auf die Elimination von GME hat. Dazu wurden zwei Hypothesen aufgestellt. Hypothese 0 besagt, dass das Kürzen der Purge Line eine Erhöhung des GME-Aufkommens bewirkt. Hypothese 1 erwartete keine Veränderung oder Reduktion als Folge des Kürzens der Purge Line. Dazu wurde ein In-vitro-Testaufbau verwendet. Mit einem Perfusor wurde kontrolliert Luft vor der DBT eingebracht. Die Messsonden (Gampt BCC 200) wurden vor (pre-DBT) und hinter der (post-DBT) DBT angebracht. Gewählt wurden Purge Line-Längen von 60, 75, 100, 120 und 140 cm. Mit jeder Länge wurden je 20 Perfusionen gemessen. Aufgezeichnet wurden das Volumen und die Anzahl der GME sowie der Fluss. 

Die Auswertung und Biostatistik wurde mit MS Excel und Epibasic 3.0 (Aarhus University) durchgeführt. Ausgewertet wurden Summen, Mittelwerte und Standardabweichung. Für die statistische Berechnung wurde der Student'sche T-Test für unabhängige Stichproben angewendet. Als statistisch signifikant wurden Werte mit p = <0,05 festgelegt. 

Die Ergebnisse von Messpunkt 2 zeigten im Vergleich keine statistische Signifikanz in Fluss, Anzahl und Volumen GME bei der Referenzlänge von 140 cm. 

Hypothese 1 wurde damit angenommen. Ein Kürzen der Purge Line führt zu keiner statistisch relevanten Veränderung der GME-Rate nach der DBT im In-vitro-Kreislauf. 

1 Volltext

A problem known for decades is the presence of gaseous microemboli (GME) during extracorporeal circulation (ECC). In an effort to prevent harm to the patient, scientific research has been focusing on finding out how to prevent GME during ECC. One promising possibility is the use of the Dynamic Bubble Trap (DBT). 

The practical application of DBT has shown that the shortening of the purge line could be useful. This then raised the question of whether the shortening would have a relevant effect on the elimination of GME. Two hypotheses were formulated for this purpose. While hypothesis 0 stated that shortening of the purge line would cause an increase in GME, hypothesis 1 expected no change or reduction as a result of shortening the purge line. 

For this purpose, we used an in vitro test setup. Before DBT, a perfursor was used for controlled air application. The measurement probes (Gampt BCC 200) were attached before (pre-DBT) and after (post-DBT) the DBT. We selected purge line lengths of 60, 75, 100, 120, and 140 cm. 20 perfusions were measured for each length. The volume and count of GME as well as the flow were recorded. 

We used for analysis and biostatistics purposes MS-Excel and Epibasic 3.0 (Aarhus University), evaluating sums, mean values and standard deviation. For statistical calculations, we used Student's t-test for independent samples. Values p=<0.05 were defined as statistically significant. 

The results of measuring point (2) showed no statistical significance in flow, count and volume of GME compared to the reference length of 140cm. 

Therefore, hypothesis 1 was accepted. Shortening of the purge line does not lead to a statistically significant change in the GME after DBT in the in-vitro circuit. 

Keywords 

GME, DBT, purge line shortening, elimination 

Einleitung 

Luft – in mikroskopischer Größe von <5µ – gelangt während der extrakorporalen Zirkulation (EKZ) in den Patientenkreislauf. Dieses Problem ist seit Jahrzehnten bekannt [1]. GME können Mikroembolien auslösen, die zur Schädigung der Gefäßwand [2] und zu Gewebsuntergang als Folge der Obstruktion der Gefäße [3] führen. Die Folgen für den Patienten können – psychisch oder physisch – von einer leichten Beeinträchtigung bis hin zu schweren Schäden gehen [4]. 

In den letzten Jahren kamen Oxygenatoren und Reservoire auf den Markt, die auf Reduzierung von GME optimiert sind. Als weitere Möglichkeit zur effektiven Eliminierung von GME bietet sich eine dynamische Blasenfalle (DBT, Santec GmbH, Großostheim; Vertrieb Kardialgut GmbH, Petersdorf) an [5,6,7]. 

Die DBT arbeitet mit einer Helix. Diese bewirkt, dass einströmendes Blut in Rotation versetzt wird. Es entstehen Fliehkräfte, wodurch die schweren Bestandteile des Blutes an den Rand gelangen und die leichten, wie z. B. auch GME, in der Mitte bleiben. Am Ende der DBT befindet sich mittig der Auslass in die Purge Line. Die Originallänge beträgt 140 cm. In der klinischen Anwendung erweist sich diese jedoch häufig als zu lang. Die Frage war, ob sich eine Verkürzung der Purge Line auf die Effektivität bei der Eliminierung von GME auswirkt. 

Dazu wurde eine In-vitro-Studie mit verschiedenen Längen durchgeführt. Es wurden zwei Hypothesen aufgestellt und getestet. Hypothese 0: Das Kürzen der Rezirkulationslinie bewirkt eine Erhöhung des GME-Aufkommens und Hypothese 1: Keine Veränderung oder Verminderung des GME-Aufkommens durch die Verkürzung der Purge Line tritt ein. 

Material und Methoden 

Es wurde in-vitro ein A.L.One Oxygenator mit Remowell 2-Reservoir (Eurosets GmbH, Gröbenzell) auf einer C5 Herz-Lungen-Maschine (HLM, LivaNova Deutschland GmbH, München) verwendet. Beim Perfusionssystem handelt es sich um ein Standardperfusionssystem, welches klinisch regelmäßig zum Einsatz kommt. Die DBT ist Bestandteil des Systems. 

Das Priming bestand aus Jonosteril 2000 ml (Fresenius Kabi Deutschland GmbH, Bad Homburg), um einen hohen Reservoirpegel zu haben. Die Primingtemperatur betrug 37° C und wurde mit einem Deltastream HC-Gerät (Xenios AG, Heilbronn) aufrechterhalten. Die Messungen wurden mit einem GAMPT BCC 200 (Gampt mbH, Merseburg) durchgeführt. Um realistische Drücke zu erhalten, wurde ein Druck von 200 mmHg (post Oxygenator) mit dem elektronischen venösen Okkluder (EVO, LivaNova Deutschland GmbH, München) erzeugt. Die Drücke wurden an der HLM C5 gemessen. Es wurde eine okklusive Rollenpumpe verwendet, die dauerhaft auf einen Fluss von 5,0 l/min eingestellt wurde. 

Hinter dem Oxygenator und vor der DBT wurde ein Konnektor 3/8 x 3/8“ LL eingebaut. Über einen Perfusor (Injectomat MC Agilia, Fresenius Kabi Deutschland GmbH, Bad Homburg) wurde mit einer Förderrate von 1 ml/h Luft eingebracht. Auf der Gasseite des Oxygenators wurde kein Gasflow appliziert. Die Messpunkte befanden sich vor der DBT, jedoch hinter dem Konnektor zur Luftapplikation (Messpunkt 1) und hinter der DBT (Messpunkt 2). Es wurden fünf unterschiedliche Längen der Purge Line getestet: 

140 cm (Referenzlänge), 120 cm, 100 cm, 75 cm und 60 cm. Es wurden zu jeder Länge 20 Perfusionen simuliert. 

Die Perfusion dauerte jeweils 10 Minuten. Nach dem Start der Aufzeichnung am Messgerät wurde 1 Minute perfundiert, danach wurde der Perfusor mit der Förderrate von 1 ml/h gestartet. Es folgten unter Luftzugabe drei Minuten Perfusion. Der Perfusor wurde angehalten und weitere 2 Minuten wurde ohne Applikation perfundiert. Die Aufzeichnung am Messgerät wurde nach insgesamt 5 Minuten gestoppt und es wurde 4 Minuten ohne Aufzeichnung reperfundiert, bevor der nächste Zyklus gestartet wurde. Die Purge Line war ständig geöffnet und nach Bedienungsanleitung direkt am Reservoir angeschlossen. 

Die Messergebnisse wurden in eine MS Excel-Tabelle übertragen. Es wurden Summen, Mittelwerte und Standardabweichung von jedem Messzyklus erhoben. Verglichen wurden die Ergebnisse der jeweiligen Längen der Purge Line vor der DBT (Messpunkt 1) und hinter der DBT (Messpunkt 2) nach Volumen und Anzahl. Als Referenz galt die Standardlänge von 140 cm. 

Für weitere statistische Berechnungen der Mittelwerte wurde der Student'sche T-Test für unabhängige Stichproben ausgewählt und mit Epibasic 3.0 (Aarhus University) berechnet. 

Ergebnisse 

Insgesamt wurden 36.001 Datensätze erzeugt und ausgewertet. Der hinter der DBT gemessene Perfusionsfluss betrug bei einer Purge Line-Länge von 140 cm 5,0 l/min (±0,3), bei 120 cm 4,9 l/min (±0,2), 100 cm 4,8 l/min (±0,3), 75 cm 4,8 l/min (±0,2) und bei 60 cm 4,8 l/min (±0,3). Dies entspricht einer Reduktion des abgegebenen Perfusionsflusses von maximal 4 % verglichen mit der Referenzlänge von 140 cm. 

Die Anzahl der gemessenen Mikroblasen bei 140 cm betrug vor der DBT (1) 2249,9 (±2723,9) und hinter der DBT (2) 44,5±107,1. 

Diese Werte sowie die Anzahl der Mikroblasen bei den anderen Längen sind in Tabelle 1 aufgeführt. 

Das gemessene Volumen der Länge 140 cm betrug vor DBT (1) 1187,4 µl (±1513,8) vs. hinter der DBT (2) 4,5 µl (±10,5). Diese Werte sowie die Volumenwerte bei den anderen Längen sind in Tabelle 2 aufgeführt. 

Vor der DBT (Messpunkt 1) wurden bei Anzahl und Volumen der GME im Vergleich zur Referenzlänge keine signifikanten Unterschiede festgestellt (siehe Tabelle 3). Auch hinter der DBT (Messpunkt 2) wies der Vergleich zur Referenzlänge 140 cm bezüglich der Anzahl der gemessenen GME und im ermittelten Volumen keine Signifikanzen auf. Die durch das Messgerät ausgegebenen Flüsse hinter der DBT (Messpunkt 2) 140 cm vs. 120 cm, 140 cm vs. 100 cm, 140 cm vs. 75 cm, 140 cm vs. 60 cm wiesen ebenfalls keine Signifikanzen auf. 

Abb. 1: Testaufbau mit Messpunkten 1 und 2 (weiße Pfeile) 

Abb.2: Messpunkt 2 – grafische Darstellung Anzahl GME der einzelnen Purge Line-Längen mit Trend 

Messpunkt 140 cm 120 cm 100 cm 75 cm 60 cm 
2249,9 ±2723,9 1548,7 ±773,9 1242,5 ±1833,0 1600,5 ±533,8 1108,8 ±1345,4 
44,5 ±107,1 21,9 ±9,4 34,2 ±78,1 36,2 ±14,3 26,0 ±57,9 

Tab. 1: Anzahl GME vor Messpunkt 1 und 2 

Messpunkt 140 cm 120 cm 100 cm 75 cm 60 cm 
1187,4 ±1513,8 862,2 ±394,2 459,0 ±547,7 3175,7 ±2487,0 400,8 ±440,5 
4,5 ±10,5 2,9 ±1,3 3,3 ±9,1 4,1 ±2,7 3,5 ±7,2 

Tab. 2: Volumen GME in µl vor Messpunkt 1 und nach 2 

Purge Line-Längen (Messpunkt 2) Anzahl GME: CI 95 % Anzahl GME: p= Volumen GME: CI 95 % Volumen GME: p= Fluss: CI 95 % Fluss: p= 
140 cm vs. 120 cm -24,5–69,7 n.s. -3,0–6,3 n.s. -3,0–6,3 n.s. 
140 cm vs. 100 cm -47,8–68,4 n.s. -4,9–7,3 n.s. -4,9–7,3 n.s. 
140 cm vs. 75 cm -39,1–55,7 n.s. -7,7–2,1 n.s. -7,7–2,1 n.s. 
140 cm vs. 60 cm -34,1–71,9 n.s. -4,6–6,6 n.s. -4,6–6,6 n.s. 

Tab. 3: Statistische Auswertung Anzahl und Volumen GME sowie Fluss Messpunkt 2 

Diskussion 

Die Ausgangsfrage war, ob sich eine Verkürzung der Purge Line-Länge auf die Qualität der Mikroblasenelimination auswirkt. Von der eingebrachten Luft in Form von Mikroblasen konnten insgesamt 97,8 % in der Anzahl und 99,5 % des Volumens reduziert werden. Dies beweist erneut die hohe Effektivität der DBT in der Elimination von GME. Bei der Beantwortung der Fragestellung sind insbesondere die Werte, die hinter der DBT als letzte Station vor dem „Patienten“, ermittelt werden konnten (Messpunkt 2), von Interesse. 

Blut als nicht-Newtonsche Flüssigkeit hat die Eigenschaft, teilweise Newtonsch zu reagieren – in Bezug auf GME ist genau dies der Fall. In der Erwartung vergleichbarer Ergebnisse haben wir uns deshalb für die Verwendung einer kristalloiden Infusionslösung entschieden. Nach den Gesetzen der Strömungsmechanik verringert sich der zur Elimination benötigte Druck mit der Verkürzung der Purge Line. Gleichzeitig sollte sich der Volumenverlust über die Purge Line vergrößern. Es wäre also möglich, dass Mikroblasen schneller und effektiver abgeleitet werden können, wenn sich die Purge Line verkürzt. Vor allem bei der Betrachtung der Anzahl der gemessenen GME ist hier tatsächlich eine Reduktion feststellbar, je kürzer die Purge Line wird – dies jedoch ohne statistische Signifikanz. Der Perfusionsfluss verringerte sich ebenfalls geringfügig mit kürzerer Purge Line. Dies wies ebenfalls keine statistische Signifikanz auf. Der Fluss wurde im Vergleich mit der Referenzlänge um maximal 4 % reduziert, was klinisch von geringer Relevanz ist. 

Somit kann Hypothese 1, also keine statistisch relevante Veränderung des GME-Aufkommens, bewiesen werden. Die Verkürzung der Purge Line von der Originallänge 140 cm auf 120, 100, 75 oder 60 cm kann ohne nachteilige Auswirkungen auf die Elimination von GME durchgeführt werden. Aufgrund der erhobenen Daten darf auch vermutet werden, dass eine Variation der Länge der Purge Line zwischen 140 und 60 cm keinen Einfluss auf die Qualität der GME-Elimination hat. Es kann möglich sein, dass sich die Effektivität der DBT durch eine Verkürzung innerhalb dieser Grenzen sogar noch steigern ließe. Allerdings sind hierzu weitere Studien notwendig. 

Limitationen 

Die Versuchsreihe unterlag einigen Limitationen. Die Messungen wurden ausschließlich in-vitro mit nur einem einzigen Komplettset inklusive Oxygenator durchgeführt. Die eingebrachte Luft konnte so zwischen den einzelnen Messvorgängen nicht immer vollständig eliminiert werden. Die Messungen wurden soweit möglich ohne Unterbrechung hintereinander durchgeführt. Allerdings waren aufgrund der hohen Anzahl an Messungen mehrere aufeinanderfolgende Tage dafür notwendig. Während dieser Unterbrechungen über Nacht stand die Perfusion über Stunden still. Das Priming kühlte ab und Mikroblasen konnten ausgasen. Es wurden außerdem pro Länge nur 20 relativ kurze Perfusionen gemessen. 

Nicht ganz klar definiert war die Messgenauigkeit des Gampt-Gerätes bei der Flussmessung. Die Viskosität der Priminglösung war aufgrund fehlender Proteine deutlich niedriger als die des menschlichen Blutes. Der zu erzeugende Druck könnte deshalb geringer ausgefallen sein als bei der Anwendung mit Blut und somit die GME-Elimination verändern. 

Zusammenfassung 

Die Verkürzung der Purge Line zeigt keine statistisch relevante Veränderung in Anzahl und Volumen der eliminierten GME im Vergleich zur Referenzlänge von 140 cm. Der Perfusionsfluss reduziert sich um maximal 4 %. Aufgrund der Ergebnisse dieser In-vitro-Untersuchungsreihe kann eine Kürzung der Purge Line von 140 cm auf Längen von 120 cm, 100 cm, 75 cm und 60 cm ohne nachteilige Auswirkung auf die Effektivität der DBT vorgenommen werden. 

Interessenkonflikt 

Diese Arbeit beruht auf Daten, die im Rahmen einer Arbeit zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Science (B.Sc) an der Hochschule Furtwangen University, Villingen- Schwenningen, Molekulare und technische Medizin, erhoben wurden. 

Die Autoren geben an, keine Interessenkonflikte zu haben. 

Danksagung 

Der Aufbau eines In-vitro-Kreislaufs wurde durch eine Sachmittelspende der Fa. Kardialgut unterstützt. 

Erklärung 

In dem vorliegenden Artikel wird darauf verzichtet, bei Personenbezeichnungen sowohl die männliche als auch die weibliche Form zu nennen. Die männliche Form gilt in allen Fällen, in denen dies nicht explizit ausgeschlossen wird, für beide Geschlechter. 

K Korrespondenz

Thomas Dreizler (ECCP, MCT) Herzzentrum Bodensee Luisenstrasse 9A 78464 Konstanz E-Mail: thomas.dreizler@herz-zentrum.com 

L Literatur

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Originalarbeit

Myokardprotektion in der Kinderherzmedizin: Kristalloide versus Mikroplegie Myocardial protection in paediatric cardiac medicine: crystalloid versus microplegia

H. Sauer3, N. Kwapil1, M. Kohl2, T. Schiepp3, A. Purbojo1, O. Dewald1, F. Münch1
  1. Herzchirurgische Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, Krankenhausstraße 12, D-
  2. Furtwangen University – Campus Villingen-Schwenningen; Fakultät Medical and Life Sciences, Jakob-Kienzle-Straße 17, D-
  3. Furtwangen University – Campus Villingen-Schwenningen, Fakultät Mechanical and Medical Engineering, Jakob-Kienzle-Straße 17, D-
  4. Villingen-Schwenningen
  5. Erlangen
Quelle Die Perfusiologie 03-2025 Publiziert 03.09.2025 DOI: 10.47624/dp.034.QUMU2077
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Zusammenfassung

Einleitung: State-of-the-Art einer sicheren Myokardprotektion ist nur durch die Anwendung von Kardioplegie gewährleistet. Die Wahl der Kardioplegie hängt von der Herzerkrankung, den Vorgaben der Klinik und der Erfahrung des Herzchirurgen ab. In der nachfolgenden Studie wird die neuartige pädiatrische Mikroplegie mit dem Goldstandard der kristalloiden Bretschneider-Kardioplegie (HTK) in der Kinderherzmedizin untersucht. Material & Methoden: In einer retrospektiven Analyse über einen Zeitraum von 91 Monaten wurden alle Säuglinge bis 12 kg Körpergewicht eingeschlossen, die eine Herzoperation erhielten, bei der Mikroplegie bzw. HTK zur Myokardprotektion angewandt wurde. Ausgewertet wurden fünf definierte Zeitpunkte: pre-OP, intra-OP, post-OP, 24 h-post-OP sowie Outcome bzw. Langzeitergebnisse. Zur qualitativen Beurteilung der Myokardprotektion werden die Herzenzyme: Troponin I (Troponin), Kreatinkinase (CK) und Creatinkinasemyoglobin (CKMB) sowie der vasoaktive Inotrope Score (VIS), sowohl post-OP wie auch 24 h-post-OP verglichen. Als Outcome-Parameter wird die Beatmungs- und Intensivaufenthaltszeit, ECMO und 30-Tage-Mortalität dokumentiert. Statistisch analysiert wird mittels multipler linearer Regression, unter Adjustierung auf den RACHS-Score und die Ischämiezeit, bei einem Signifikanzniveau von 5 %. Ergebnisse: Eingeschlossen wurden 889 Säuglinge (Mikroplegie n = 556 vs. HTK n = 333). Eine detaillierte Analyse zeigte, dass die Mikroplegie-Gruppe signifikant älter und damit schwerer war, bei einer kürzeren Ischämiezeit und bei einem geringeren RACHS-Score. Die Auswertung ergab signifikant geringere postoperative Herzenzyme wie Troponin, CK, CKMB in der Mikroplegie-Gruppe bei gleichem VIS-Score direkt post-OP. Diese signifikante Differenz konnte zum Zeitpunkt 24 h-post-OP in der Mikroplegie-Gruppe nur noch für das Troponin nachgewiesen werden. Bezüglich der Outcome-Parameter zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Schlussfolgerung: Bezogen auf die Herzenzyme zeigten sich in der vorliegenden Analyse signifikante Vorteile für die Myokardprotektion mit Mikroplegie. Bezüglich des klinischen Outcomes und des Katecholamin-Bedarfs zeigten sich jedoch beide Kardioplegien als sichere Myokardprotektionsverfahren für die Kinderherzmedizin.

SchlüsselwörterSäuglingeMyokardprotektionBretschneiderpädiatrische MikroplegieKardioplegieHTKEKZ

Abstract

Introduction: State-of-the-art myocardial protection is only guaranteed by the use of cardioplegia. The choice of cardioplegia depends on the cardiac disease, clinical specifications and experience of the cardiac surgeon. The following study investigates the new pediatric microplegia with the gold standard of crystalloid Bretschneider cardioplegia (HTK) in pediatric cardiac medicine. Material & methods: In a retrospective analysis over a period of 91 months, all infants of up to 12 kg in body weight who underwent cardiac surgery in which microplegia or HTK was used for myocardial protection were included. Five defined time points were analyzed: pre-op, intra-op, post-op, 24h-post-op, as well as outcome and long-term results. For the qualitative assessment of myocardial protection, the cardiac enzymes troponin I (Troponin), creatine kinase (CK) and creatine kinase myoglobin (CKMB), as well as the vasoactive inotropic score (VIS), are compared both post-operatively and 24h-post-operatively. As outcome parameters, time on ventilation and in intensive care, ECMO and 30-day mortality are documented. Statistical analysis is performed using multiple linear regression, adjusting for RACHS score and ischemia time, at a significance level of 5%. Results: 889 infants were included (microplegia n=556 vs. HTK n=333). A detailed analysis showed that the microplegia group were significantly older and heavier with shorter ischemia times and lower RACHS scores. The analysis revealed significantly lower post-operative cardiac enzymes such as Troponin, CK and CKMB in the microplegia group with the same VIS score immediately post-operatively. This significant difference could only be demonstrated for Troponin 24h-post-operatively in the microplegia group. There were no significant differences in outcome parameters. Conclusion: In terms of cardiac enzymes, this analysis showed significant advantages for myocardial protection with microplegia. In terms of clinical outcome and catecholamine requirement however, both cardioplegia procedures proved to be safe myocardial protection procedures for pediatric cardiac medicine.

KeywordsInfantsmyocardial protectionBretschneiderpediatric microplegiacardioplegiaHTKCPB

1 Volltext

Abb. 1: Die modifizierte pädiatrische Mikroplegie basiert auf dem extrazellulären Typ, was höhere Kalium-Konzentrationen im Vergleich zur Bretschneider-
Kardioplegie bedeutet; die kristalloide Kardioplegie wirkt hingegen intrazellulär und nutzt eine reduzierte extrazelluläre Natrium-Konzentration

Einleitung

Um angeborene Herzfehler nahezu komplikationslos korrigieren zu können, wird im Rahmen einer Herzoperation die Herz- und Lungenfunktion ausgeschaltet. Um eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Körpers zu gewährleisten, wird die Herz- und Lungenfunktion während der Operation durch eine extrakorporale Zirkulation (EKZ) ersetzt. Dabei übernehmen verschiedene Komponenten der Herz-Lungen-Maschine (HLM) die Funktion von Herz und Lunge. Das Herz wird durch die Positionierung von Kanülen vom physiologischen Kreislauf ausgekoppelt. Die am Herzen anliegenden Koronarien übernehmen die Aufgabe die Herzmuskulatur zu versorgen [1].

Während der eigentlichen Operation am offenen Herzen werden die Koronarien über die extrakorporale Zirkulation (EKZ) nicht durchblutet, da das Herz stillgelegt wird. Diese Unterbrechung des Blutflusses durch die Koronarien wird als Ischämie bezeichnet. Die darauffolgende Reperfusionsphase ist durch die Wiederherstellung des Blutflusses sowie die Auswaschung von Stoffwechselendprodukten gekennzeichnet.

Infolge der ausbleibenden Perfusion des Myokards während der EKZ können Schädigungen am Myokard auftreten. Mit dem Begriff „Myokardprotektion“ wird die Gesamtstrategie bezeichnet, die darauf abzielt, einen bewussten und kontrollierten Herzstillstand unter Erhalt der myokardialen Funktionalität herbeizuführen. Das übergeordnete Ziel hierbei besteht in der Prävention von mechanischen, ischämischen oder Reperfusionsschäden am Herzen [2]. Mithilfe der Anwendung kardioplegischer Lösungen wird durch Elektrolytverschiebungen im Intra- und Extrazellulärraum das Auslösen eines Aktionspotenzials verhindert und damit die bewusste, kontrollierte elektromechanische Inaktivierung des Myokards ausgelöst [3]. Der Begriff Kardioplegie ist weltweit ein fester Bestandteil der Gesamtthematik der Myokardprotektion geworden [4]. Durch Verwendung einer speziellen Lösung können komplexe Herz-Operationen über mehrere Stunden sicher durchgeführt werden [5–7]. Die Art der Myokardprotektion ist von verschiedenen Faktoren abhängig, dazu zählen die verwendete Kardioplegielösung, deren Wirkweise sowie die Applikationsart [8].

Eine adäquate Beurteilung der Myokardprotektion bei kardiochirurgischen Patient:innen erfordert die Berücksichtigung der in der Herzchirurgie angewandten Komplexitäts-Scores. Diese werden anhand bestehender Symptome, Diagnosen, Operationen oder einer Kombination aus allen klassifiziert. Die Scores fassen die Patient:innen in Gruppen mit vergleichbarem Risiko für ein Behandlungsergebnis zusammen. Der RACHS-Score ist ein spezifischer Letalitäts-Score, der die verschiedenen Interventionsformen einem Letalitätsrisiko zuordnet. Das Alter der Patient:innen hat für die RACHS- Score-Einordnung eine hohe Bedeutung, so dass hierbei „junge Patient:innen“ im Vergleich zu „älteren Patient:innen“ mit einem höheren Score beurteilt werden [30].

Neben der Einordnung mittels RACHS-Score wird oftmals auch anhand von Echokardiographie die Qualität des Myokardprotektion am Ende der EKZ bzw. direkt postoperativ beurteilt [31]. Als beste Biomarker aus dem Blut wurden die Herzenzyme Troponin und Creatinkinasemyoglobin (CKMB) eruiert [32, 33]. Ein starker postoperativer Anstieg von Herzenzymen ist prognostisch relevant, auch wenn keine zusätzlichen Anzeichen einer Ischämie vorliegen [34].

Wissenschaftlicher Hintergrund

Nach aktuellem Kenntnisstand stellt die Kardioplegie eine unabdingbare Voraussetzung für einen erfolgreichen Myokardschutz in der Herzchirurgie dar. Die Kardioplegie gewährleistet eine erhöhte Sicherheit und Erholung des Herzens während des operativen Eingriffs und ermöglicht im Anschluss eine vollständige Wiederaufnahme der Herzaktivität. Die verschiedenen Arten von Kardioplegie-Lösungen weisen unterschiedliche Wirkmechanismen auf, welche auf der Inaktivierung der Natrium-Kalium-Pumpe an den myokardialen Zellen basieren. Die Auffüllung der Energiespeicher, die Ausschwemmung der verbleibenden Stoffwechselprodukte, die optimale Verteilung der kardioplegischen Lösung sowie die Minimierung möglicher Reperfusionsfolgen nach Öffnung der Aortenklemme stellen die Ziele einer erfolgreichen kardioplegischen Ischämie dar [9].

Abb. 2: Übersicht aller Patient:innen und jeweils verabreichte Kardioplegie bzw. Protektionsverfahren

Der Wirkmechanismus beim gezielten Herbeiführen des Herzstillstandes wird auf zellulärer Ebene durch das Absenken, Anheben und die Kontrolle der Konzentrationen von Kalium (K+), Natrium (Na+), Kalzium (Ca2+) und Magnesium (Mg2+), erzielt. Hierbei wird zwischen intra- und extrazellulären Kardioplegien unterschieden. Die intrazelluläre Kardioplegie basiert auf einer geringfügigen Konzentration des Natriums und führt zu einer Entleerung des Natriums auf extrazellulärem Raum und damit zu einem Verlust des Zellmembranpotenzials. Daraus resultiert die Unfähigkeit zur Initiierung des Aktionspotenzials. Beispiele für intrazelluläre Kardioplegie-Formen sind die Bretschneider-Kardioplegie (Histidin-Tryptophan Ketoglutarat-Lösung (HTK)), die Kirsch-Lösung, auch unter der Hamburg-Eppendorf-Kardioplegie bekannt, und die Cardioplexol-Lösung [5]. Bei der extrazellulären Kardioplegie liegt

der Fokus auf einer erhöhten Kaliumkonzentration im Extrazellulärraum. Durch die Verringerung der extrazellulären im Vergleich zur intrazellulären Kaliumkonzentration wird ein depolarisierter Herzstillstand verursacht. Die St. Thomas-Lösung, die Blutkardioplegie nach Buckberg, die Mikroplegie nach Calafiore und die Del Nido-Kardioplegie stellen bekannte extrazellulär wirkende Kardioplegie-Lösungen dar [5].

Die Anwendung hypothermer kardioplegischer Lösungen führt zu einer zusätzlichen Reduktion des Sauerstoff- und Nährstoffbedarfs des Herzgewebes. Die Ermittlung dieses physiologischen Vorgangs kann anhand des Van-'t- Hoff'schen Gesetzes erfolgen. Das Van-'t-Hoff'sche Gesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen dem osmotischen Druck, der osmotischen Konzentration sowie der Temperatur von Lösungen [10].

Zusammenfassend liegt der wesentliche Unterschied zwischen den verschiedenen Kardioplegie-Varianten darin, dass als Trägerflüssigkeit entweder Patientenblut oder kaltes kristalloides Volumen Anwendung findet. Die Parameter Temperatur, Volumenzusatz und initiale Applikation sind hierbei ausschlaggebend.

Material Methoden

Die Ethikkommission des Universitätsklinikums Erlangen bewilligte den Antrag Nr. 22-36-Br über die retrospektive Auswertung und Analyse der Daten.

Das Studienkollektiv umfasst alle am Universitätsklinikum Erlangen in der Kinderherzchirurgischen Abteilung operierten Patient:innen mit EKZ mit einem Gewicht von 2–12 kg/KG. Der Beobachtungszeitraum war vom 1. Januar 2014 bis einschließlich 31. Juli 2021 festgelegt. Die Auswahl für die in der Operation verwendete kardioplegische Lösung wurde vor jeder OP vom Operateur festgelegt. Als Ausschlusskriterien galten Beating Heart sowie Myokardprotektion, in der während einer OP zwei unterschiedliche Kardioplegieverfahren angewendet wurden (Abb. 2). Die Daten der operierten Patient:innen, die in den gewählten Beobachtungszeitraum fielen, liegen klinikintern in der jeweiligen Patientenakte vor. Daher war keine zusätzliche Einwilligungserklärung der Eltern beziehungsweise des gesetzlichen Vormundes der Patient:innen notwendig.

Angewandte Kardioplegien

Pädiatrische Mikroplegie

Die pädiatrische Mikroplegie ist eine Blutkardioplegie, in der ein hochkonzentriertes Kalium-Magnesiumgemisch verwendet wird. Die Idee dieser Art des Herzstillstandes kommt aus der Erwachsenenherzchirurgie und wird oftmals als „Calafiore-Kardioplegie“ deklariert. Da sich adulte und pädiatrische Herzen in ihrer Art der Kontraktion und hinsichtlich Empfindlichkeiten z. B. auf Katecholamine unterscheiden, kann im pädiatrischen Bereich nicht das gleiche Schema wie bei Erwachsenen Anwendung finden. Die Dosis von Kalium und Magnesium muss dem kindlichen Myokard angepasst werden, um eine bewusste Asystolie an der EKZ zu erreichen.

O´ Brien et al. konnten feststellen, dass im Kindesalter für einen erfolgreichen Herzstillstand während der EKZ ein wesentlich höherer Anteil an Kalium erforderlich ist. Zusätzlich unterbindet ein höherer Magnesiumbedarf den Eintritt von Kalzium in die stillgelegten Kardiomyozyten. Dieser Mechanismus ist für die Erholung des Herzmuskels essentiell [11]. Die im Perfusor befindliche Applikationsspritze ist durch eine Leitung vor der Applikationspumpe mittels Luer-Verbindung verbunden, um mit dem Patientenblut zur Kardioplegie vermischt zu werden. Die Medikamentenzusammenstellung in der Perfusor- bzw. Applikationsspritze (50 ml) wird hierbei mit zwei Ampullen 14,9 %igem Kaliumchlorid (20 ml, Braun, Melzungen, Deutschland) und einer Ampulle Magnesium Verla i. v. 50 % (10 ml, Verla-Pharm Arzneimittel GmbH & Co KG, Tutzing, Deutschland) aufgezogen. Gemäß der Standard Operating Procedure (SOP) für die Kardioplegie-Gabe in Erlangen ist eine Applikationsdauer von zwei Minuten vorgesehen. Das Verhältnis von Blut zu „Kardioplegie-Lösung” beträgt initial 63:1 für zwei Minuten (25 mmol/lK mit 11 mmol/lMg), erste Wiederholungsdosis 83:1 (20 mmol/lK; 8,5 mmol/lMg) und gegebenenfalls eine weitere Erhaltungsdosis alle 20 Minuten im Verhältnis 120:1 (15 mmol/lK; 6 mmol/lMg), für ebenfalls jeweils zwei Minuten. Hier ist die Aufmerksamkeit der:des Perfusionist:innen gefragt, da eine intermittierende manuelle Anpassung des Perfusors an den tatsächlichen Blutfluss der Kardioplegiepumpe vorgenommen werden muss, um die gewünschten Konzentrationen zu gewährleisten [12].

Histidin-Tryptophan-Ketoglutarat (HTK)

Die Myokardprotektion mittels HTK ist umgangssprachlich auch als Bretschneider-Kardioplegie bekannt und wird unter dem Markennamen Custodiol (Dr. Köhler Chemie GmbH, Bensheim, Deutschland) vertrieben. Die gepufferte kristalloide HTK-Lösung ist natrium- und kalziumkonzentrationsarm, sowie kaliumreich. Durch die Applikation wird das extrazelluläre Konzentrationsniveau von Na+ auf die intrazelluläre Natriumkonzentration gesenkt. Eine Veränderung der Natrium-Kalium-Pumpe bedingt, dass das Aktionspotenzial der Myokardzelle geblockt wird [5]. Das Magnesium und die Aminosäure Tryptophan in der Lösung dienen ausschließlich der Membranstabilisierung. Des Weiteren wurde Ketoglutarat der kristalloiden Lösung hinzugefügt, was den Energiestoffwechsel bei der ATP-Produktion in der Myokardzelle unterstützt [9].

Die Substanz Histidin wirkt als Pufferlösung und optimiert die zelluläre Integrität während des anaeroben Glykolyseprozesses und übernimmt die Rolle von Antioxydanzien. Mannitol wurde der kristalloiden Bretschneider-Lösung ausschließlich zur Adenosintriphosphat-Generierung (ATP) nach Eröffnung der Aorta beigefügt, zur verbesserten Erholung des Myokards in der Ischämie-Reperfusionsphase [13]. Die Applikationsart und -technik ist in einer krankenhausspezifischen SOP festgelegt. Die initiale Gabe bei Kindern liegt in Erlangen bei 6 Minuten und eine mögliche Reapplikation bei 90 Minuten, in der 15 ml/kg/KG mittels Kardioplegiepumpe antegrad nachgegeben werden. Die Kinder wurden alle bi-caval kanüliert und die HTK-Lösung bestmöglich, nach Herstellervorgabe, im Coronarsinus abgesaugt [14].

Abb. 3: Schematische Darstellung der fünf Auswertungszeitpunkte

Analysezeitpunkte und Werteermittlung

Es wurden fünf verschiedene Auswertungszeitpunkte für die Analyse definiert (Abb. 3). Der erste Zeitpunkt (T1) – prä-OP – umfasste die Anamnese mit dem RACHS-Score als Komplexitätsmarker und die OP-Indikation. Die Daten der EKZ und die Daten der Anästhesie waren definiert zum Zeitpunkt (T2). Hier fallen alle Dokumentationen, welche intraoperativ von Chirurg:innen, Perfusionist:innen und Anästhesie festgehalten wurden, hinein. Als dritter Zeitpunkt (T3) wurde die Aufnahme auf der Intensivstation definiert. Ab Beendigung der Operation und Aufnahme auf der Intensivstation, wurden alle Daten dem dritten Auswertungszeitpunkt zugeordnet. Über das Programm Integrated Care Manager (ICM) und das Abfragetool Swisslab (Nexus AG, Donaueschingen, Deutschland) konnten alle Veränderungen jedes einzelnen Parameters bis zur ersten Morgenvisite post-OP-Tag bis 10 Uhr (T4) eingesehen und dokumentiert werden. Als Zeitpunkt (T5) wurde der weitere Verlauf der Behandlung und deren Ergebnisse zusammengefasst. Dazu zählen unter anderem die Dauer der Beatmung und der Aufenthalt auf der Intensivstation, der Einsatz einer Extrakorporalen Membran Oxygenierung (ECMO), die 30-Tage-Mortalität, die Herzenzyme CK, CKMB, Troponin und die verabreichten Katecholamine, welche in einem Vasoactive Inotrope-Score (VIS) zusammengefasst und mit nachfolgender Formel berechnet wurden [15]:

VIS =

(100*([Wert Perf. Epinephrin] *0.1)) +

(100*([Wert Perf. Noradrenalin] *0.1)) +

( [Wert Perf. Dobutamin] *5) +

(10*([Wert Perf. Milrinon] *0.75))

Die für die Analyse wichtigen Patientendaten konnten durch die internen Krankenhausdokumentationssysteme abgerufen werden. Die präoperativen Merkmale wurden aus dem Laborinformationssystem LAURIS (Nexus AG, Donaueschingen, Deutschland) erhoben. Intraoperative Daten, die während der Operation von Anästhesie, Operateur und Perfusionist dokumentiert wurden, konnten aus der elektronischen Patientenakte aus dem Prozessmanagementsystem Soarian (Cerner Cooperation, North Kansas City, Missouri, USA) extrahiert werden. Zusätzlich wurden mit dem Krankenhausprogramm QIMS (Terraconnect Healthcare, Nottuln, Deutschland) alle Daten abgerufen, die darüber hinaus relevant waren. Mithilfe einer Excelliste wurden alle für die Auswertung relevanten Daten zusammengestellt und für die statistischen Tests sortiert.

Operationsablauf

Anästhesie

Nach präoperativer Sedierung mittels Midazolam und Esketamin wurde eine Anästhesie mit Fentanyl und Propofol eingeleitet. Nach der Muskelentspannung (Relaxation) mit Vecuronium wurde eine nasal-tracheale Intubation durchgeführt und mit der maschinellen Beatmung begonnen. Anschließend wurde durch die perkutane Punktion der Vena jugularis ein zentraler venöser Zugang in die obere Hohlvene eingeführt. Zur Überwachung des arteriellen Blutdrucks (MAD) wurde in die rechte Armarterie punktiert.

Extrakorporale Zirkulation

Die EKZ wurde an einer speziellen Neo-HLM auf Basis der S5 (LivaNova; Deutschland) mit dem Oxygenator D100 (Liva- Nova, Deutschland) bzw. FX05 (Terumo Deutschland, GmbH, Eschborn) Komplettset durchgeführt. Das EKZ-Set wurde standardisiert mit 500 ml Jonosteril und 5000 I.E. Heparin gefüllt und entlüftet. Das überschüssige Vollelektrolytgemisch wurde in den Abfallbeutel abgelassen und anschließend mit 5 ml Natriumbicarbonat 8,4 % und 250 mg Vitamin C als Radikalfänger ergänzt. Würde der Hämoglobinwert (Hb) nach Beginn der EKZ rechnerisch unter die Transfusions-Triggerschwelle von 8,5 g/dl fallen, würde ein Teil des Primings bei Bedarf durch zusätzlich gelagertes Erythrozytenkonzentrat (EK) ersetzt werden.

Die Körperoberfläche (BSA) der Patient:innen wurde nach DuBoit berechnet. Für die Berechnung des EKZ-Flusses wurde die BSA mit einem Herzindex von 3 (bis 5 kg/KG) bzw. 2,8 l/min/m²/BSA (5,1–12 kg/KG) multipliziert. Um eine optimale Perfusion der Endorgane zu erreichen, wurde vor Beginn der EKZ bis mindestens zum Ende der modifizierten Ultrafiltration (MUF) Nitroprussid-Natrium 0,5–1,5 μg/kg/KG/min verabreicht. Nahinfrarotspektroskopie-Sensoren (NIRS) wurden standardgemäß auf der rechten Seite des Kopfes sowie bei komplexen Eingriffen zusätzlich an der linken Kopfhälfte und der linken Niere angebracht, um die Kapillarüberwachung während der EKZ zu ermöglichen. Eine Besonderheit im Erlanger EKZ-Management ist die Anwendung der MUF bzw. MUF-Deluxe post-EKZ [16,17]. In Abhängigkeit von der intraoperativen Situation erfolgt ein intermittierender Einsatz einer konventionellen Ultrafiltration (KUF).

Statistische Auswertung

Die statistische Analyse wurde mit R 4.3.3 durchgeführt. Die demografischen und intraoperativen Daten wurden mittels 1-facher ANOVA (Welch 1-fache ANOVA, Kruskal-Wallis-Test) oder exaktem Test nach Fisher analysiert, gefolgt von entsprechenden Post-hoc-Tests (paarweise Welch t-, Wilcoxon- Mann-Whitney- oder exakte Tests nach Fisher), wenn ein signifikanter Unterschied festgestellt wurde. Die Laborparameter wurden mittels multipler linearer Regression unter Berücksichtigung des RACHS-Scores und der Ischämiezeit analysiert, gefolgt von Post-hoc-Tests mit dem R-Paket emmeans [18], wenn signifikante Unterschiede zwischen den Myokardschutzverfahren festgestellt wurden. Die Laborparameter Troponin, CK, CKMB und VIS-Score zum Zeitpunkt T3 und T4 sowie die Beatmungszeit und die Dauer der Intensivbehandlung wurden log10-transformiert, wodurch die Varianzen stabilisiert und die Verteilungen normalisiert wurden. Die Notwendigkeit einer ECMO und die 30-Tage-Mortalität wurden mittels multipler logistischer Regression analysiert. In allen Fällen wurden diagnostische Plots zur Überprüfung der Verteilungsannahmen (qq-plots) und anderer Modellannahmen (Residualplots) mit Hilfe der R-Pakete qqplotr [19] und performance [20] verwendet. Alle Tests waren zweiseitig und das Signifikanzniveau wurde auf p < 0,05 festgelegt. Die p-Werte der Post-hoc-Tests wurden mit der Methode von Holm [20,21] um Mehrfachtests bereinigt. Die 95 %-Konfidenzintervalle (CI95) wurden nicht angepasst.

Abb. 4: Ergebnisdarstellung des Kardioplegievergleichs Mikroplegie versus
kristalloide Kardioplegie für die Parameter Alter [Tage], Gewicht [kg], RACHS-Score, tiefste Temperatur [°C] in der BoxPlot Darstellung
Abb. 5: Ergebnisdarstellung des Kardioplegievergleich Mikroplegie versus
kristalloide Kardioplegie für den Parameter Ischämiezeit [min] in der Box-
Plot-Darstellung

Ergebnisse

In die Studie konnten 889 Säuglinge (Mikroplegie n = 556 vs. HTK n = 333) eingeschlossen werden. In Tabelle 1 wurden die Art der Herzfehler, nach der jeweiligen Kardioplegiewahl der Herzchirurgen sortiert, dargestellt.

Eine detaillierte Analyse des Altersvergleichs zeigt, dass das Patientenkollektiv der Mikroplegie-Gruppe im Durchschnitt mit 148 vs. 140 Tage signifikant älter war. Ebenso waren die Patient:innen der Mikroplegie-Gruppe signifikant schwerer 5,6 vs. 5,2 kg. Beim RACHS-Score zeigen beide Gruppen im Median 3, jedoch weisen die Patient:innen der Mikroplegie-Gruppe im Kollektiv signifikant einfachere Herzfehler auf. Zudem wurden die Säuglinge in der Mikroplegie-Gruppe signifikant wärmer mit 28,2 °C vs. 27,6 °C an der EKZ perfundiert (Abb. 4). Signifikant kürzere Ischämiezeiten waren in der Mikroplegie-Gruppe mit 74 vs. 98 Minuten dokumentiert (Abb. 5).

Die Analyse ergab ein signifikant geringeres postoperatives Herzenzym Troponin in der Mikroplegie-Gruppe: (T3: 19,2 ng/ ml (CI95 17,9;20,4) vs. 25,4 ng/ml (CI95 23,4;27,4), p<0,001). Troponin 24 h-post-OP in der Mikroplegie-Gruppe war ebenfalls signifikant geringer (T4: 7,4 ng/ml (CI95 6,9; 7,8), vs. 9,3 ng/ml (CI95 8,6;10,0), p < 0,001) (Abb. 6).

Abb. 6: Ergebnisdarstellung des Kardioplegievergleichs Mikroplegie versus kristalloide Kardioplegie für das Herzenzym Troponin [ng/ml], direkt nach der Operation (T3) und am ersten postoperativen Tag (T4)

Bezogen auf die Parameter CK und CKMB zeigten sich signifikante Unterschiede zum Zeitpunkt T3, die zum Zeitpunkt T4 nicht mehr nachweisbar waren. Keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen konnten bezogen auf den Katecholaminbedarf (VIS, VIS24) festgestellt werden (Tab. 2).

Im Hinblick auf die Beatmungszeit zeigte sich die Mikroplegie-Gruppe mit 29 h vs. 36 h (p = 0,067), wie auch bei den ECMO-Einsätzen mit 8,4 % vs. 6,9 % (p = 0,29) und der 30-Tage-Mortalität mit 4,7 % vs. 3,3 % (p = 0,54) mit der HTK-Gruppe vergleichbar (Tab. 3).

Diskussion

Zahlreiche vergleichbare Studien zu Myokardlösungen und deren Applikationstechniken wurden untersucht [8, 22–26]. In vergleichenden Studien zur Kardioplegie bei anderen Patientenkohorten konnte ebenfalls ein verbesserter Myokardschutz durch die Verwendung von Blutkardioplegie nach Beendigung der EKZ nachgewiesen werden. Die Verwendung von Blut als Trägerlösung für die Kardioplegie scheint Vorteile für den Myokardschutz zu bieten. Dies ist auf eine verbesserte Oxygenierung, einen optimalen onkotischen Druck sowie die Aufrechterhaltung des pH-Wertes zurückzuführen [27]. In einer Studie von Amark et al. wurden 30 Fälle mit atrioventrikulärem Septumdefekt (AVSD) untersucht, um die Wirksamkeit kalter St. Thomas-Kardioplegie und kaltem Blut mit St. Thomas plus K (4:1) bezogen auf den Myokardschutz zu vergleichen. Die Ergebnisse der Studie von Amark et al. zeigten, dass die blutbasierte Kardioplegie zu einer signifikant niedrigeren Laktatkonzentration im Koronarsinus und einer 20 % besseren linksventrikulären Herzfunktion führte, trotz vergleichbarer Ischämiezeit [28].

Ein Vergleich zwischen Mg++K+-Mikroplegie und klassischer Buckberg-Kardioplegie während einer koronaren Bypass-Operation ergab signifikant niedrigere CKMB-Werte sowie eine verbesserte postoperative Kontraktilität in der Mg++K+-Mikroplegie-Gruppe [50]. Die gleiche Forschungsgruppe konnte diese Ergebnisse bei der Behandlung von hypertrophierten Herzen reproduzieren, was darauf hindeutet, dass die Myokardprotektion mit Mikroplegie wirksamer ist als die Buckberg-Blutkardioplegie [29].

Die Kardioplegie als aktuelles Standardverfahren für Myokardprotektion kann das Auftreten hämodynamischer Probleme nicht vollständig verhindern. Daher stellt sich immer wieder die Frage, ob die Kardioplegielösung oder die Art der Applikation hierfür als Ursache herangezogen werden muss. Buckberg et al. postulierte es so, dass der Myokardschutz eher eine „Strategie“ als eine „magische Lösung“ sei, die jeder einfach ohne Hintergrundwissen anwenden kann [25]. Die Funktion des rechten und linken Ventrikels, insbesondere die Bewegung des Septums und die Freisetzung kardialer Enzyme sollte routinemäßig innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation überprüft werden, was die aktuelle Guideline der CPB in der adulten Herzchirurgie mit dem Level 1C belegt hat [8].

In einer aktuellen Studie von Mohammed et al. wurde eine Untersuchung an 104 Neugeborenen mit Arterieller Switch Operation (ASO) durchgeführt (Durchschnittsalter 17 Tage). Dabei erhielten 70 Patient:innen eine modifizierte St. Thomas-Blutkardioplegie (80 % Blut und 20 % Kristalloid) und 34 Patient:innen eine kristalloide Kardioplegie mit 20 % Blut nach Del Nido. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass der VIS-Score in den ersten 24 Stunden nach der Del Nido-Kardioplegie signifikant niedriger war. Zudem waren die Ischämie- und EKZ-Dauer signifikant kürzer. Das Ergebnis zwischen den Gruppen war jedoch vergleichbar [35].

Das Ziel dieser vorliegenden retrospektiven Studie war es herauszufinden, ob die neuartige modifizierte pädiatrische Mikroplegie nach dem Vorbild von Calafiore et al. [12, 36] eine Alternative zur kristalloiden Kardioplegie nach Bretschneider in unserem Hause darstellt. Für diese Studie wurden die Daten von 889 Patient:innen eingeschlossen und ausgewertet. 556 Patient:innen erhielten die neue pädiatrische Mikroplegie und 333 Patient:innen eine kristalloide Kardioplegie nach Bretschneider. Es wurden keine Ausschlusskriterien definiert, so dass es sich um eine Untersuchung aller in Erlangen operierten kindlichen Herzfehler bis max. 12 kg/KG handelt, in denen eine der beiden beschriebenen Kardioplegien nach Vorgabe des jeweiligen Herzchirurgen Anwendung fand.

Tab 1: Übersicht der einzelnen Herzfehler mit jeweiligem Kardioplegietyp
Tab. 3: Die Outcomedarstellung (Beobachtungszeitraum T5) wurde durch multiple lineare Regression mit Adjustierung auf die beiden Kardioplegielösungen ermittelt

Es zeigte sich in der detaillierten Analyse, dass die Patient:innen in der Mikroplegie-Gruppe im Durchschnitt 8 Tage älter und damit auch 0,4 kg schwerer waren als in der Gruppe mit kristalloider Kardioplegie, was auf die Myokardprotektion nach unserer Erfahrung keinen Einfluss haben sollte. Bezogen auf das Krankheitsbild zeigte der RACHS-Score signifikante Unterschiede bei gleichem Median im untersuchten Gesamtkollektiv auf. Legt man hier die Bewertung des RACHS-Scores von Ziemer et al. an, zeigt sich eventuell, dass die Einordnung des Alters viel höher eingestuft werden sollte und damit im vorliegenden Vergleich als irrelevanter Unterschied zu sehen ist [30]. Allerdings wurden die Säuglinge der Mikroplegie-Gruppe signifikant wärmer perfundiert, was sich mit einer verbesserten Kontraktilität auswirken kann [37–39]. Dies wurde in der vorliegenden Arbeit zwar nicht untersucht, könnte aber einen weiteren positiven Effekt der Mikroplegie darstellen. Die topische Kühlung, wie es bei der kristalloiden Bretschneider-Kardioplegie der Fall ist, scheint keine Vorteile zu bringen [38,40,41].

Ein Vorteil für die Patient:innen aus der Mikroplegie-Gruppe ist sicher die signifikant kürzere Ischämiezeit, da die Dauer der Ischämiezeit während einer Herz-OP einen signifikanten Einfluss auf den postoperativen VIS-Score, die Beatmungszeit und den Intensivaufenthalt haben kann, dies gilt auch immer unabhängig von der verwendeten Kardioplegie [22].

Bezogen auf die Herzenzyme zeigte sich in der vorliegenden Studie, dass sowohl direkt postoperativ als auch nach 24 h das Herzenzym Troponin, das als Goldstandard für die Beurteilung eines Ischämieschadens definiert ist [31,32], in der Mikroplegie-Gruppe signifikant geringer ausgeprägt war. Dieses Ergebnis mit niedrigerem Troponin nach der Mikroplegie-Anwendung konnte sowohl in der eigenen Arbeitsgruppe, als auch durch Bojan et al. bei deren Analyse bei Säuglingen, die sich einer arteriellen Switch-Operationen unterzogen haben, direkt postoperativ festgestellt werden [22,42].

Bezogen auf die Parameter CK und CKMB zeigten sich postoperativ signifikante Unterschiede, die am ersten postoperativen Tag nicht mehr nachweisbar waren. Bezogen auf CKMB konnte dies von Owen et al. bei der Anwendung der Mikroplegie ebenfalls berichtet werden. Allerdings zeigte sich dies auch bezogen auf die verwendeten Mengen an Katecholaminen, was wir zu keinem Zeitpunkt in der vorliegenden Auswertung sehen konnten [43].

Positive Auswirkungen auf das Outcome mit geringerer Beatmungszeit, weniger ECMO-Einsätzen und verringerter 30-Tage-Mortalität konnten im Gruppenvergleich nicht festgestellt werden.

Perspektiven der Mikroplegie auf das EKZ-System

Die Blutkardioplegie auf der Grundlage der Mikroplegie bzw. der Mini-Kardioplegie bietet im Allgemeinen mehrere Vorteile. Zu den Vorteilen zählen eine geringere intraoperative Hämodilution, die Wiederherstellung des spontanen Herzrhythmus nach dem Lösen der Klemme, niedrigere postoperative CKMB-Werte sowie ein geringerer Katecholaminbedarf. Diese Ergebnisse können über die Meta-Analyse von Owen et al. bestätigt werden [43].

Die vorliegende Studie bestätigt die sichere Anwendung einer an das Myokard angepassten Mikroplegie bei Neugeborenen und Säuglingen. Aufgrund der Neuartigkeit dieser konzentrationsabhängigen pädiatrischen Mikroplegie ist es derzeit jedoch noch nicht möglich, verlässliche Aussagen über die Langzeitwirkungen in dieser Kohorte zu treffen. Die Ergebnisse der Untersuchung deuten darauf hin, dass die angewandte Mikroplegie einen verbesserten Myokardschutz sowie eine reduzierte Hämodilution ermöglicht. Dies sind Faktoren, die besonders bei der Perfusion von Säuglingen und Kleinkindern von entscheidender Bedeutung sind.

Lösungen auf Kristalloidbasis, wie beispielsweise Custodiol oder Del Nido, sind dafür bekannt, dass sie eine signifikante Hämodilution verursachen. Selbst die sehr erfolgreiche Buckberg-Blutkardioplegie weist einen Kristalloidanteil von 20 % auf und erfordert ein komplexeres EKZ-Anwendungssetup [23] im Vergleich zur vorliegenden Studie mit pädiatrischer Mikroplegie [12]. Des Weiteren kann die Anwendung von Custodiol zu einer nicht zu unterschätzenden perioperativen Kardioplegie-assoziierten Hyponatriämie führen. Dieses könnte bei hospitalisierten Patient:innen zu Hirnödemen führen [44,45]. Um dem Risiko entgegenzuwirken, wurde in der vorliegenden Studie die Custodiol-Kardioplegie konsequent aus dem koronarvenösen Sinus aspiriert.

Die Anwendung der pädiatrischen Mikroplegie bei komplexen Herzfehlern wie der ASO führte in einer aktuellen Studie zu einer signifikant geringeren Hämodilution (im Durchschnitt lediglich 8 ml) im Vergleich zur Anwendung von Custodiol (durchschnittlich 340 ml, mit einer Spanne von 217–500 ml). Diese Ergebnisse legen nahe, dass die pädiatrische Mikroplegie eine vielversprechende und effektivere Alternative zur Minimierung der mit der Kardioplegie assoziierten Hämodilution bei pädiatrischen Patient:innen darstellen könnte. Es ist jedoch anzumerken, dass trotz der überwiegenden Absaugung der Custodiol-Lösung in den Koronarsinus ein Teil der Lösung sowie einige Erythrozyten in die EKZ gelangen können, die im Aspirator verloren gehen [22].

Günday et al. konnten den Nachweis erbringen, dass durch Blutkardioplegie ein geringer Blutverlust und damit verbunden weniger Fremdblutverbrauch bei signifikant erniedrigter intraoperativer Hämodilution mit einhergeht [46]. Die EACTS/ EACTA-Leitlinie zu Patientenblutmanagement erkennt den perioperativen Transfusionsbedarf mit dem Empfehlungslevel IB sowie die Begrenzung der Hämodilution an der EKZ als ausschlaggebende Strategie zur Beeinflussung der Gerinnung mit verringerter Blutung an [47]. Diese Empfehlungen beruhen auf der Perfusion erwachsener Patient:innen und haben in der Säuglings- und Kinderperfusion durch das hier ungünstige Verhältnis von Patient:innen zu EKZ-System einen ungleich höheren Stellenwert [48,49].

Daher ist es bei der Verwendung von Custodiol von essenzieller Bedeutung, die Kardioplegielösung konsequent aus dem Koronarsinus abzusagen. Nach Bojan et al. wurde das Absaugen aus dem Koronarsinus von Custodiol unterlassen, was in der kristalloiden Gruppe zu einer signifikant höheren Hämodilution, Hämofiltration und Hyponatriämie führte (Median 129 mmol/l im Vergleich zu 135 mmol/l) [42].

Limitationen

Die vorliegende Arbeit basiert auf einer retrospektiven Analyse, bei der individuelle Unterschiede in den Fähigkeiten, den Operationstechniken und den Ausbildungsstandards der beteiligten medizinischen Fachkräfte innerhalb des siebenjährigen Untersuchungszeitraums berücksichtigt werden müssen. Solche Variablen können potenziell Auswirkungen auf die Behandlungsergebnisse der Patient:innen haben.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Tatsache, dass das Studiendesign keine Subgruppenanalysen umfasst, wodurch die Ergebnisse in Bezug auf die Behandlung einzelner Herzfehler nur eingeschränkt aussagekräftig sind. Zudem ist zu erwähnen, dass die Auswertung lediglich eine Differenzierung der Kardioplegieformen berücksichtigt, während die verabreichten Mengen der Kardioplegie in der Analyse nicht berücksichtigt wurden. Diese Einschränkung führt zu einer begrenzten Tiefe der Ergebnisse und einer möglicherweise unvollständigen Darstellung der Behandlungseffekte.

Darüber hinaus wurde der Zeitpunkt T4 in der Auswertung nicht exakt 24 Stunden nach dem Operationstag festgelegt, sondern auf den ersten post-OP-Tag bis 10 Uhr morgens vereinheitlicht. Diese Vorgehensweise wurde aus praktischen Erwägungen gewählt, da ein erheblicher Anteil der Patient:innen bereits vor Ablauf der vollen 24 Stunden nach der Operation auf die kinderärztliche Normalstation verlegt wurde und keine weiteren Laboranalysen vorgenommen wurden. Diese pragmatische Anpassung kann zu einer gewissen Variabilität in der Zeitmessung und möglicherweise zu einer Einschränkung der Vergleichbarkeit führen.

Zusammenfassend sollten zukünftige Studien darauf abzielen, die genannten Limitationen zu adressieren, um eine differenziertere und genauere Bewertung der Kardioplegieansätze und ihrer Auswirkungen auf die Behandlungsergebnisse zu ermöglichen.

Schlussfolgerung

Die dem Fachartikel zugrunde liegende Bachelorarbeit hat untersucht, ob eine Modifikation des Kardioplegie-Regimes zu einer verbesserten Myokarderholung führt. Sowohl die Kardioplegie nach Bretschneider als auch die pädiatrische Mikroplegie, die nach dem Vorbild von Calafiore entwickelt wurde, haben sich als effektive und sichere Verfahren zur Myokardprotektion erwiesen. Die Analyse der Daten zeigt, dass signifikante Unterschiede zwischen den beiden Kardioplegieformen hauptsächlich in den intraoperativen Daten auftreten. In der postoperativen Phase hingegen konnten nur vereinzelt Unterschiede festgestellt werden, was darauf hindeutet, dass sich die beiden Verfahren im Outcome nicht wesentlich unterscheiden.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Faktoren wie der Schweregrad der Herzkrankheit und die Dauer der Ischämie einen erheblichen Einfluss auf das Outcome der Patient:innen haben. Hierzu zählen insbesondere Aspekte wie die Dauer der Beatmung, der Einsatz der ECMO und die Dauer des Krankenhaus- sowie Intensivaufenthalts. Diese Faktoren sollten bei der Beurteilung des Behandlungserfolgs stärkere Berücksichtigung finden.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass beide Kardioplegievarianten weiterhin als Standardverfahren in der Klinik eingesetzt werden können. Weitere Studien, die Subgruppenanalysen einbeziehen und verschiedene Einflussfaktoren detaillierter untersuchen, könnten dazu beitragen, ein noch differenzierteres Bild der Myokardprotektion bei Säuglingen zu erhalten.

Interessenkonflikte

Die Autor:innen geben an, dass kein Interessenkonflikt vorliegt.

Danksagung

Ein besonderer Dank gilt meinem Betreuer und Mentor Dr. Frank Münch für die wertvollen fachlichen und konstruktiven Rückmeldungen und die engagierte Betreuung während des Bearbeitungszeitraumes. Des Weiteren möchte ich mich bei den Kolleginnen und Kollegen der Kinderherzchirurgischen Abteilung sowie der Hochschule Furtwangen bedanken, die sich während der gesamten Zeit für die Beantwortung meiner Fragen eingesetzt und mir jederzeit mit Offenheit und Ehrlichkeit begegnet sind. Meinen herzlichen Dank gilt meiner Familie und Freunden, die mich immer unterstützen und motivieren. Die Erstellung der vorliegenden Arbeit wurde durch das Josef-Güttler-Stipendium der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik e.V. gefördert.

K Korrespondenz

Hanna Sauer B.Sc. Universitätsklinikum Erlangen Herzchirurgische Klinik Funktionsbereich Perfusiologie und Technische Medizin Krankenhausstraße 12 91054 Erlangen E-Mail: sauer.hanna@gmx.net

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Editorial

Editorial 1-26

Publiziert 08.03.2026
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Editorial im Flipbook

1 Volltext

Wissenschaft, Künstliche Intelligenz und die Perfusiologie

Lars Saemann, PhD

Universitätsklinik und Poliklinik für Herzchirurgie, Universitätsklinikum Halle

Ernst-Grube-Straße 40, 06120 Halle (Saale)

Telefon: +49 345 557 7655

E-Mail: Lars.saemann@uk-halle.de

 Lars Saemann: 0000-0003-1516-3286

Liebe Kolleg:innen,

die Wissenschaft nimmt in der Perfusiologie sowohl in der Bedeutung als Fach als auch in diesem gleichnamigen Journal eine zentrale Rolle ein. Mit Erfolg hat Dr. Johannes Gehron dieses Journal über viele Jahre als Editor-in-Chief maßgeblich begleitet und damit einen wichtigen Beitrag für die Wissenschaft innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Perfusiologie und Technische Medizin (DGPTM) geleistet. Ein Dienst, für den ihm die Fachgesellschaft in hohem Maße dankt. Nun liegt es bei mir, diese Verantwortung im Rahmen der Position als neuer Editor-in-Chief der Zeitschrift Die Perfusiologie zu übernehmen und ich bedanke mich für das mir entgegengebrachte Vertrauen.

In dieser Ausgabe erscheint die zweite Episode zur Vorstellung und Einordnung der europäischen Guideline zur Anwendung des kardiopulmonalen Bypasses 2024, geschrieben von einem Team um Dr. A. Bauer. Weiterhin beschäftigt sich ein Team um J. Turra, bestehend aus Autoren mehrerer deutscher Zentren, mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bei einem essenziellen Teil der Wissenschaft, dem Schreiben wissenschaftlicher Fachartikel. Der Einsatz von KI und maschinellem Lernen (ML) nimmt in der Forschung immer weiter zu und wird in einigen Fällen in Forschungsförderungsausschreibungen sogar explizit gefordert. KI und ML werden verschiedene Vorteile wie Effizienzsteigerung [1] und verbesserte Entscheidungsfindung, auch bei klinischen Fragestellungen, zugeschrieben [2]. Weiterhin soll es die „Human-Machine-Interaction“ verbessern können und bei der Auswertung großer Datenmengen und der Auswahl kritischer Variablen helfen [3]. Beide Aspekte sind für das Fach Perfusiologie, in der Perfusionist:innen kontinuierlich mit hochspezialisierten medizinischen Geräten die Zirkulation des Körpers oder von einzelnen Organen in vivo oder ex situ aufrechterhalten oder unterstützen, besonders relevant. Als passendes Beispiel beschäftigt sich ein weiterer Fachartikel dieser Ausgabe, von einem Team um E. Gamon, mit dem Einsatz der CARL-Technologie (Controlled Automated Reperfusion of the WhoLe Body) bei einem langen gefäßchirurgischen Eingriff.

Neben Vorteilen ist KI aktuell aber auch mit bestimmten Nachteilen assoziiert, wie beispielsweise der Darstellung inkorrekter Informationen, auch bekannt als „Halluzination“, die vor allem in gesundheitsrelevanter bzw. medizinischer Forschung ein Problem darstellen kann [4,5]. Folglich müssen Forschungsergebnisse weiterhin von „Human-Vertretern“ der Wissenschaft kritisch überprüft werden. Eine Herausforderung, die insbesondere die Perfusiologie betrifft, die stets mit der Erzeugung großer Mengen an Perfusionsdaten verbunden ist, die sich mit der Anwendung von KI auswerten und analysieren ließen.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen der Artikel und kritischen Hinterfragen der Forschungsergebnisse,

Ihr Lars Saemann

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Das Fachwissensquiz Mai ’26 ist online!

Das Fachwissensquiz von Mai ’26 zum Thema „Fragen aus der klinischen Routine (Teil 1)“ ist online!

Jeden ersten Montag im Monat bietet dir die DGPTM die Gelegenheit, dein Fachwissen auf den Prüfstand zu stellen und aufzufrischen.

Für jedes absolvierte Quiz erhältst du einen halben Punkt zur EBCP-Akkreditierung. Mit regelmäßiger Teilnahme kannst du so bis zu sechs Punkte im Jahr erreichen. Achtung: Hierfür musst Du eingeloggt sein! Den Fortbildungsnachweis findest Du im Mitgliederbereich.

Das DGPTM-Fachquiz ist mehr als nur ein Wissenstest – es ist deine spannende Chance zur Fortbildung.

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Das Fachwissensquiz April ’26 ist online!

Das Fachwissensquiz von April ’26 zum Thema „Left Ventricular Assist Device Teil II“ ist online!

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Viel Freude beim Rätseln!

Das Fachwissensquiz März ’26 ist online!

Das Fachwissensquiz von März ’26 zum Thema „Left Ventricular Assist Device Teil I (Teil 1)“ ist online!

Jeden ersten Montag im Monat bietet dir die DGPTM die Gelegenheit, dein Fachwissen auf den Prüfstand zu stellen und aufzufrischen.

Für jedes absolvierte Quiz erhältst du einen halben Punkt zur EBCP-Akkreditierung. Mit regelmäßiger Teilnahme kannst du so bis zu sechs Punkte im Jahr erreichen. Achtung: Hierfür musst Du eingeloggt sein! Den Fortbildungsnachweis findest Du im Mitgliederbereich.

Das DGPTM-Fachquiz ist mehr als nur ein Wissenstest – es ist deine spannende Chance zur Fortbildung.

Viel Freude beim Rätseln!

Das Fachwissensquiz Februar ’26 ist online!

Das Fachwissensquiz von Februar ’26 zum Thema „Künstliche Intelligenz in der Perfusiologie (Teil 2)“ ist online!

Jeden ersten Montag im Monat bietet dir die DGPTM die Gelegenheit, dein Fachwissen auf den Prüfstand zu stellen und aufzufrischen.

Für jedes absolvierte Quiz erhältst du einen halben Punkt zur EBCP-Akkreditierung. Mit regelmäßiger Teilnahme kannst du so bis zu sechs Punkte im Jahr erreichen. Achtung: Hierfür musst Du eingeloggt sein! Den Fortbildungsnachweis findest Du im Mitgliederbereich.

Das DGPTM-Fachquiz ist mehr als nur ein Wissenstest – es ist deine spannende Chance zur Fortbildung.

Viel Freude beim Rätseln!

Das Fachwissensquiz Januar ’26 ist online!

Das Fachwissensquiz von Januar ’26 zum Thema „Künstliche Intelligenz in der Perfusiologie (Teil 1)“ ist online!

Jeden ersten Montag im Monat bietet dir die DGPTM die Gelegenheit, dein Fachwissen auf den Prüfstand zu stellen und aufzufrischen.

Für jedes absolvierte Quiz erhältst du einen halben Punkt zur EBCP-Akkreditierung. Mit regelmäßiger Teilnahme kannst du so bis zu sechs Punkte im Jahr erreichen. Achtung: Hierfür musst Du eingeloggt sein! Den Fortbildungsnachweis findest Du im Mitgliederbereich.

Das DGPTM-Fachquiz ist mehr als nur ein Wissenstest – es ist deine spannende Chance zur Fortbildung.

Viel Freude beim Rätseln!

Bitte im Mitgliederbereich einloggen – es gibt Neuigkeiten für euch

Daten aktualisieren

Im geschützten Mitgliederbereich könnt ihr ab sofort eure persönlichen Angaben prüfen und aktualisieren. Bitte schaut nach, ob Adresse, E-Mail und weitere Kontaktdaten noch stimmen und ergänzt bei Bedarf eure akademischen Titel, damit wir euch künftig korrekt ansprechen können.

Gehaltsumfrage

Außerdem läuft weiterhin unsere Gehaltsumfrage. Eure Teilnahme hilft, ein realistisches Bild der beruflichen Situation in unserer Berufsgruppe zu zeichnen und Argumentationsgrundlagen gegenüber Kliniken, Politik und Öffentlichkeit zu stärken. Die Umfrage ist anonym und in sehr kurzer Zeit erledigt.

EFN-Barcodes herunterladen

Auf Wunsch könnt ihr euch im Mitgliederbereich auch eure persönlichen EFN-Barcodes anzeigen lassen und ausdrucken. So habt ihr sie für Fortbildungen und Zertifikate jederzeit griffbereit.

Wir freuen uns, wenn ihr euch kurz einloggt, eure Daten auf den neuesten Stand bringt und die Angebote im Mitgliederbereich nutzt.

Preisträger Jahrestagung 2025 und Jubilare der DGPTM

Herzlichen Glückwunsch an die Jubilare der DGPTM und an alle, die einen Preis erhalten haben. Ein ebenfalls großer Dank richtet sich an die Sponsoren der Preise.

Eine Übersicht zu den Abstracts der prämierten Arbeiten befindet sich am Ende des Artikels.

 

Tagungspreis 2025 der DGPTM (Sponsor: free life medical GmbH)

Preisträger: Nicola Kwapil, Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Nicola Kwapil, Rigobert Schnur (von free life) und PD Dr. Alexander Horke

 

DGTHG-Preis Fokustagung Herz 2025 (Sponsor: Dr. Franz Köhler Chemie GmbH)

Preisträgerin: Dr. Claudia Arenz, Universitätsklinikum Bonn

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Dr. Claudia Arenz, PD Dr. Alexander Horke und Dr. Stefan Fritz (von Köhler Chemie)

 

Nachwuchsförderpreis der Jungen Foren (Sponsor: Dr. Franz Köhler Chemie GmbH)

Preisträgerin: Gloria Nulchis, Universitätsklinikum Tübingen

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Gloria Nulchis, PD Dr. Alexander Horke und Dr. Stefan Fritz (von Köhler Chemie)

 

Innovationspreis (Sponsor: Eurosets GmbH Deutschland)

Preisträger: Nicola Kwapil, Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Auf dem Foto sind von links nach rechts: Sebastian Tiedge, Nicola Kwapil, Martin Schmidthöfer (von Eurosets), PD Dr. Frank Münch, PD Dr. Alexander Horke

 

Förderpreise (Sponsor: Terumo Deutschland GmbH)

A: bestbewerteter Originalbeitrag

Preisträger: Simon Mayer, Herzzentrum Klinikum Stuttgart

Auf dem Foto von links nach rechts: Dr. Lars Saemann, Simon Mayer und Tilo Barth (von Terumo)

B: beste Erstveröffentlichung

Preisträger: Lukas Fiebig, Hochschule Furtwangen

Auf dem Foto von links nach rechts: Dr. Lars Saemann, Lukas Fiebig und Tilo Barth (von Terumo)

 

Preisträger zum Josef Güttler Stipendium

Preisträger: Jhonathan Torres Mosquera, Universitätsklinikum Magdeburg

Auf dem Foto mit PD Dr. Frank Münch

 

 

Hier die Jubilare aus diesem Jahr, jeweils mit PD Dr. Frank Münch

50 jähriges: Jürgen Witt

40 jähriges: Stefan Kasseckert, Albert Dick

25 jähriges: Olaf Sillmann (Foto anbei), Holger Schulze Schleithoff, Mathias Opitz (Foto anbei), Joachim Naumann (Foto anbei), Frank-Oliver Große (Foto anbei), Markus Fischer, Andreas Behrendt, Johannes Amberger

 

 

Übersicht zu den Abstracts der prämierten Arbeiten

Tagungspreis 2025 der DGPTM

A-168Kompakter ECMO-Trolley – ein Transportsystem für alle MaterialienNicola Kwapil
(Universitätsmedizin Mainz) (DGPTM)

 

DGTHG-Preis Fokustagung Herz 2025

A-158Pulmonalklappendilatation bei frühsymptomatischer Fallot-Tetralogie: Erste palliative Maßnahme und Einfluß ballonbedingter Klappeneinrisse auf die chirurgische StrategieDr. Claudia Arenz (Universitätsklinikum Bonn) (DGTHG)

 

Nachwuchsförderpreis der Jungen Foren

A-174Über die allometrischen Interaktionen der fraktalen Eigenschaften des kardiovaskulären Gefäßsystems und dem Hagen-Poiseuille’schen Gesetz. Erkenntnisse aus einem mathematischen Modell und der Simulaiton per Computational Fluid Dynamics für Bypässe.Gloria Nulchis
(Universitätsklinikum Tübingen)

 

Innovationspreis

A-167Kinder ECMO Fahrtrage 2.0 – eine standardisierte Lösung für DeutschlandNicola Kwapil
(Universitätsmedizin Mainz) (DGPTM)

 

 

Credits der Fotos:

DGPTM/Klindtworth

Der „Maschinist“ im Saal. Die Arbeit von Perfusionist:innen (Zeitungsartikel)

Im Operationssaal gibt es eine Berufsgruppe, die nie direkt am OP-Tisch stehen und doch überlebenswichtig in ihrer Tätigkeit sind: die Perfusionist:innen. Während das Operationsteam am Herzen arbeitet, steuern sie die Herz-Lungen-Maschine, überwachen Blutfluss, Sauerstoffsättigung und zahlreiche Laborwerte und sorgen dafür, dass der Körper des Patienten auch dann optimal versorgt bleibt, wenn Herz und Lunge vorübergehend stillstehen. Ihre Arbeit verbindet hochpräzise Medizin mit komplexer Medizintechnik – entscheidend dafür, dass solche Eingriffe überhaupt möglich sind.

Zeitungsartikel Donaukurier Geschichte aus dem OP Saal

Willkommen zur neuen Webseite

Nach über einem ¾ Jahr der Planung, intensiven Meetings, Codierung und Schreibarbeit ist am 13.01.2025 ist unsere neue Website live gegangen und wir sind stolz, hier ein neues Zuhause für unsere Mitglieder geschaffen zu haben. Zukünftig soll sie zur zentralen Plattform des Austauschs in unserer Community werden. Dafür arbeiten wir im Hintergrund an spannenden Erweiterungen.

Ein Highlight wird ein eigener „News“-Bereich sein, der euch stets über aktuelle Entwicklungen rund um Perfusion und technische Medizin informiert. Schaut regelmäßig vorbei und bringt euch ein – wir freuen uns auf eure Anregungen!